Auf Reformkurs: Aeroflot gründet Billig-Airline Dobrolet

Im Gegensatz zu früheren Fluggesellschaften, die sich als Billigflieger versuchten, wird die Tochter von Aeroflot mit neuen Flugzeugen starten. Foto: ITAR-TASS

Im Gegensatz zu früheren Fluggesellschaften, die sich als Billigflieger versuchten, wird die Tochter von Aeroflot mit neuen Flugzeugen starten. Foto: ITAR-TASS

Die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot hat mit seiner neuen Billigtochter Dobrolet große Pläne: Der Börsenwert soll innerhalb von vier Jahren auf eine Milliarde Euro gesteigert werden. Hierzu muss jedoch auch die Regulierung von Passagierrechten angepasst werden.

Vor wenigen Tagen hat Aeroflot den Namen seiner neuen Tochtergesellschaft bekannt gegeben: Dobrolet. „Dobrolet" war bereits der Name eines Vorgängers von Aeroflot, der im Jahr 1923 als Aktiengesellschaft gegründet wurde. Unter dem Namen „Aeroflot" fungiert das Unternehmen seit 1932.

Wie Aeroflot vermeldete, wurde Dobrolet am 4. Oktober gegründet. Geschäftsführer ist der ehemalige Generaldirektor des vor zwei Jahren eingestellten Billigfliegers Avianova, Wladimir Gorbunow. Der Flugbetrieb soll zwischen Frühling und Herbst 2014 aufgenommen werden. Als Heimathafen wird der Flughafen Domodedovo in Moskau genannt, der Flughafen selbst hat diese Information jedoch noch nicht bestätigt.

In die Gründung der Fluggesellschaft will Aeroflot nach Angaben des Generaldirektors Witali Saweljew 75 Millionen Euro investieren, die sich innerhalb von zwei Jahren amortisieren sollen. In fünf Jahren soll Dobrolet dann bereits zehn Millionen Passagiere transportieren; die jährliche Passagiermenge von Aerflot lag im vergangenen Jahr bei 27,5 Millionen Passagieren.

Innerhalb der Firmengruppe würden dabei ca. 1,2 Millionen Passagiere von Aeroflot zu Dobrolet wechseln, schätzt Saweljew. Als Ziel gab er an, den Börsenwert von Dobrolet innerhalb von vier Jahren auf knapp eine Milliarde Euro zu steigern.

Im Gegensatz zu früheren Fluggesellschaften, die sich als Billigflieger versuchten, wird die Tochter von Aeroflot mit neuen Flugzeugen starten.

Geplante Fluglinien von Dobrolet

 

2014 plant der Billigflieger Flüge nach Sankt Petersburg, Samara, Jekaterinburg, Machatschkala, Krasnodar, Ufa, Kaliningrad und Nowy Urengoi.

2015 sollen Flüge nach Anapa, Sotschi, Tjumen, Omsk, Perm, Nischnewartowsk und Tscheljabinsk hinzukommen, 2016 sind die neuen Ziele Rostow am Don, Astrachan, Minaralnyje Wody, Kiew, Jerewan und Istanbul.

Sky Express operierte mit 15 Jahre alten Boeing 737 und Avianova mit mehreren Airbus A320, die zwischen drei und sieben Jahre alt waren. Dobrolet hingegen wird neue Maschinen vom Typ Boeing 737NG verwenden, die mit nur einer Sitzklasse ausgestattet sein werden.

„Jedes Projekt, das mit so vielen neuen Flugzeugen startet, birgt ein gewisses Risiko, aber Aeroflot hat die Möglichkeit, zu günstigen Konditionen Flugzeuge zu bekommen, und kann gleichzeitig die Finanzierung zur Klärung anderer Fragen bereitstellen", sagte der Leiter der Analyseabteilung der Agentur Aviaport, Oleg Panteleew.

Die angebotenen Flugverbindungen sind zunächst für die ersten drei Jahre bekannt gegeben worden, wobei Änderungen auch nach Projektstart noch vorbehalten seien. Geplant sind demnach im ersten Jahr acht Strecken mit einer Gesamtzahl von 150 bis 180 Flügen pro Woche, im zweiten Jahr steigt diese Zahl um weitere sieben und im dritten Jahr nochmals um sechs.

Ein Branchenkenner sagte, dass sich mit der neuen Fluggesellschaft auch die Bedingungen auf dem Billigflieger-Markt ändern können: „Aeroflot ist in der Lage, Gesetzänderungen zu bewirken, die die Branche grundlegend reformieren könnten."Saweljew betonte bei der Vorstellung des Projekts,

dass ein „Billigflieger in Russland nur erfolgreich arbeiten kann, wenn wir unsere Gesetzgebung mit globalen Branchenregeln in diesem Bereich harmonisieren". Hierbei gehe es um die Rückerstattung von Tickets, Gebühren für die Bordverpflegung, kostenpflichtige Gepäckmitnahme oder die Möglichkeit, im Ausland lebende Piloten anzustellen. Der Generaldirektor von Aeroflot hofft, dass die nötigen Gesetzesänderungen bis Ende 2013 vorgenommen werden.

Der Vertreter des Verkehrsministeriums sagte, die Änderungsvorschläge seien bereits alle an die Regierung und die Staatsduma weitergeleitet worden. Er gehe davon aus, dass die Änderungen wie gewünscht bis Ende des Jahres umgesetzt werden.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wedomosti. 

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