Tatarstans Präsident Rustam Minnichanow: „Wir können Sotschi und Rio einen guten Rat geben“

Rustam Minnichanow: Nach der Universiade hat sich Kasan verändert. Foto: Pressebild

Rustam Minnichanow: Nach der Universiade hat sich Kasan verändert. Foto: Pressebild

Im Juli fanden in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, die studentischen Sommerspiele Universiade statt. Tatarstans Präsident Rustam Minnichanow glaubt, dass große Sportevents die Attraktivität und Lebensqualität ganzer Regionen fördern.

Wie gut war Tatarstan vor Universiade im Ausland bekannt?

 Wir arbeiten schon lange daran, Kasan und Tatarstan in der Welt einen Erkennungswert zu geben. Das ist lebensnotwendig, wenn man Investoren in die Republik locken will. Noch vor Kurzem kannten Ausländer nur zwei 
Städte in Russland: Moskau und St. Petersburg. Ich denke, dass wir unser Ziel mit der Universiade erreicht haben.

Kritiker sagen, dass solche Sport-Events ein zu großer Luxus für Städte und Länder sind.

 Diese Auffassung teile ich nicht. Große Sportereignisse sind zwar kostenintensiv in ihrer Durchführung und erfordern schon im Vorfeld hohe Ausgaben für Infrastruktur und Sportanlagen. Doch nach den Wettkämpfen verschwinden die Arenen, Straßen oder Autobahnkreuze ja nicht. Die Menschen nutzen sie. Nach der Universiade hat sich Kasan verändert. Das Leben ist viel komfortabler geworden. Es wurden viele Fragen angegangen, die wir ohne 
die studentischen Spiele noch in 
20 Jahren nicht gelöst hätten.

Was empfehlen Sie Sotschi und Rio?

 In erster Linie würde ich empfehlen, nicht allzu sehr auf kritische Stimmen zu hören, und konsequent an den Vorbereitungen zu arbeiten. Bei uns zweifelten viele am Zeitplan. Ich antwortete stets, dass zum Beginn der Spiele alles fertig sein würde. So war es dann auch. Und ich bin sicher, dass es auch den Organisatoren von Sotschi und Rio nicht anders ergeht. Wir sind gerne bereit, unsere Erfahrung in der Vorbereitung solch groß angelegter Sportereignisse zur Verfügung zu stellen.

Die Schlusszeremonie der Sommeruniversiade in Kasan. Foto: Pressebild

Was lockt ausländische Investoren nach Tatarstan?

 Insbesondere das Hotelgeschäft ist für ausländische Firmen attraktiv. Wir sind offen für Vorschläge, und Investoren können sicher sein, dass jedes ihrer Projekte in Tatarstan positiv von der politischen Führung aufgenommen wird.

Viele große Investoren kommen aus Europa nach Tatarstan. Zeigen auch große Investoren von Entwicklungsmärkten Interesse an Ihnen?

Wir versuchen, Investoren aus verschiedenen Ländern anzulocken, ohne dabei einen Unterschied zwischen Europa und Asien zu ziehen. Und wir haben Beispiele von Kooperationen mit Firmen aus Malaysia, z.B., die in der Realisierung des Projekts „Smart City" partizipieren. Wir arbeiten aktiv mit der arabischen Welt zusammen, weil die dortigen Investoren Geld haben, das sie effektiv anlegen möchten.

Sie hatten irgendwann als Vorbild für starke staatliche Regulierung und Marktwirtschaft Singapur und China erwähnt. Hat deren Erfahrung für Sie als Politiker praktische Relevanz?

Ich denke nicht, dass Russland blind dem Beispiel Chinas oder Singapurs folgen sollte, aber wir haben in Tatarstan die Erfahrung von Ländern untersucht, die ein hohes Wirtschaftswachstum zeigen.

Die Erfahrung Singapurs untersuchen wir bereits seit einigen Jahren und alle unsere Minister und Chefs von städtischen Institutionen haben ein Training in diesem Land durchlaufen, um sein System der Staatlichen Verwaltung kennenzulernen. Heute ziehen wir Spezialisten aus Singapur für die Modernisierung unseres Schulwesens zu Rate. An der Erfahrung Chinas interessiert uns die Praxis der Gründung von Sonderwirtschaftszonen und Industrieparks, insbesondere auf kommunaler Ebene.

Dieses Gespräch fand noch vor der Flugkatastrophe in Kazan am 17. November 2013 statt. Es kamen dabei 50 Menschen ums Leben, unter denen auch Irek Minnichanow, Sohn von Tatarstans Präsident Rustam Minnichanow, war. Die Redaktion von Russland HEUTE drückt den Familien der Opfer ihr tiefes Mitgefühl aus.

 

Vollständiges Interview mit Rustam Minnichanow erschien bei BRICS Business Magazine.

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