Das Ende der russisch-amerikanischen Raumfahrt

Foto: nasa.gov

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Die NASA fürchtet, dass mit der weiteren Verwendung der Sojus-Raumschiffe eine zu große Abhängigkeit von Russland entstehen könnte – sie gibt nun eigene bemannte Raumschiffe in Auftrag. Zugleich verabschiedet sie sich allmählich von der Internationalen Raumstation.

Die NASA hat offiziell entschieden, die russischen bemannten Raumschiffe namens Sojus, die seit mehreren Jahren das einzige Beförderungsmittel für Besatzungen zur Internationalen Raumstation (ISS) sind, nicht mehr einzusetzen. Diese Entscheidung wird wahrscheinlich die russischen und amerikanischen Bestrebungen im Weltraum endgültig auseinanderbringen.

Nach dreieinhalb Jahren wolle die USA nun auf die Dienstleistung der

Ein Platz in der russischen Sojus kostet die NASA ungefähr 48 Millionen Euro. Im Übrigen waren die Amerikaner nie von der Idee begeistert, nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2010 langfristig mit Roskosmos zusammenzuarbeiten.

Schon einige Jahre zuvor hatte der damalige Direktor der NASA Michael Griffin wiederholt bemerkt, dass Amerika in Abhängigkeit von Russland geraten würde und den USA so alle Trümpfe im diplomatischen Spiel verloren gehen könnten.

Im Jahr 2008 machten die beiden damaligen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama die Raumfahrttechnik zu eine der wichtigsten Prioritäten in ihrem Wahlprogramm. McCain ging sogar so weit, Präsident Bush darum zu bitten, die Abschreibung der Shuttles zu verschieben und so die Abhängigkeit von Russland zu senken.

russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Astronauten mithilfe der Raumschiffe Sojus zur ISS zu befördern, endgültig verzichten, sagte NASA-Direktor Charles Bolden. Seit dem 19. November nimmt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Angebote von Unternehmen entgegen, die ein neues Raumschiff für Flüge zur ISS konstruieren und bauen wollen. Dieses Programm wird nach dem Prinzip der privat-staatlichen Partnerschaft durchgeführt und ungefähr zur Hälfte aus der Staatskasse finanziert. Die Unternehmen SpaceX und Orbital Sciences haben ihre Teilnahme an der Ausschreibung bereits bestätigt.

Aus der wissenschaftlichen und technologischen Sicht gelten diese zwei Unternehmen in den USA als Favoriten bei der Entwicklung neuer Weltraumfahrzeuge. SpaceX hat in den Jahren 2012 und 2013 zwei erfolgreiche Starts zur ISS verwirklicht. Mithilfe der Rakete Falcon-9 kann die Dragon, das Frachtraumschiff der Firma, Flüge in den Orbit unternehmen. Laut dem Vertrag zwischen NASA und SpaceX, dotiert auf 1,2 Milliarden Euro, wird das Frachtraumschiff noch zehn Mal mit Ladungen für die Besatzung zur Weltraumstation fliegen. Orbital Sciences andererseits hat im September das Frachtschiff Signus zur Weltraumstation geschickt, das vom Träger Antares ins Weltall gebracht wurde. Der 1,4 Milliarden Euro teure Vertrag mit der NASA garantiert noch acht weitere Flüge zur Weltraumstation in den nächsten drei Jahren.

Ein eigenes unbemanntes Transportmittel haben die USA also bereits. Nun soll ein automatikgesteuertes Raumschiff entwickelt werden. Beide Unternehmen haben bereits mit Entwürfen für das Projekt begonnen, die die Ausarbeitung der bemannten Versionen eigener Frachtraumschiffe voraussetzen und für die Beförderung von Besatzungen zur ISS verwendet werden. Zeitgleich arbeitet auch die Korporation Lockheed Martin aktiv an ihrem eigenen Projekt, dem bemannten Raumschiff Orion, und Boeing plant, dieses mit der schweren Trägerrakete SLS auszustatten.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen besteht wenig Zweifel, dass die NASA bis zum von Charles Bolden genannten Zeitpunkt vollkommen von Russland unabhängig werden wird.

Jedoch ist das Projekt ISS nicht mehr das Wichtigste für das amerikanische Raumfahrtprogramm. Im August 2006 hatte US-Präsident George W. Bush

bekannt gegeben, dass ab nun die wichtigste Ausrichtung der amerikanischen Raumfahrt dem fernen Weltraum gelte. Gleichzeitig betonte Ex-NASA-Chef Griffin wiederholt, dass das strategische Ziel des US-amerikanischen Weltraumprogramms in der Erforschung des Weltraums außerhalb der Erdumlaufbahn bestehe. Außerdem läuft die Garantiefrist für die Nutzung der ISS im Jahr 2015 ab. Zwar haben die Partner dieses Programms entschieden, die Arbeiten auf der Weltraumstation bis zum Jahr 2020 fortzusetzen, doch eine Verlängerung des Programms bleibt ungewiss.

Zusätzlich ließen NASA-Vertreter verlauten, dass noch vor Beendigung der Raumfahrten mit einigen staatlichen und privaten US-Organisationen Verhandlungen geführt worden seien, ob und wie der amerikanische Teil der ISS für Forschungszwecke unter Bedingungen der Mikrogravitation

verwendet werden können. Sobald die NASA im Jahr 2017 ein eigenes Raumschiff erhalten haben wird, wird die NASA ihre kommerziellen Vorhaben bezüglich der Verwendung der ISS verwirklichen können.

Momentan ist die Raumstation praktisch das einzige Bindeglied, das die Raumfahrtprogramme der USA und Russland durch partnerschaftliche Zusammenarbeit verbindet. Es ist unklar, was die NASA noch dazu bewegen könnte, sich doch weiterhin an der ISS zu beteiligen. Gemeinsame Forschungsprojekte mit Russland wären eine Option oder eine größere Anzahl an wissenschaftlichen Experimenten. Für die USA ist die ISS allerdings nur ein Teilprojekt in ihrem Raumfahrtprogramm, das bereits damit begonnen hat, Vorbereitungen für die Mond- und Marsreisen zu treffen sowie Möglichkeiten zur Erforschung des tiefen Weltraums auszuloten. Die Abwesenheit auf der ISS ist somit für die USA keineswegs kritisch.

Im Gegensatz dazu ist die Raumstation für Russland alles, was von den einstigen gigantischen Projekten der bemannten Raumfahrt geblieben ist, und neue Technik existiert bisher nur auf dem Reißbrett.

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