2014: Steht Russlands Wirtschaft vor einem Strukturwandel?

Innovation und mehr private Investitionen können laut Experten verhindern, dass das Wirtschaftswachstum in Russland nicht zu gering ausfällt. Foto: Reuters

Innovation und mehr private Investitionen können laut Experten verhindern, dass das Wirtschaftswachstum in Russland nicht zu gering ausfällt. Foto: Reuters

Experten urteilen über das Wirtschaftswachstum 2014 in Russland pessimistisch. Sie hoffen auf privatwirtschaftliches Engagement und die heilende Kraft der Krise, die zu mehr Innovation und einer höheren Produktivität führen soll.

2014 könnte ein Jahr der Herausforderung für die russische Wirtschaft werden, denn die negativen Tendenzen werden anhalten. Experten stimmen den pessimistischen Erwartungen des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung in den meisten Punkten zu. Um die Situation zu verbessern, müsste die Regierung eine aktivere Wirtschaftspolitik machen, die letzten Endes einen Strukturwandel herbeiführen soll.

 

Geringe Nachfrage wird Wirtschaftswachstum in 2014 begrenzen

„Die negative Dynamik in der Konsumentennachfrage wird anhalten", so Alexej Balajew aus der Wirtschaftsexpertengruppe (WEG). Das bestätigt auch der „Sberbank"-Chef German Gref: „Ich sehe keine Quellen für ein weiteres Wachstum der Arbeitslöhne und höhere Beamtengehälter. Vermutlich wird die Kreditbelastung der Konsumenten langsam absinken. Alles wird schwieriger, deshalb steht es nicht leicht um die Wachstumsfaktoren."

Eine schwierige Situation wird auch in Bezug auf Investitionen in das Stammkapital entstehen: „Wir sollten berücksichtigen, dass ab 2014 die Tarife der natürlichen Monopole eingefroren werden, wodurch Investitionsprogramme geringer ausfallen können. Obendrein haben sich die Gesamtgewinne von Unternehmen und Organisationen verkleinert, was zu geringeren Folgeinvestitionen führt", analysiert Igor Nokolajew, Direktor des Instituts für Strategische Analyse FBK.

Die meisten Experten stimmen darin überein, dass als Ergebnis das BIP-Wachstum unter den Prognosen des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung sein wird. Das BIP-Wachstum wird bestenfalls ein bis zwei Prozent betragen.

„2014 sollte man keine schnellen Wachstumsraten der russischen Wirtschaft erwarten. Sie können mit 1 bis 1,5% sehr niedrig ausfallen, selbst mit Berücksichtigung der Olympischen Spiele in Sotschi", findet Maxim Petronewitsch, Experte des Zentrums für Wirtschaftsprognosen bei der „Gazprombank". „Doch man solle diese Tendenz nicht als allzu negativ werten. Ein langsames Wachstum sei ein natürliches Ereignis, eine natürliche Phase für jeden Wirtschaftszyklus, durch die alle Ökonomien der Welt gegangen sind, so Petronewitsch weiter.

 

Suche nach neuen Wachstumsimpulsen

Nach Meinung von Petronewitsch werde 2014 das Wirtschaftswachstum mehr durch privatwirtschaftliche Initiative als durch neue Förderinstrumente erreicht. Es gibt ein breites Segment, den privaten Sektor, der vermehrt mit Privatinitiativen unterstützt wird. Der Einfluss des Staates ist hier minimal. „In diesem Segment steigen die Investitionen rege, mit einer Rate von 15% pro Jahr. Ein solcher „grüner und gesunder Spross" gleicht teilweise ein Absinken der Investitionen im Rohstoffsektor Russlands aus. Wenn diese Tendenz anhält, werden niedrige Wachstumsraten nicht von einem gesamten Niedergang, sondern von einer Strukturveränderung der Wirtschaft zeugen", hofft Petronewitsch.

Es existiert auch die Meinung, dass ein neuer Wachstumsmarkt die Rüstungsindustrie werden könnte: „In diesem Segment können neue Fabriken und Arbeitsplätze geschaffen, die wiederum Zulieferer anlocken. Zusammen mit dem Entstehen neuer Arbeitsplätze werden ganze Ketten an, mit dieser Industrie verbundenen, Produktionen entstehen und eine Unterstützung der Entwicklung bestimmter Regionen stattfinden", meint Wladimir Klimanow, Professor für Staatliche Wirtschaftsregulierung an der Russischen Akademie für Nationale Wirtschaft und Öffentliche Verwaltung.

Nach Ansicht des Hauptökonomen der Weltbank Sergej Ulatow kann eine Steigerung der Arbeitseffizienz zu einem weiteren Wachstumsfaktor

werden. Doch damit die neuen Wachstumsfaktoren funktionieren, brauche es komplexe Reformen, so Ulatow.

Diese Meinung teilen auch die Analytiker der FBK. Ihrer Meinung nach wird die geschwächte russische Wirtschaft mit globalen Herausforderungen nur schlecht fertig werden. Vorboten des globalen Einflusses sind der veränderte Weltmarkt der Energieressourcen und eine beginnende Gesamttransformation des modernen Wirtschaftsmodells. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse sagen die Experten der FBK, dass das Land ebenfalls ein neues Wirtschaftsmodell brauche.

„Die heutige Situation ist ideal, um eine Reihe sehr wichtiger Reformen in Russland durchzuführen", findet der „Sberbank"-Chef German Gref. Doch bevor die Reformen beginnen, solle erst, Gref zufolge, das Verwaltungssystem reformiert werden.

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