35 000 Meilen übers Meer

Gelbe Haarqualle. Foto: Alexander Semjonow

Gelbe Haarqualle. Foto: Alexander Semjonow

Der Meeresbiologe Alexander Semjonow hat einen Traum: Mit dem Segelschiff „Aquatilis“ will er die Welt umrunden. Und dabei die Menschen für den Unterwasserkosmos sensibilisieren.

Hauptberuflich ist der erst 28-jährige Wissenschaftler Alexander Semjonow Leiter des Taucherdienstes der Biologischen Forschungsstation am Weißen Meer, dazu ein bekannter Unterwasserfotograf, dessen populärwissenschaftlichen Blog zur Meeresforschung seit sieben Jahren Zehntausende Menschen lesen.

„Das Meer ist eine Art Paralleluniversum, eine andere Welt, die von den erstaunlichsten Lebewesen bevölkert ist. Wir sind der Meinung, dass man den Menschen zeigen muss, wie interessant und farbenfroh Forschung sein kann", ist Semjonow überzeugt.

 Das Budget von etwa drei Millionen Euro will der Biologe durch Sponsoring und eine Crowdfunding-Kampagne akquirieren. Und wenn es klappt, wird er ab 2015 für drei Jahre über die Weltmeere schippern und dabei insgesamt 35 000 Seemeilen zurücklegen.

Je nach Etappe sind ein gutes Dutzend Experten mit an Bord. Neue Forschungsergebnisse, die auf der „Aquatilis" gesammelt werden, willdas Wissenschaftsteam über Blogs und die großen sozialen Netzwerke in der ganzen Welt verbreiten. Dokumentiert werden sollen das Leben unter Wasser und die Arbeit der Forscher, Fotos und Videos werden ins Netz gestellt und dort mit der Online-Community diskutiert. Während der 
Expedition soll außerdem ein bislang einzigartiges Archiv von Foto- und Videomaterial über die Weltmeereentstehen, das hochwertige farbige Aufnahmen wertvoller und für die Forschung vielleicht neuartiger Organismen umfasst.

„Solche Bilder ergänzen die gegenwärtige Forschung um sehr viel klassisch-biologisches Wissen. Wir beobachten Tiere, vergleichen unsere Erfahrungen mit dem Wissen aus der Literatur und begreifen, dass die Bücher keine erschöpfenden Informationen liefern können", sagt Semjonow.

Während Biologen früher alles unter einem Mikroskop oder Binokular studierten und anhand ihrer Beobachtungen Abbildungen zeichneten, die gelegentlich manche Details ausließen, könne man heute die kleinsten

Organismen in einer Größe von zwei, drei oder vier Millimetern auf eine Art fotografieren, dass jedes Beinchen und jeder Fühler zu erkennen seien. „Die naturgetreue Abbildung solcher Organismen ist ein immenser Fortschritt", betont Semjonow.

Das Projekt möchte außerdem die Bevölkerung für die ökologischen Probleme der Meere sensibilisieren. Die Reise geht etwa zu den „Müllinseln" – gigantischen Ansammlungen schwimmender 
Abfälle und fein verteilter Kunststoffe, die so groß sind wie kleine Länder. Die Teilnehmer der Expedition wollen sie in ihren Videos festhalten und darüber aufklären, was mit dem Meer und seinen Bewohnern unter solchen Bedingungen passiert.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Gazeta.ru

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