Russland übergibt dem Iran das Kernkraftwerk Buschehr

Buschehr ist das erste Kernkraftwerk im Nahen Osten und war das wohl bekannteste überfällige Bauprojekt in der Region.  Foto: Reuters

Buschehr ist das erste Kernkraftwerk im Nahen Osten und war das wohl bekannteste überfällige Bauprojekt in der Region. Foto: Reuters

Zurzeit laufen Verhandlungen mit Russland über weitere Bauprojekte auf der Anlage Buschehr. Der Teheraner Wunsch, weitere Reaktorblöcke von russischen Firmen errichten zu lassen, könnten jedoch durch die internationalen Sanktionen zunichte gemacht werden.

Russland hat dem Iran die Anlage in Buschehr übergeben, dessen Bau sich ganze 37 Jahre lang hinzog. Wie Teheran erklärte, wird Russland womöglich bald mit den Arbeiten an einem zweiten Kraftwerksblock beginnen.

Der erste Reaktorblock des Kernkraftwerks Buschehr mit einer Kapazität von 1 000 Megawatt sei dem iranischen Auftraggeber übergeben wurden, sagte der Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation (AEOI) Ali Abkar Salehi. Für die nächsten zwei Jahre, so ist es vereinbart, werden jedoch weiterhin russische Experten vor Ort arbeiten. Sie werden das Personal des Kraftwerks beraten und technische Unterstützung leisten.

Offiziell eröffnet wurde das Kernkraftwerk Buschehr schon am 21. August 2010, im Oktober des Jahres begann dann die Beladung des Reaktors mit Brennstoff. Dies wurde auch durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) überwacht. Seit August 2012 läuft nun bereits der kommerzielle Betrieb. Während Testläufen im Juli 2013 erreichte der Reaktorblock dann seine volle Leistungskraft, jedoch folgten noch mehrmonatige Langzeittests durch die Konstrukteure. Erst danach wurde das Objekt an den Bauherren übergeben.

 

Verhandlungen über weitere Zusammenarbeit finden bereits statt

Teheran hofft nun, dass schon in nächster Zeit mit dem Bau eines zweiten, ebenfalls auf 1 000 Megawatt ausgelegten Reaktorblocks begonnen werden könne. Man befinde sich in den Verhandlungen mit Russland auf einem guten Wege, sagte Salehi. „Auf der letzten Sitzung der iranisch-russischen Regierungskommission für Wirtschaftsfragen kamen die Seiten über den Bau neuer Kernkraftwerke überein", erklärte Ali Akbar Salehi.

Nach den Plänen des Iran sollen drei neue Blöcke gebaut werden, zwei von ihnen sind bereits in der Planungsphase, der dritte ist langfristig anvisiert. Das Gelände der Anlage in Buschehr ist grundsätzlich auf vier Reaktorblöcke mit je 1 000 Megawatt Leistungskraft ausgelegt, jedoch müssen die konkreten Baupläne jeweils mit der IAEA abgestimmt werden.

Buschehr ist das erste Kernkraftwerk im Nahen Osten und war das wohl bekannteste überfällige Bauprojekt in der Region. Die Bauarbeiten an diesem Kraftwerk begannen schließlich bereits im Jahr 1974. Erster

Auftragnehmer war der Siemens-Konzern, nach 1998 betraute Teheran das russische Unternehmen Atomstroiexport mit der Fertigstellung des Bauvorhabens.

In der russischen Atomenergiebehörde Rosatom bezeichnet man das iranische Kernkraftwerk als einzigartig und mit den restlichen Kernkraftwerken auf der Welt nicht vergleichbar. Die Russen standen schließlich vor der großen Herausforderung, russische Anlagen in noch von Siemens entworfene Bauabschnitte zu integrieren und außerdem ungefähr 12 000 Tonnen deutscher Technik zu nutzen.

 

Russland wägt zurzeit Vor- und Nachteile der Kooperation ab

Experten sehen die Chancen einer russischen Beteiligung am Bau weiterer Reaktorblöcke im Iran nicht so optimistisch wie die Iraner. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung eines solchen Großprojekts ist zwar auch wenig zweifelhaft, dass im Falle eines Ausstiegs der Russen chinesische Firmen die Chance nutzen würden, die Bauvorhaben zu realisieren. Dies würde China auch größeren politischen Einfluss auf den Iran geben, was nicht im Interesse Russlands wäre. Allerdings sind die internationalen Sanktionen gegen die Regierung in Teheran ein mögliches Hindernis und Risiko.

Für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran sind die Bedingungen im Moment nicht ideal: Wladimir Saschin, Experte des

Russischen Rates für internationale Angelegenheiten und leitender Mitarbeiter des Institut für Orientalistik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, schätzt nach Angaben von RIA Novosti, der Iran erleide durch internationale Sanktionen jährlich einen Schaden von 30 bis 40 Milliarden Euro. Dies träfe die iranische Wirtschaft schwer.

Durch den Ausschluss iranischer Banken aus dem internationalen Geldtransaktionssystem SWIFT im Jahr 2012 sind außerdem Überweisungen aus oder in den Iran nahezu vollständig unterbunden. „Selbst wenn der Iran an Geld käme, wie sollten diese Gelder transferiert werden? In vielen Ländern, wie Indien oder China zum Beispiel, schuldet man dem Iran Geld, kann es aber auf dem üblichen Weg nicht überweisen", schloss Saschin.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wsgljad.