Moskau hat sich gemausert

Moskau beeinflusst stark die Position Russlands auf der Rangliste. Foto: Getty Images/Fotobank

Moskau beeinflusst stark die Position Russlands auf der Rangliste. Foto: Getty Images/Fotobank

In der elfjährigen Geschichte des Doing-Business-Index war Russland kein einziges Mal unter den ersten hundert. Das soll sich ändern, eine Schlüsselrolle kommt dabei Moskau zu.

Mitte Juli führte eine russische Delegation Beratungsgespräche mit der Weltbank bezüglich der Verbesserung von Russlands 
Position auf der Rangliste Doing Business. Vertreter der Steuer
behörden, des Föderalen Dienstes für Staatliche Registrierung, 
Kataster und Kartografie, des 
Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung, der Agentur für Strategische Initiativen und der Moskauer Stadtregierung stellten den Experten der Weltbank aktuelle Erhebungen zur Situation in 
der Hauptstadt vor und machten Vorschläge zur Korrektur der 
Methode bei der Erstellungdes Doing-Business-Index.

Im vergangenen Jahr belegte Russland den 112. Platz unter 
185 Ländern. Dieses Jahr will man alles dafür tun, um es unter die ersten hundert zu schaffen. „Wir haben uns über fünf Indikatoren beraten lassen: die Registrierung von Eigentum, die Erteilung von Baugenehmigungen, die Abwicklung internationaler Handelsoperationen, die Entrichtung von Steuern und den Anschluss an das Stromversorgungsnetz", erklärt der Direk
tor des Departements für die Koordinierung der Wirtschafts-
politik und der Entwicklung der Moskauer Regierung, Michail 
Prjadilnikow. „Im vergangenen Jahr haben wir die Bearbeitungs
zeiten verkürzt und die Zahl der Behördengänge für Verwaltungsangelegenheiten, die neue Unternehmen zu bewältigen haben, wesentlich verringert."


Schneller, billiger, einfacher

 Nach Einschätzung der Weltbank mussten in Moskau 2012 noch Dutzende Behördengänge absolviert und 281 Tage dafür eingeplant werden, um ein ganz normales Grundstück an das Stromnetz anschließen zu lassen. In diesem Jahr, so versichert Prjadilnikow, wird das Ganze nur die Hälfte der Zeit in Anspruch nehmen: 
146 Tage mit insgesamt vier Behördengängen. Auch die Anschlusskosten sollen sich um mehr als 90 Prozent verringern: „2012 betrugen sie 5,5 Millionen Rubel, inzwischen sind es nur noch 426 000 Rubel (etwa 10 000 Euro)."

Bezüglich der restlichen Indikatoren hat sich die Situation in der Hauptstadt laut Regierung ebenfalls deutlich verbessert. Die Registrierung von Eigentum im 
Föderalen Dienst für Staatliche Registrierung, Kataster und Kartografie dauert nicht mehr 44 Tage wie im vergangenen Jahr, sondern nur noch die Hälfte der Zeit. Auch das Einholen einer Baugenehmigung ist unkomplizierter geworden: Laut Weltbank waren vor zwei Jahren noch 42 Behördengänge nötig, inzwischen muss man nur noch zwölfmal aufs Amt. Die Bearbeitungszeit verringerte sich von 344 auf 152 Tage.

Die Entwicklung in Moskau ist von großer Bedeutung für die Position Russlands auf dem Doing-Business-Index, weil die Stadt der wichtigste Wirtschaftsstandort des Landes ist. Dieser Umstand erklärt gleichzeitig auch, warum Russland es bisher nicht unter die ersten hundert Länder geschafft hat.


Mehr Regionen einbeziehen

 Denn, so bekennt Michail Prjadilnikow, innerhalb Russlands belege die Stadt im Ranking nur den dreißigsten Platz. Eine Rolle dabei spielt wohl

Moskaus Besonderheit als Großstadt und seine komplexe historische Bebauung: „In den nationalen Ranglisten Mexikos und Brasiliensliegen die Großstädte auch nicht auf einer Spitzenposition, und zwar vor allem nicht, weil sie – anders als Kleinstädte – alle Besonderheiten der komplexen Bebauung und des Anschlusses an die Versorgungsnetze berücksichtigen müssen.

Ein Vorschlag für die Weltbank zur Anpassung ihrer Analyse-
methode war deshalb die Einbeziehung einiger russischer Schlüsselregionen bei der Erstellung der weltweiten Rangliste – damit die Bewertung Russlands etwas ausgewogener ausfällt.

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