Mit 400 km/h und deutscher Technik zu den Tataren

Der Hochgeschwindigkeitszug Sapsan verbindet Moskau mit St. Petersburg und Nischni Nowgorod. Foto: Pressebild

Der Hochgeschwindigkeitszug Sapsan verbindet Moskau mit St. Petersburg und Nischni Nowgorod. Foto: Pressebild

Zwischen St. Petersburg, Moskau und Nischni Nowgorod geht es schon heute schnell – mit der ICE-Abwandlung Sapsan. 
Doch das Land braucht mehr Hochgeschwindigkeitstrassen.

Die Russischen Eisenbahnen (RZD) geben Gas: Seit 2010 fährt der Schnellzug Allegro zwischen Helsinki und St. Petersburg, ein Jahr zuvor wurde die Strecke 
St. Petersburg–Moskau–Nischni Nowgorod in Betrieb genommen. Dort verkehrt der Sapsan, ein an russische Verhältnisse angepasster ICE, der unter anderem über eine andere Spurweite verfügt. Über die letzten Jahre haben die Züge mehr als 11,5 Millionen Passagiere befördert. Allerdings können sie aufgrund der Gleisqualität nicht ihre volle Geschwindigkeit ausfahren.

Anfang August fand in Moskau eine Sitzung des wissenschaftlich-technischen Rates der Russischen Eisenbahnen zu weiteren Schnell- und Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken (HGS) statt. Aus mehr als 50 Varianten für die Verlegung der Trassen wurden die Verbindungen Moskau–St. Petersburg, Moskau–Nischni Nowgorod–Kasan–Jekaterinburg sowie Moskau- Rostow am Don–Adler bei Sotschi als aussichtsreichste Strecken zur Realisierung ausgewählt. Ihre Gesamtlänge könnte bei 3700 Kilometern liegen.

 

3,5 anstatt 14 Stunden

 Die HGS seien für Russland ein wichtiges geopolitisches Projekt, sagt der Vorsitzende des Komitees für Transportfragen der Staatsduma, Jewgenij Moskwitschew. Das Projekt HGS werde die Handels- und Industriekontakte zwischen den Regionen festigen und das Transitpotenzial Russlands erschließen. Der Ausbau der HGS, so glaubt Moskwitschew, wird es Russland zudem erlauben, beim Errichten des neuen Hochgeschwindigkeits-Transportkorridors von China nach Europa mitzuwirken.

Im April 2013 gab der Vizepräsident der RZD, Alexander Mischarin, bekannt, dass das erste HGS-Projekt in Russland die Strecke Moskau–Nischni Nowgorod–Kasan sein werde. Geplant ist, dass die Projektarbeiten bis Ende 2014 abgeschlossen sind und der Zug spätestens zur Fußballweltmeisterschaft 2018 rollt.

Die Gesamtbaukosten der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken zwischen Moskau und Kasan werden auf 21,5 Milliarden Euro geschätzt, davon sollen 15 Milliarden aus einem staatlichen Fördertopf fließen.


Hochgeschwindigkeitstrassen als Modernisierungsmotor

 Nach Vollendung des Projekts werden die Passagiere die Strecke von Moskau nach Kasan, die gut 800 Kilometer beträgt, in etwas mehr als drei

Stunden zu
rücklegen. Gegenwärtig müssen sie noch 14 Stunden in den Zügen aushalten.

Nach Ansicht des stellvertretenden Dumavorsitzenden Alexander Schukow stellen die HGS „nicht nur eine Verbesserung der Transportinfrastruktur und der Lebensqualität der Bürger dar, sondern auch einen ernsthaften Beitrag für die Modernisierung der Wirtschaft. Hochgeschwindigkeitsstrecken sind eine Hochtechnologie, die für neue Arbeitsplätze sorgt, was auch einen 
Beitrag zumWachstumstempo des BIP bedeutet."