Feinschliff für russische Edelsteine: Branche bald wieder Weltspitze?

1996 gewann Jelena Opalewa mit ihrer „Sphinx von Gizeh" den International Diamonds Award von De Beers, sozusagen den „Oscar" der Edelsteinbranche. Foto: Pressebild

1996 gewann Jelena Opalewa mit ihrer „Sphinx von Gizeh" den International Diamonds Award von De Beers, sozusagen den „Oscar" der Edelsteinbranche. Foto: Pressebild

Russische Juweliere und Edelsteinherstelle versuchen, die Aufmerksamkeit der Politik auf veraltete Gesetze und Wettbewerbsnachteile zu richten, um so die Branche zu altem Glanz zurückzuführen.

Carl Fabergé und seine bekanntesten Produkte, die kaiserlichen Fabergé-Eier kennt jeder. Wie Russland seinen Ruf in der internationalen Schmuckindustrie wieder auf das Niveau wie vor 100 Jahren bringen kann, wird eines der Themen des Internationalen Forums der Schmuckindustrie sein, das am 13. September 2013 in Moskau stattfindet. Wie Experten erklären, müssen die Juweliere eine Reihe von Problemen lösen, um eine stabile Entwicklung der Branche zu gewährleisten und so in der Folge einen guten internationalen Ruf aufzubauen. Die Veranstaltung, die von der Russischen Juweliersinnung mit Unterstützung der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation organisiert wurde, ist verbunden mit dem 100. Gründungstag des russischen Juwelierverbands und ist den großen Juwelenlieferanten ihrer Kaiserlichen Majestät gewidmet.

Galina Ananjina, Generaldirektorin der Nationalen Sammlung von Kunstgegenständen erzählt, dass die Erzeugnisse der Juweliere bereits seit dem triumphalen Erfolg der russischen Meister bei der ersten internationalen Juweliersmesse im Rahmen der Weltausstellung in London (1851) ein integraler Bestandteil der großen russischen Kultur gewesen seien.

 

Russische Edelsteine preisgekrönt

In den letzten 20 Jahren konnte die Juwelierbranche in Russland eine Reihe von Erfolgen dadurch verbuchen, traditionelle Techniken wurden wiederbelebt und die alten Meister sogar übertroffen zu haben. Ein Beispiel dafür sind die Arbeiten für die Christ-Erlöser-Kathedrale, die von zeitgenössischen russischen Juwelieren auf höchstem Niveau angefertigt wurden.

Die besten Meisterwerke der nationalen Juwelierbranche werden jedes Jahr auf den internationalen Messen für Schmuck und Uhren in Vicenza, Basel, Berlin und Hongkong vorgestellt.

1996 gewann Jelena Opalewa mit ihrer „Sphinx von Gizeh" den International Diamonds Award von De Beers, sozusagen den „Oscar" der Edelsteinbranche. Dieses Jahr holte sich bereits zum zweiten Mal hintereinander der russische Goldschmied Ilgis Fasulsjanow den Grand Prix und den Titel „Champion of the Champions" beim International Jewellery Design Excellence Award in Hongkong.

Ananjina berichtete, dass als Hauptzentren der Juwelierskunst in Russland im Moment Moskau, Sankt Petersburg, Kostroma und Jaroslawl gelten.

Außerdem bekämen auf den ausländischen Messen jakutische Brillanten und Schmuck mit nationalen Motiven sowie auch Arbeiten von Edelsteinschleifern aus dem Ural Auszeichnungen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass Russen häufig keine Gelegenheit hätten, die aktuellen Prunkstücke ihrer Landsleute kennenzulernen und somit einen Eindruck über den Entwicklungsstand der Branche zu bekommen. „Als Resultat gewinnt man den Eindruck, dass russische Künstler ausschließlich durchschnittliche Ringe und Schmuckkettchen für den Massengebrauch herstellen", sagt Ananjina.

Nach ihrer Einschätzung verteile sich die Produktion der russischen Juwelierbetriebe zu 20 Prozent auf exklusive Stücke und Sonderschliffe und zu 80 Prozent auf die Massenproduktion, was auf Kunden mit mittlerem Einkommen und darunter abzielt.

 

Steigende Produktionskosten hemmen Branchenwachstum

Die Geschäftsführerin der Innung der Brillanten- und Schmuckhersteller der Republik Sacha (Jakutien), Tatjana Kyrbassowa, registriert ebenfalls eine Wiederbelebung des Industriezweigs: „In Jakutien hat das Juweliergeschäft jahrhundertealte Wurzeln. Die Branche erfuhr dank privater Investoren in der postsowjetischen Zeit eine Neubelebung. Auch machte sich in der letzten Zeit ziemlich deutlich die Unterstützung der weiterverarbeitenden Betriebe durch den Staat bemerkbar."

Sie stellt heraus, dass die Gewährleistung einer stabilen Entwicklung der Branche wichtig sei: „Bei uns in Jakutien sind Arbeitskraft und Energie teuer. Neuerdings erweist sich der Abbau von Diamanten unter Tage, zu dem der größte Diamantenförderer in Russland Alrosa übergeht, als immer kostspieliger. Die Rohstoffe für die Schmuckherstellung - Diamanten, Gold und Silber - sind teurer geworden." Die Schleifindustrie befände sich daher gerade im Zustand der Stagnation.

Ein weiteres Problem der Branche ist die wirtschaftspolitische Grundlage, die noch aus den Zeiten der UdSSR stammt. Wie der Vorsitzende des

Diamantenrats der Republik Sacha Wasili Wlasow Russland HEUTE berichtete, stellen seit 2003 Edelmetalle und -steine keinen besondere Devise mehr dar, wie es noch in der UdSSR war, sondern sie wurden zu einer gewöhnlichen Ware, obgleich sich die gesetzlichen Grundlagen wenig änderten. „Will man eine Produktion von Juweliererzeugnissen starten, müssen die Räume entsprechend ausgestattet sein. Es müssen massive Tresore, Sicherheitstüren und vergitterte Fenster vorhanden sein. Es muss Sicherheitspersonal für den Abbau, die Weiterverarbeitung und den Transport geben", erläuterte er. All das wirke sich natürlich auf die Produktionskosten aus.

Auch ist das Geschäft mit Edelmetallen und Edelsteinen immer noch durch Gesetze eingeschränkt, wie zum Beispiel sogar durch das Strafgesetzbuch.

 

Besteuerung macht Produktion unrentabel

Die Juweliere haben auch große Schwierigkeiten mit der Steuerlast. „Bis jetzt werden im Ausland in Ramat Gan (Israel), Antwerpen (Belgien) und Schanghai (China) hauptsächlich Brillanten verkauft", erzählt Tatjana Kyrbassowa. Alle Smaragde, Saphire und Alexandriten und weitere Edelsteine werden aus dem Ausland eingeführt und unterliegen der Steuer und dem Zoll, was 33 Prozent des Händlerpreises ausmacht", erklärt Wlasow.

Dabei sei die Brillantenherstellung in Russland wegen der besonderen Gewinnung und der hohen Personalkosten sehr teuer, die Herstellung von kleinen Brillanten daher nicht rentabel. Doch genau die wären am Markt am meisten nachgefragt, klagt Wasili Wlasow. „Sie werden von uns in China und Indien für die Massenproduktion eingekauft, dazu kommen die 33 Prozent bei der Einfuhr. Auch gibt es Probleme beim Inlandsverkauf. Zum Beispiel verkauft Alrosa Diamanten steuerfrei an ihre ausländischen Partner aber von inländischen Abnehmern nehmen sie Steuern", erzählt der Experte. Wlasow merkt an, dass sie schon die letzten zehn Jahre mit diesen Hindernissen kämpften, aber nicht immer die Unterstützung von der russischen Regierung bekämen.

Mit Hilfe des Internationalen Forums der Schmuckindustrie, das im September stattfindet, wollen die Experten die Aufmerksamkeit auf die

heimische Branche lenken und drängende Fragen lösen. Am Forum werden eine große Anzahl ausländischer Delegationen beteiligt sein, darunter Vertreter der internationalen Juweliervereinigung CIBJO, Vorsitzende nationaler Juwelierverbände der Länder des Nahen und Fernen Ostens, Vertreter der russischen Juwelierindustrie und regionaler Verbände, Investmentfirmen, Auktionshäuser, Galerien und Messefirmen sowie führende Kunstexperten.

Im Rahmen des Forums wird ein Wohltätigkeitsball der Juweliere (14. September) abgehalten. Auch gibt es eine Ausstellung „Juwelierskunst in Russland: Tradition und Moderne" und eine Präsentation der Medaillen der Winterolympiade 2014 in Sotschi.

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