Moskau will zusammen mit der Deutschen Börse mit Termingeschäften punkten

Das Interesse der Moskauer an der Entwicklung des Futures-Handels mit Rubeln in Europa ist verständlich – der Handel hegt schon seit langem die Hoffnung, Moskau zu einem internationalen Finanzzentrum werden zu lassen.  Foto: ITAR-TASS

Das Interesse der Moskauer an der Entwicklung des Futures-Handels mit Rubeln in Europa ist verständlich – der Handel hegt schon seit langem die Hoffnung, Moskau zu einem internationalen Finanzzentrum werden zu lassen. Foto: ITAR-TASS

Bisher waren Europäer nicht ohne Weiteres in der Lage, sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern. Dies soll nun durch den Handel mit Futures-Kontrakten erleichtert werden.

Europäische Unternehmen und Banken, die Geschäfte mit Russland tätigen, werden bis Jahresende ein zusätzliches Instrument zur Absicherung von Kursschwankungsrisiken des russischen Rubels erhalten. Die Eurex Exchange beabsichtigt, den Handel mit Futureskontrakten auf die Währungspaare Euro-Rubel und US-Dollar-Rubel zu starten. Eine entsprechende Vereinbahrung wurde am 21. August 2013 durch den Vorstandsvorsitzenden der Moskauer Börse, Alexander Afanasjew, und den Vorstandsvorsitzenden der Eurex Exchange, Andreas Preuss, unterzeichnet.

Die Rubel-Kontrakte werden eine Ergänzung zur neuen Futures-Linie der Eurex Exchange darstellen. Am 7. Oktober wird sie Währungs-Futures und Optionen auf Basis der wichtigsten sechs Währungspaare auflegen. Die Rubel-Futures werden ein Termingeschäft sein. Ihre Verrechnung wird über die Kursnotierung des Wechselkurses an der Moskauer Börse zum Tag der Zahlungsfälligkeit erfolgen.

„Dieses Projekt wird im Rahmen einer Ende 2012 zwischen der Moskauer Börse und der Deutschen Börse unterzeichneten Absichtserklärung realisiert werden. In diesem Zusammenhang werden die russischen Teilnehmer bereits im Herbst die Möglichkeit erhalten, mit Futures auf die umsatzstärksten Aktien deutscher Unternehmen – der Deutsche Bank, Siemens, BMW, Volkswagen und Daimler – zu handeln", teilte die Pressestelle der Moskauer Börse gegenüber Russland HEUTE mit. In Russland sind Futures-Kontrakte auf Währungen ein beliebtes Instrument bei Investitionen. Laut der Version von Futures Industry Association belegten an der Moskauer Börse die Futures-Kontrakte auf den Wechselkurs von US-Dollar und Rubel im vergangenen Jahr den dritten Platz im Kontrakthandel (373 Millionen Kontrakte). Zum Ende des zweiten Quartals 2013 betrug der durchschnittliche Umsatz durch Futures auf den Euro-Rubel- und US-Dollar-Rubel-Kurs an der Moskauer Börse zwei Millionen Kontrakte oder 1,6 Milliarden Euro pro Tag.

 

Angebot soll sich vorrangig an ausländische Unternehmen richten

Die vorrangigen Käufer der Rubel-Futures werden diejenigen Unternehmen sein, die Geschäfte mit russischen Organisationen tätigen, ist sich die stellvertretende Direktorin der Analyseabteilung des Unternehmens Alpari, Darja Schelannowa, sicher. „In der ersten Zeit können zur Absicherung der Liquidität Market-Maker herangezogen werden. Und um ohne Risiko die für die Marktteilnehmer notwendigen Positionen eröffnen zu können, müssen sie über die Möglichkeit des Umkehrhandels verfügen können, der ihre eigene Position marktneutral gestalten würde. Der einzige Handelsplatz, an dem dies gegenwärtig möglich ist, ist die Moskauer Börse", ergänzte der Vorstandsvorsitzende der Concern General Invest, Andrej Nikitjuk, die Aussage seines Kollegen.

Das Interesse der Moskauer an der Entwicklung des Futures-Handels mit Rubeln in Europa ist verständlich – der Handel hegt schon seit langem die

Hoffnung, Moskau zu einem internationalen Finanzzentrum werden zu lassen und dafür muss es den Bekanntheitsgrad der russischen Währung verbessern. Und obwohl Asien allmählich seinen Anteil am Handelsumsatz Russlands steigert, bleibt Europa doch der wichtigste Handelspartner Moskaus. Auf Europa entfallen knapp 50 Prozent des russischen Handelsumsatzes.

Unabhängige Experten bezweifeln allerding ein wenig, dass diese Instrumente dabei helfen könnten, das Moskauer Finanzzentrum zu stärken. „In der Realität wird das Projekt sich in keiner Weise auf die Entscheidung der Investoren auswirken, sich in Moskau zu engagieren. Für das Moskauer Finanzzentrum bedarf es viel mehr als die Auflage von ein paar Termingeschäften", bemerkte der Analyst der FIBO Group, Anatolij Woronin.

 

Deutsche Börse versucht, Marktrückstände aufzuholen

Was die Europäer betrifft, so würden diese nach Einschätzung Nikitjuks mit der Eröffnung des Derivathandels versuchen, ihren Rückstand im Segment des Währungshandels zu kompensieren. Gegenwärtig ist dies das am wenigsten regulierte Segment des Finanzmarktes.

„Die Umsätze des Devisenmarktes wachsen in dem Maße, in dem weltweit immer mehr Unternehmen gegründet werden, die ihren Kunden einen zusätzlichen Gewinn versprechen, der deren Gehalt übersteigt. Im Grunde genommen unterscheiden sich solche Unternehmen jedoch kaum von einer Wettbörse. Eine solche Konstellation schädigt das Ansehen der Unternehmen, die sich auf die Kapitalverwaltung vermögender Personen spezialisiert haben und die wesentlich konservativere Instrumente in ihrer Arbeit verwenden und ihre Entscheidungen auf Basis der Analyse grundlegender Kennwerte fällen", unterstrich er.

 

Ausländische Akteure müssen nicht in russischen Markt eintreten

Anatolij Woronin geht davon aus, dass die Deutsche Börse mit ihrem Eurex Exchange zum wichtigsten Handelsplatz für Rubel-Euro-Kontrakte werden wird. „Das ist ein für Spekulanten und Absicherer geeigneter Handelsplatz, der in jeder Beziehung komfortabel ist und auf dem sie ohne Einstieg in den für sie unverständlichen russischen Markt, wo sie juristische Probleme erwarten, agieren können. Die Beteiligung der Moskauer Börse besteht in

erster Linie in der Ermittlung der Kursnotierung für die Kontrakte zum Fälligkeitstermin. Das ist eine nachvollziehbare Arbeitsteilung", bemerkte er und ergänzte, dass die Auslieferung auf dem Terminmarkt in der Regel niemanden interessiert und die europäischen Unternehmen, die Rubel für ihre Geschäftstätigkeit benötigen, andere und weniger komplizierte Möglichkeiten finden können, um sich russische Devisen zu verschaffen.

In der Pressestelle der Moskauer Börse wollte man keine Prognose für das mögliche Handelsvolumen mit Rubel-Futures in Europa abgeben, aber der Start erfolgt in einer äußerst interessanten Zeit. „Der Rubel ist nicht vorhersagbar, und das bedeutet, das Spekulanten die Möglichkeiten haben, mit Gerüchten und Mutmaßungen spielen zu können", bemerkte Woronin.

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