Dish.fm: Ein mobiler Restaurantguide

Diljara Mingalijewa. Foto: Kommersant

Diljara Mingalijewa. Foto: Kommersant

Viele Menschen sitzen in Restaurants vor dem Menü und können sich nicht entscheiden, welches Gericht sie essen sollen. Nun gibt es eine App, entwickelt von jungen Russen und auf dem amerikanischen Markt etabliert, die es Nutzern ermöglicht, die Bewertungen einzelner Gerichte abzurufen.

Die russische Unternehmerin schaffte es, die Diskussionen über das Essen in Restaurants in eine Geschäftsidee umzuwandeln: ein internationaler Service, bei dem jeder als Gourmet-Experte auftreten kann.

Es inspiriert nichts so sehr wie die äußeren Umstände. Denn mit einem nicht gelungenen Mittagessen begann die Geschichte der App für Gourmets, „Dish.fm“, die heute fast 50 000 Nutzer hat. Zu dem besagten Lunch trafen sich damals die drei Gründer von Dish.fm:  Diljara Mingalijewa, Andrej Surin und Schanna Scharipowa. „Während des Essens kam uns die Idee: Warum sollte man nicht einen Service entwickeln, der einem hilft, sich im Menü von Restaurants zurechtzufinden? Denn jeder Gast zerbricht sich jedes Mal den Kopf, was hier schmeckt, was gut gekocht wird“, erzählt Mingalijewa. Sie erklärt ihre Idee: „Nicht Restaurants, sondern konkrete Gerichte sollten bewertet und neben jedem Feedback auch ein Foto beigelegt werden – und die Gäste könnten dann ihre Noten vergeben.“

 

Investoren glauben an die Idee

Gesagt, getan. Schon eine Woche später begannen die drei Jungunternehmer mit der Umsetzung des Projekts. „Zuallererst entwickelten wir eine erste Version der Webseite. Als wir die Idee strukturiert hatten, begannen wir mit der Ausarbeitung des Systems: Als technischer Direktor wurde Andrej Surin benannt“, erinnert sich Mingalijewa.

Die angehenden Unternehmer hatten Glück, denn zu dieser Zeit begann der russische Fonds Farminers, Finanzierungsanträge von Start-ups durchzusehen. „Man musste einen Antrag stellen und eine Präsentation als Pitch entwerfen, eine einminütige Vorstellung von sich und der Geschäftsidee“, sagt Mingalijewa. „In einer Minute muss man es schaffen,

den Investor an die Mannschaft und die Perspektive des Projekts glauben zu lassen.“ Die drei Unternehmer schafften das: Schon am nächsten Tag bekamen sie eine Finanzierungsbestätigung in Höhe von 110 000 Euro und bereits eine Woche später zogen sie in die Büroräume von Farminers „Start-up Academy“ um.

Nachdem man sich am neuen Ort eingerichtet hatte, begann die Mannschaft von Dish.fm mit der Entwicklung von gleich zwei Aspekten: Außer der Web-Entwicklung sollte es auch eine mobile Anwendung geben. „Dafür wurde ein App-Entwickler eingestellt“, berichtet Mingalijewa. Die Entwicklung der App nahm ein halbes Jahr in Anspruch.

„Während dieser Zeit haben wir nicht nur das Produkt entwickelt, sondern es auch getestet, unter anderem am Zielpublikum“, erinnert sich die Unternehmerin. Die Unternehmer begannen mit Freiwilligen aus dem Freundes- und Familienkreis. Danach wurde der Testrahmen erweitert und professionelle Befragungen potenzieller Nutzer durchgeführt. Dank des Feedbacks, das man bekam, wurde das Produkt den Wünschen der Testprobanden entsprechend geändert und weiterentwickelt.

 

Hürden in der Projektphase

Die erste Version der von Nutzern generierten Inhalte – User-Generated Content (UGC) – wurde in den USA, in San Francisco, gestartet, in einer der innovationsfreudigsten Städte. „Man half uns, ein Büro zu mieten, und stellte uns vielen interessanten Leuten vor.“ Schon bald begriffen die

jungen Russen jedoch, dass sie mit der UGC-Technologie sehr lange auf Nutzerdaten warten müssten, damit der Service nützlich für den Verbraucher wird. „Wir beschlossen, die ursprüngliche Idee, Daten ausschließlich aus Nutzerreviews und -feedbacks zu sammeln, abzuändern. Denn da wir pro Restaurant zehn bewertete Gerichte und pro Gericht etwa zehn Feedback-Berichte benötigen, hätten wir allein zur Erfassung San Franziscos mit seinen 5 000 Restaurants etwa 500 000 Feedbacks haben müssen“, erklärt die Gründerin den Aufwand.

Globale Services wie „Yelp“ und „TripAdvisor“ hätten dafür mehrere Jahre gebraucht, meint Mingalijewa. Das Team von Dish.fm fand eine technische Lösung für das Problem: Es entwickelte einen Algorithmus, der Onlineportale durchsucht – denn viele Portale enthalten bereits Millionen von Bewertungen und Erwähnungen von konkreten Gerichten in Restaurants – und sie in negative und positive Berichte teilt. „Der Algorithmus kategorisiert die Berichte nach ihrer Ratingposition. Danach sucht es die Fotos, die in diesem Café gemacht wurden. Damit ist der Bericht fertig“, sagt Mingalijewa.

Für die Produktwerbung wurden zuerst technische Blogs und Online-Zeitungen zugeschaltet: Das Feedback von Webseiten wie „TheNextWeb“, „Techcrunch“ und anderen floss in die Werbung ein. Danach nutzte man die Schreibkraft der Blogger, die über Essen und Lifestyle schreiben. „Diese Leute schreiben über das Wesen des Geschäfts und kommunizieren mit dem für uns nötigen Publikum“, erklärt die Unternehmerin.

Außerdem schaltete man Banner, optimierte die App für den App-Store, streute Querverweise und Links im Internet ein und vieles mehr. Alle Ergebnisse müsse man separat testen und der Effekt jeder Werbemaßnahme sei einzeln zu analysieren, sagt Mingalijewa. „Erst auf Grundlage der Zahlen werden Entscheidungen getroffen, wohin man investieren und welchen Teil man entwickeln soll“, ist die Russin überzeugt. Es sei aber wichtig, sich nicht vom Prozess der Veränderung hinreißen zu lassen, sondern an einem Punkt anzuhalten und das Produkt zu „fixieren“.

 

Dish.fm wurde zum Erfolg

Dass das dem Team von Dish.fm gelungen ist, belegt den Erfolg der App. Das Start-up gewann sowohl in Russland als auch international an

Anerkennung: Es wurde bei den Russian Startup Awards 2013 in der Sparte „The Next Web“ in der Kategorie „Bestes Design“ ausgezeichnet, schon ein Jahr zuvor hatte es beim Wettbewerb Global Startup gesiegt, der im Rahmen der Konferenz GMIC Silicon Valley durchgeführt wurde.

Heute ist die App kostenlos und nur in englischer Sprache verfügbar. Gewinne werden von Restaurants eingefahren, die bereit sind, bestimmte Dienste zu bezahlen, wie einen Informationsdienst zu speziellen Angeboten für die Nutzer. Doch vorrangiges Ziel ist die Vergrößerung der Nutzerzahl und die Positionierung im Markt. In erster Linie will Dish.fm die Zahl der Nutzer von gegenwärtigen 50 000 auf bis zu 150 000 steigern. Das Angebot, das heute alle Restaurants der USA umfasst, soll zu einer internationalen App mit einer Nutzerzahl von mehreren Millionen ausgebaut werden. So planen es seine Entwickler. Den Start soll Russland machen: Noch in diesem Jahr wird die App ins Russische übersetzt.