Alrosa: Brillanter Einstieg an der Moskauer Börse

Die Mine „Mir“ in Jakutien ist 1200 Meter breit, 525 Meter tief und damit eine der größten der Welt. Foto: Reuters

Die Mine „Mir“ in Jakutien ist 1200 Meter breit, 525 Meter tief und damit eine der größten der Welt. Foto: Reuters

Russlands Diamantenmonopolist Alrosa hat 16 Prozent 
seiner Anteile verkauft und damit ausländischen Anlegern erstmals einen Zugang zu diesem Sektor ermöglicht.

2012 schloss Alrosa das Geschäftsjahr als weltweit zweitgrößter Produzent von Diamanten ab, 26 Prozent beträgt sein Anteil an der Weltproduktion. Ende Oktober 2013 ging der Konzern dann an die Moskauer Börse. Die Aktie lag mit 35 Rubel (etwa 0,80 Euro) am unteren Limit des prognostizierten Preisrahmens. Die Gesellschaft verkaufte für knapp 1,3 Milliarden Euro insgesamt 16 Prozent ihrer Anteile. Die russische Regierung und die Republik Jakutien veräußerten jeweils sieben Prozent der Aktien, während die Wargan Holdings, eine Tochtergesellschaft des Konzerns, weitere zwei Prozent zum Kauf anbot.

Die Vermögensverwaltungsgesellschaft Lazard und andere Kapitalanleger mit Sitz in den Vereinigten Staaten kauften knapp 
60 Prozent der Anteile,

berichtete Reuters. Unter den anderen Kapitalanlegern sind die Oppenheimer Funds und der Russian Direct Investment Fund (RDIF). „Die Qualität der Kapitalanleger und die Tatsache, dass die Emission überzeichnet war, zeigen, dass der Verkauf erfolgreich verlief", kommentierte Vizepremierminister Igor Schuwalow.

Das sei nicht überraschend, meint Chris Weafer, Seniorchef der auf Osteuropa spezialisierten Beratungsfirma Macro Advisory. „Die Emission ist ein einzigartiger Aktivposten, und obwohl der Staat noch die Mehrheit an der Gesellschaft hält, zerstreut die relativ geringe Bewertung alle Befürchtungen über eine mögliche Regierungseinmischung oder die Gefahr einer niedrigen Liquidität an der einheimischen Börse."

Alrosas Börsengang ist der größte Verkauf russischer Aktien, seit die staatliche Sberbank im letzten Jahr sieben Prozent ihrer Anteile abstieß. Es scheint eine günstige Zeit für russische Aktienemittenten zu sein: Alrosa ging dem Finanzdienstleister Tinkoff Credit Systems (TCS) voraus, der Anfang November beim Börsengang in London mehr als eine Milliarde Dollar eingenommen hat. Allerdings ist TCS eine privat geführte Gesellschaft in einem Bereich, der auf den Aktienmärkten noch unterrepräsentiert ist. Alrosa dagegen gehört mehrheitlich föderalen und regionalen staatlichen Institutionen; die russische Regierung hält 43,9 Prozent, die Republik Jakutien verfügt mit 25 Prozent über eine Sperrminorität. Diverse Kommunalverwaltungen halten weitere 15 Prozent.

„Der Börsengang im Oktober war nur der Anfang. Ich gehe davon aus, dass es zu weiteren Verkäufen staatlicher Anteile kommen wird, da die Emission äußerst 
erfolgreich war. Sie wird das Interesse der internationalen Kapitalanleger an russischen Risiko-Assets und einzigartigen Vermögenswerten, wie sie Diamanten nun einmal darstellen, wachsen lassen", schätzt Weafer.

Der Börsengang ist aber auch die etwas enttäuschende Wiederauflage von Privatisierungsbemühungen der Regierung. Ursprünglich war angedacht,

Staatseigentum im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar zu veräußern. Doch das Programm wurde wegen der schlechten Performance russischer Aktien in diesem Jahr auf Eis gelegt. Allein durch Aktienverkäufe sollten 2013 Einnahmen von über 13Milliarden Dollar in die Staatskasse sprudeln. Realisiert wurden dann tatsächlich nur zehn Prozent des prognostizierten Gewinns.

Die Nachrichten über schlechte Performances russischer Aktien kommen zu einer Zeit düsterer makroökonomischer Prognosen, die auf die Notwendigkeit hinweisen, dass die russische Wirtschaft modernisiert werden muss. Im November gab der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrej Klepatsch bekannt, das Wachstum für das dritte Quartal 2013 liege bei 1,3 Prozent. Nicht besser sah seine Prognose für das ganze Jahr aus, die sich auf unter 1,5 Prozent belief. Noch kurz zuvor hatte Premierminister Dmitri Medwedjew von einem Jahreswachstum von zwei Prozent gesprochen.

Mittlerweile stagniert nicht nur das Tempo der Investitionsmarks, auch die

Verbraucher konsumieren weniger. Einige Analysten hoffen allerdings auch weiterhin auf eine Erholung des Investitionsklimas bis zum Ende des Jahres.
„Jeder Verkauf staatlicher Beteiligungen führt uns ein Stück von diesen Problemen weg. Die 1,3 Milliarden Dollar für die Alrosa-Anteile sind ein kleiner Schritt angesichts des staatlichen Gesamtvermögens von 100 Milliarden Dollar, das privatisiert werden muss. Aber der Börsengang trägt dazu bei zu zeigen, dass 
es ein Interesse an russischem Staatsvermögen gibt, und ist eine Unterstützung für die Reformer in der Regierung", so Weafer.

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