Deutsche Firmen sind Wirtschaftsmeister in Sotschi

Volkswagen AG ist eine der wichtigsten Sponsorinnen der Olympische Spiele. Es sind jedoch nicht nur die Großkonzernen, die auf der Riesenbaustelle Sotschi erfolgreich auftreten. Foto: ITAR-TASS

Volkswagen AG ist eine der wichtigsten Sponsorinnen der Olympische Spiele. Es sind jedoch nicht nur die Großkonzernen, die auf der Riesenbaustelle Sotschi erfolgreich auftreten. Foto: ITAR-TASS

Es ist noch nicht klar, welche Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi die Goldmedaillen sammelt. Eins steht aber schon heute fest: Die deutsche Wirtschaft ist eindeutiger Sieger im Olympia-Geschäft.

Die deutsche Wirtschaft kann stolz sein. Deutsche Unternehmen glänzen in Sotschi mit „Milliardenumsätzen", berichtet die Agentur Germany Trade and Invest (GTAI). Die Olympischen Winterspiele 2014 könnten ein Triumph des deutschen Know-hows werden – in mehreren Bereichen. „Die deutschen Unternehmen sind vor allem in den Bereichen Tunnelbau, Planung, Sicherheitslösungen, Hotelausstattung, aber auch bei der Konzeption von Sportanlagen aktiv. Auch die mediale und technische Ausstattung kommt oft aus deutscher Hand", sagt Rainer Lindner, der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft gegenüber Russland HEUTE.

Bereits seit Herbst 2007 bündelt der Ost-Ausschuss die Interessen der deutschen Unternehmen in der Arbeitsgruppe „Sotschi 2014". „Hier haben sich über 50 Unternehmen und Verbandsvertreter zusammengeschlossen. Vor allem als Subunternehmer konnten zahlreihe deutsche Unternehmen zum Zuge kommen", fügt Lindner hinzu.

 

Der Mittelstand präsentiert sich stark

Es sind nicht nur die Großkonzernen, die auf der Riesenbaustelle Sotschi erfolgreich auftreten, wie zum Beispiel die Volkswagen AG, eine der wichtigsten Sponsorinnen der Spiele. „Es sind vor allem deutsche Mittelständler, die auch als Subunternehmen an zahlreichen Projekten beteiligt sind. So ging einer der ersten Großaufträge im Zusammenhang mit der Olympiavergabe im März 2008 an die süddeutsche Firma Herrenknecht, die für Straßen- und Schienenbauprojekte in Sotschi einen Tunnelbohrer lieferte. Und das deutsche Unternehmen Drees & Sommer tritt als Projektmanager in Sotschi auf", sagt Lindner.

Ein weiteres Paradebeispiel ist die Firma Kannegiesser aus Vlotho bei Bielefeld. In Sotschi baut der Weltmarktführer im Bereich industrieller Waschmaschinen eine Waschstraße, die täglich bis zu 100 Tonnen Textilien waschen kann. Das ist genug für etwa 25 000 Hotelgäste. Ein anderes deutsches Unternehmen, Röder Zeltsysteme und Service AG, liefert Festzelte mit kompletter Innenausstattung. Der Mindestauftragswert beträgt hier 30 Millionen Euro.

„Ich weiß von über 70 Firmen, die bislang zum Zug gekommen sind. Viele deutsche Unternehmen machen ihre in Sotschi ausgeführten Aufträge erst

nach der Abschlussfeier bekannt", sagt Michael Harms, der Vorstandvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Die AHK ist mit den Aktivitäten der deutschen Firmen in Sotschi zufrieden – und weist auf die hohe Qualität der deutschen Zulieferer hin: „Ein Vorteil ist die große Anzahl an Unternehmen, die sich auf Sportevents, insbesondere mit internationalem Standard, spezialisiert haben. Die Erfahrung und das Know-how der Deutschen sind bei Events wie den Olympischen Spielen sehr gefragt."

Eines der Mittelstandsunternehmen, die in Sotschi einen Erfolg feiern können, ist ebm-papst, ein weltführender Hersteller von Ventilatoren und Motoren. Die Firma glänzt mit einem Jahresumsatz von knapp 1,4 Milliarden Euro in Deutschland, China, den USA und weiteren Ländern. Für die Olympischen Winterspiele in Sotschi hat das Unternehmen über 400 große Ventilatoren geliefert, die in Klimageräten installiert wurden – ein Herzstück bei Sportanlagen für die zahlreichen Wintersportarten.

„Für uns ist es das größte Projekt mit RadiPac EC-Radialventilatoren, welches jemals in Russland realisiert wurde", so Andrej Honstein,

Generaldirektor von ebm-papst Rus. „Es ist für uns von sehr großem Vorteil, dass unsere Ventilatoren nicht nur das Label ‚Made in Germany' haben, sondern auch tatsächlich in Deutschland hergestellt werden. Das führt dazu, dass die Gespräche bezüglich Qualität und Zuverlässigkeit unserer Produkte in der Regel gar nicht stattfinden, weil man das als selbstverständlich ansieht", erklärt er sichtbar stolz.

Der Manager zeigt sich auch mit den Anreisemöglichkeiten zufrieden: „Ich bin in Sotschi alle drei Monate für ein paar Tage. Da ich in Moskau meinen ständigen Sitz und als hochqualifizierter Spezialist ein dreijähriges Arbeitsvisum habe, brauche ich keine weiteren Genehmigungen, um Sotschi zu besuchen. Und der Flug von Moskau nach Adler dauert nur zweieinhalb Stunden."

 

Großprojekte gingen hauptsächlich an russische Bewerber

Während die deutschen Unternehmen in den meisten Fällen hauptsächlich als unersetzbare Zulieferer erfolgreich sind, kamen bei der Vergabe von staatlichen Bauaufträgen überwiegend russische Großkonzerne zum Zuge. Aber auch hier gibt es wichtige Ausnahmen. „Ich kenne zwei deutsche Unternehmen, die ihre Aufträge durch die Bewerbung im direkten Ausschreibungsverfahren bei Olimpstroi und dem Orgkomitee gewonnen haben. Also, manches ist machbar", sagt Michael Harms. Der Siegeszug der russischen Großkonzerne bei der Vergabe von Aufträgen in Sotschi stört den deutschen Wirtschaftsvertreter nicht: „Sie kennen das Procedere und haben auch das notwendige Personal und die Erfahrung im russischen Ausschreibungswesen", meint der Vorsitzende der AHK.

Wie die anderen Großbauprojekte von internationaler Bedeutung ist auch Sotschi von Korruptionsvorwürfen nicht verschont geblieben. „Vor allem in der internationalen Öffentlichkeit spielten die bekannt gewordenen

Korruptionsfälle, die immensen Baukosten und die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf die Natur, aber auch das international umstrittenen Gesetz gegen das öffentliche Auftreten von Homosexuellen eine große Rolle in der Berichterstattung und haben das Bild der Spiele negativ beeinflusst", meint Rainer Lindner aus dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.

Der Wirtschaftsmann ist sich aber sicher, dass am Ende alles gut werden wird: „Russland kann die Olympischen Winterspiele jetzt dazu nutzen, sich der Welt von seiner besten Seite und als herzlicher Gastgeber zu präsentieren. Nicht nur die Olympischen Spiele, auch die Winter-Paralympics 2014 sind eine gute Gelegenheit, sich positiv zu präsentieren und gleichzeitig auf die Verbesserung der Lage von behinderten Menschen in Russland hinzuarbeiten", so Lindner.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland