Russische AKWs punkten 
mit Sicherheit

Die Entscheidung über den Bau des finnischen Kernkraftwerks Hanhikivi 1 soll bis Ende Oktober fallen. Foto: Fennovoima

Die Entscheidung über den Bau des finnischen Kernkraftwerks Hanhikivi 1 soll bis Ende Oktober fallen. Foto: Fennovoima

Russische Atomtechnologie ruft in Europa immer größeres Interesse hervor. Nach Finnland und Tschechien könnte Rosatom in den nächsten Jahren auch nach Großbritannien gehen.

Einst baute die Sowjetunion Atomkraftwerke in Bulgarien, in der Slowakei, Ungarn, Tschechien, Finnland und der DDR. Danach setzte die Föderale Agentur für Atomenergie Rosatom ihre Tätigkeit in der EU fort. Tschechien etwa hat sich vollständig von amerikanischem Kernbrennstoff losgesagt und verwendet 
aufgrund ihrer größeren Zuverlässigkeit Brennelemente aus russischer Produktion. Auch das finnische Unternehmen Fennovoima hat in diesem Sommer ein Abkommen mit Rusatom Overseas, einer Tochter von Rosatom, über die Ausarbeitung eines Vertragsentwurfs zum Bau des AKWs Hanhikivi 1 unterzeichnet.

Laut der Zeitung Kommersant 
beabsichtigt Rusatom Overseas, 34 Prozent von Fennovoima zu übernehmen. Damit würde sich der Konzern bei Gesamtkosten um die sechs Milliarden Dollar mit rund zwei Milliarden am Bau des Atommeilers beteiligen. Die Entscheidung über die Umsetzung der Pläne wollen die Fennovoima-Anteilseigner bis Ende Oktober 2013 treffen.

Noch im Rahmen eines sowje
tischen Projekts wurden in Finnland zwei Blöcke des Kernkraftwerks Loviisa errichtet. Dieses Kraftwerk gilt unter unabhän
gigen Experten heute als eines der besten europaweit bezüglich seiner Rentabilität und auch in puncto Sicherheit.

In Finnland stammen 25 Prozent der erzeugten Energie aus Atomkraft. Zum Vergleich: In Russland und Deutschland erzeugen Atomkraftwerke etwas mehr als 16 Prozent des Stroms. Die Führung von Fennovoima hat erklärt, dass Rosatom die weltweit beste energetische Lösung bei der friedlichen Nutzung der Atomkraft bietet.

Tschechien könnte das nächste Land sein, das sich für den Bau eines AKWs mit moderner russischer Technologie entscheidet. An der Ausschreibung für den Bau von zwei Blöcken für das Kraftwerk Temelin nimmt ein tschechisch-russisches Konsortium teil, das das Projekt AKW-2006 eingereicht hat.

Nach dieser Bauart werden in Russland derzeit sechs Blöcke errichtet, dazu zwei in Belarus und vier in der Türkei. AKW-2006 gehört zur Generation 3+. Es verfügt über eine Kombination aus aktiven und passiven Sicherheitssystemen und entspricht den nach Fukushima ausgearbeiteten Sicherheitsanforderungen der International Atomic Energy Agency (IAEA) und den in der EU geltendenParametern.

Das Projekt AKW-2006 sieht eine doppelte Schutzhülle vor, die den Aufprall

eines bis zu 400 Tonnen schweren Flugzeugs überstehen kann. Es beinhaltet passive Systeme, die die Wärme aus der aktiven Zone und der Schutzhülle abführen sowie aktive Systeme, einen Wasserstoffnachbrenner und einen 
Core-Catcher. Dazu kommt eine Vorrichtung zum Auffangen von 
geschmolzenem Material. Auch im autonomen Betrieb, wenn alle Elektro- und Wasserversorgungssysteme über einen längeren Zeitraum ausfallen sollten, ist das Kraftwerk in der Lage, den Kernspaltungsprozess aufzuhalten, die Restwärme abzuführen und damit die Sicherheit zu gewährleisten.

Ein größerer Umfang an Sicherheitsmaßnahmen ist weltweit in keinem anderen Projekt vorgesehen. Rosatom ist der Meinung, dass ein Kraftwerk dieses Typs eine Umweltkatastrophe wie in Fukushima ohne größere Schäden überstanden hätte. Die nach Fukushima durchgeführten Stresstests haben die Standhaftigkeit moderner russischer AKWs

gegenüber extremen Einwirkungen bestätigt.

Auch in Großbritannien, das seine Nuklearkapazität von heute 20 Prozent ausbauen will, könnte 
Rosatom zum Zuge kommen. Am 5. September unterzeichneten die Russen mit der Rolls-Royce und dem finnischen Energieunternehmen Fortum in Moskau ein Abkommen über die gemeinsame 
Erforschung der Möglichkeiten zum Bau und Betrieb eines AKWs in Großbritannien. Im Gegenzug sollen dieBriten Rosatom bei der Lizensierung eines Wasser-Wasser-Energie-Reaktors (WWER) unterstützen.

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