Russisch-islamischer Marktplatz in Kasan

Der KazanSummit 2013 begrüßt zum fünften Mal Wirtschaftsvertreter der russischen und islamischen Welt. Foto: Pressebild

Der KazanSummit 2013 begrüßt zum fünften Mal Wirtschaftsvertreter der russischen und islamischen Welt. Foto: Pressebild

In Kasan findet am 2. und 3. Oktober der 5. Internationale Wirtschaftsgipfel Russlands und der Länder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit OIC, der KazanSummit-2013, statt.

Anfang Oktober lädt die Hauptstadt Tatarstans zu einem wahren Stelldichein der Großen aus Wirtschaft und Finanzwesen ein. In Kasan treffen Scheichs, Politiker und Bankiers aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südostasien auf Vertreter der russischen Wirtschaft und der Finanzbranche. Die Teilnehmer kommen aus insgesamt mehr als 35 Ländern.

Zu ihnen gehören der Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit Ekmeleddin Ihsanoglu, der Präsident der Islamischen Entwicklungsbank Achmed Mohamed Ali Al Madani sowie der Vorsitzende des Unternehmerverbandes von Katar Scheich Feisal bin Kassim Al Tani. Russland wird durch den Minister für Wirtschaftsentwicklung der Russischen Föderation, Alexej Uljukajew, und der Vorsitzenden der Zentralbank, Elwira Nabiullina, vertreten.

Eines der Ziele des Wirtschaftsgipfels besteht darin, die islamische Welt wieder mit Russland zu verbinden.

 

Russland will islamische Märkte zurückerobern

„Zu Zeiten der Sowjetunion waren die Länder des Nahen Ostens, Nordafrikas und Südostasiens bedeutende Absatzmärkte für sowjetische Erzeugnisse", erläutert Linar Jakubo, der Vorsitzende des KazanSummit-Organisationskomitees und Leiter der Agentur für Investitionsentwicklung der Republik Tatarstan. In den Neunzigerjahren sei die Pflege der Beziehungen auf beiden Seiten eingestellt worden. Nun habe man die Möglichkeit wieder näher aneinanderzurücken. Und zwar nicht nur, um Erzeugnisse abzusetzen, sondern auch um für Investitionen in Russland zu werben.

Laut Jakubo hätten die arabischen Länder Russland bisher praktisch nicht als Investitionsziel angesehen. Doch nun entwickle sich aus den zunächst zurückhaltenden Beziehungen allmählich ein Interesse. Und Tatarstan nehme hierbei die Rolle eines Türöffners für Investoren aus muslimischen Ländern ein. Einerseits sei diese Republik eine der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Regionen des Landes, andererseits sei sie ein Gebiet mit einer starken islamischen Tradition. Es verstehe sich daher von selbst, dass es Geschäftsleuten aus dem Nahen Osten schon rein psychologisch leichter falle, über Tatarstan Kontakte in Russland zu knüpfen. Dazu komme, dass Investoren bekanntermaßen ein recht vorsichtiges „Völkchen" seien und sich oft an Stereotypen orientierten.

„Das Wissen über Russland beschränkt sich bei vielen von ihnen auf folgende Begriffe: Moskau, Sankt Petersburg, kaltes Klima und die Russenmafia. Sie glauben dem, was sie in irgendwelchen Hollywood-Blockbustern sehen", klagt Linar Jakubow. Deshalb sei geplant, den Wirtschaftsgipfel mit einem Geschäftsfrühstück zum Thema „Mythen über Russland" zu eröffnen. Es werde noch viel Mühe und Arbeit kosten, diese aus den Köpfen zu bringen.

Potentielle Investoren und Geldgeber sollen überzeugt werden, dass Russland kein tristes Land ist, sondern eine Oase für Investitionen. Dies sei auch eine Aufgabe der Journalisten. In einer Podiumsdiskussion soll daher auch die Rolle der Medien für die Außenwahrnehmung der russischen Wirtschaft behandelt werden. Hierzu versammeln sich Herausgeber und Chefredakteure verschiedener Medien sowie Spezialisten aus der Kommunikationsbranche zum Gespräch.

 

„Kluge Städte" sollen kluge Köpfe anziehen

Eine der Diskussionsrunden ist den so genannten „Smart Cities" gewidmet. Diese Städte werden nach ökologischen Prinzipien geplant und zeichnen sich durch die konzentrierte Ansiedlung von innovativen Hightech-Unternehmen aus. Durch sie bekommt die Wirtschaftsentwicklung der gesamten Region einen positiven Impuls.

Die Hauptstadt Tatarstans wird in naher Zukunft zwei solcher Innovationszentren erhalten: Innopolis und die Smart City Kasan. An der Entwicklung des zweiten Projektes nehmen im Übrigen auch Unternehmen aus Südostasien und dem Nahen Osten teil.

Im Rahmen des Wirtschaftsgipfels Anfang Oktober soll die Grundsteinlegung der zukünftigen Stadt erfolgen. Künftig werden hier hochqualifizierte Ärzte, Ingenieure und Pädagogen leben und arbeiten. Tatarstan hofft, dass die Smart City Kasan zu einem Zentrum der islamischen Finanzbranche wird.

„Der islamische Finanzmarkt wächst mit jedem Jahr. Mittlerweile betragen die verwalteten Mittel der islamischen Banken bereits mehr als eine Billion

Euro", erzählt Linar Jakubow. Dieser Trend lasse sich weltweit beobachten. Tatarstan könne sich gute Chancen als Metropole in diesem Bereich ausrechnen". Allerdings gehe dieser Markt mit speziellen Herausforderungen einher. Bekanntermaßen verbiete die Scharia das Erzielen von Zinseinnahmen. Deshalb unterscheide sich das Vorgehen eines islamischen Bankers von dem anderer Finanziers.

Es gelinge nicht immer, so Jakubow, diese Prinzipien unter den russischen Bedingungen einzuhalten. Erfolgreiche aber auch misslungene Projekte würden daher ebenfalls auf dem Wirtschaftsgipfel diskutiert.

Von den Anstrengungen des Wirtschaftsgipfels können sich die Teilnehmer beim traditionellen Pferderennen um die KazanSummit-Trophäe erholen. Der Präsident der Republik Tatarstan, Rustam Minnichanow, lädt im Kasaner Hippodrom zu einem abendlichen Festmahl.

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