Europäer aufgepasst: Das YotaPhone kommt!

Das neue Smartphone aus russischer Produktion hat viele Vorschusslorbeeren erhalten. Im Januar kommt es auf den europäischen Markt. Foto: Reuters

Das neue Smartphone aus russischer Produktion hat viele Vorschusslorbeeren erhalten. Im Januar kommt es auf den europäischen Markt. Foto: Reuters

Es gewann Innovationspreise auf der ganzen Welt und vereint klassische Funktionen eines Smartphones mit denen eines E-Book-Readers. Ob es auf dem europäischen Markt erfolgreich sein wird, hängt von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt vom Preis.

Am 4. Dezember begann in Russland der Verkauf des YotaPhones. Es ist das erste Smartphone eines neuen Typs, das von russischen Ingenieuren entwickelt wurde. Am selben Tag stellte der Generaldirektor von Yota Devices Wlad Martynow im Moskauer Zentrum für moderne Kunst „Garage" den Medien das fertige Produkt vor, von dessen ungewöhnlichen Eigenschaften und Funktionen bereits alle Technik-Freaks auf der ganzen Welt träumen. Das YotaPhone hat neben einem einfachen LCD-Bildschirm noch einen zweiten, der sich der E-Ink-Technologie bedient und ständig in Betrieb ist, also auch, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist.

Auf diesem zweifarbigen Display, das sich auf der Rückseite des Geräts befindet, soll die für jeden Nutzer am relevantesten erscheinende Information auftauchen: Das könne dem Projektleiter zufolge der Kalender, der Wetterbericht, SMS-Nachrichten, oder auch alles zusammen sein. Auf dem Hauptbildschirm kann man gleich mehrere Widgets darstellen lassen,

deren Informationen in Echtzeit aktualisiert werden. Das funktioniert sogar, wenn der Akku leer ist, nur auf die Aktualisierung muss man dann verzichten. Bei Yota Devices glaubt man, dass diese Technologie Nutzer von der Gewohnheit befreien könnte, ständig auf ihre Handys zu schauen.

Für alle Lesebegeisterten soll das russische Gerät zu einem vollwertigen Ersatz des E-Book-Readers werden. Im Lesemodus soll die Batterie für mindestens 50 Stunden reichen. Zitate kann man mit nur ein paar Berührungen in sozialen Netzwerken teilen.

 

Das große Vorbild Apple

Seitdem die Prototypen des russischen Smartphones vorgestellt wurden, ist ein Jahr vergangen. In dieser Zeit hat YotaPhone im Ausland für sein Produkt geworben und die Auszeichnung als „bestes Produkt" auf der International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas sowie den

Die Entwickler haben für das Android 4.2.2.-Smartphone eine ganze Palette besonderer Programme mitgeliefert: Unter anderem gibt es die App „Teach me", die beim Merken von Fremdwörtern und Redewendungen hilft, und die Anwendung „InternetHub", die RSS-Feeds und Beiträge aus sozialen Netzwerken vereint.

„Goldenen Löwen" in der Kategorie „Innovationen" auf dem International Festival of Creativity „Cannes Lions" erhalten.

Das YotaPhone bekam auf der CES von einigen Medien den Beinamen „russisches iPhone", da es der Ästhetik von Apple sehr nachgeahmt sei. Im Interview mit „Russland HEUTE" gestand der Generaldirektor von Yota Devices Martynow allerdings, dass ihm solche Vorwürfe eher schmeicheln: „Apple ist eine klasse Firma, wir nehmen sie zum Vorbild. Ich finde, man sollte von den Menschen lernen können, die etwas Bestimmtes gut machen – um es dann noch besser zu machen", erklärte er.

Doch ungeachtet des großen Interesses seitens der US-amerikanischen Konsumenten ist ein Export des Smartphones in die USA noch nicht geplant. Zunächst sollen europäische Märkte erschlossen werden. Wie hoch die ersten Verkaufszahlen des YotaPhone sein werden, wagt man in der Firma nicht zu schätzen. Klar ist nur, dass die Zahl der Vorbestellungen des Geräts derzeit bei ungefähr 10 000 Stück liegt.

 

Der Preis könnte zum Nachteil werden

„Wenn ein ganz neuer Gerätetyp auf den Markt kommt, ist es immer schwierig, eine genaue Vorhersage zu treffen. Aber wir hoffen natürlich auf Erfolg", sagt Martynow. Diese Einschätzung teilen auch die für den Verkauf

zuständigen Projektpartner. Man glaubt aber, dass sich das Handy millionenfach verkaufen könnte.

Das YotaPhone kostet nun auch weniger, als ursprünglich angenommen: Das Gerät wird in Europa für 499 Euro zu haben sein. Trotzdem finden einige Experten, dass der geringfügig niedrigere Preis noch nicht niedrig genug sei, um das Gerät zu einem Verkaufshit zu machen. „Ich glaube kaum, dass das YotaPhone auf breite Nachfrage bei den Käufern stößt. Für dieses Geld kann man durchaus ein leistungsfähigeres Modell finden", sagt Jewgenij Alminow, Leiter des Segments für Mobilfunkbetrieb und elektronische Geräte von J'son & Partners Consulting.

Schon zum Ende des nächsten Jahres verspricht Yota Devices der Welt eine zweite Generation des originellen Geräts. Doch die Entscheidung, ob sich auf dem Smartphone-Markt eine Revolution anbahnt, liegt bei den Verbrauchern, die nun endlich die Möglichkeit erhalten, das russische Produkt selbst zu testen.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland