Skolkowo trotzt Spott und Häme

Das Innovationszentrum Skolkowo soll Russland von seiner Abhängigkeit von Öl und Gas wegbringen. Foto: RIA Novosti

Das Innovationszentrum Skolkowo soll Russland von seiner Abhängigkeit von Öl und Gas wegbringen. Foto: RIA Novosti

Das russische Innovationszentrum Skolkowo wurde anfangs eher belächelt. Tatsächlich lief das Projekt holprig an, inzwischen kann es aber erste Erfolge vorweisen.

Ein fliegender Traktor mit Senkrechtstart, ein PC-Gehäuse als Schaschlikgrill und ein „Experimentelles Schwarzes Loch", das verdächtig an eine heruntergekommene Toilette erinnert, dazu die Überschrift: „Das sind Erfindungen, die wir unseren Wissenschaftlern zutrauen". Wenige Wochen, nachdem in Skolkowo, einem Dorf vor den Toren Moskaus, der Grundstein für das „russische Silicon Valley" gelegt wurde, war das Projekt ein Renner. Zumindest, wenn es nach der Anzahl der hämischen Witze ging, die im Internet kursierten.

Tatsächlich klang „Skolkowo" 
anfangs wenig realistisch. Den Startschuss im Jahr 2010 gab der damalige Präsident Dmitri Medwedjew. Der Mann im Kreml galt als Technikfan, sein Lieblingsthema: die Modernisierung des Landes. Den Prozess in Gang bringen sollte eine Innovationsstadt nach dem Vorbild von Silicon Valley, in der sich Start-ups, Labore und eine Universität ansiedeln. Allein bis 2015 waren rund 2,5 Milliarden Euro für Gebäude, Infrastruktur und zur Unterstützung von Firmengründern eingeplant. Skolkowo sollte das Riesenreich Russland von seiner Abhängigkeit von Öl und Gas wegbringen.


Ein Hypercube auf weiter Flur

 Skeptiker kritisierten, das Geld könnte versickern wie so oft bei staatlich vorangetriebenen Projekten. Drei Jahre später könnte man meinen, sie hätten nur allzu recht behalten. Auf der grünen Wiese kurz hinter Moskaus Ringautobahn steht ein einziges fertiges Gebäude, der Hypercube, 
ein Würfel aus Stahl und Beton. 
Direkt daneben ziehen Investoren den Bürokomplex „Matrjoschka" in die Höhe, wo kommendes Jahr Ausstellungsräume, ein Fitnesscenter mit Schwimmbad und neue Büroflächen entstehen. Weit 
intensiver wird an einem luxu
riösen Wohnkomplex gebaut, etwas außerhalb der künftigen Innovationsstadt.

Zudem kommt Skolkowo in diesem Jahr nicht aus den Negativschlagzeilen. Laut Rechnungshof hat die Skolkowo-Stiftung unerlaubt 150 Millionen Euro an Start-ups überwiesen. Und zwei Mitarbeiter sollen rund eine halbe Million Euro veruntreut haben. Im Sommer kamen dann Gerüchte auf, dass das Budget 2014 um ein Drittel gekürzt werden könnte.

Was erreicht wurde, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Alexander Tschernow, Vizechef der Skolkowo-Stiftung, vergleicht das Projekt mit einer

Fußballmannschaft, die sich durch alle Ligen hocharbeiten muss, um in der Champions League zu landen. Der Großteil der bisher investierten 600 Millionen Euro sei in kaum sichtbare Infrastruktur geflossen, etwa in Strom- und Wasserversorgung. Doch in dem fertiggestellten Hypercube haben schon Größen wie Cisco oder Siemens eigene Büros bezogen. 2015 sollen hier 150 Wissenschaftler für Siemens forschen. Zu den bisherigen Mietern gehören auch 16 junge Unternehmen, die in einem Wettbewerb ausgewählt wurden und als Erste nach Skolkowo ziehen durften.

Bisher haben sich rund 1000 Unternehmen erfolgreich als „Residents" beworben. Den Start-ups winken umfangreiche Steuerbefreiungen im Gegenzug zu ihrer Verpflichtung, irgendwann in Skolkowo einzuziehen, wenn die Räume fertiggestellt sind.

Einer der „Residenten" ist die Firma Zingaya. Das Unternehmen wurde kürzlich vom Technikmagazin Wired als eines der zehn besten Start-ups aus Russland gelistet. Zingaya hat eine Software entwickelt, die ähnlich wie Skype funktioniert und mit der Kunden bei einem Unternehmen kostenlos und direkt von dessen Website anrufen können, ohne ein Programm zu installieren.

„Skolkowo ermöglicht es uns nicht nur, Steuervorteile zu nutzen und Investitionen zu bekommen", erklärt Sergej Poroschin, bei Zingaya zuständig für die Geschäftsentwicklung. Eine Ansiedlung 
in dem Innovationszentrum sei auch aus Imagegründen interessant. Auch wenn der Hauptsitz momentan in den USA liegt, wo sich die meisten Kunden befinden, soll in Skolkowo später die Entwicklungsabteilung von Zingaya einziehen.


Unterstützung vom MIT

 Genau wie die meisten Start-ups arbeitet auch die Universität Skoltech,

einer der wichtigsten Bausteine des Zentrums, nicht direkt an Ort und Stelle. Die 65 Magisterabsolventen studieren in der benachbarten Moscow School of Management. Doch ein eigener Campus befindet sich bereits im Bau und soll im kommenden Sommer fertig sein. 2020 könnten 1200 Studenten und Doktoranden an der Uni eingeschrieben sein und dort zu Spitzeningenieuren und hervorragenden Wissenschaftlern heranreifen.

Zu den Geburtshelfern von Skoltech zählen Experten des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das einen Kooperationsvertrag mit Skolkowo unterschrieben hat. Die Amerikaner helfen bei den Lehrplänen und der Organisation der neuen Uni, außerdem sind für Skoltech-Studenten Auslandssemester am MIT vorgesehen.