Russische Jungunternehmer: Mit Sport zu Gesundheit und Profit

Yoga-Unterricht im Moskauer Gorki-Park. Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Yoga-Unterricht im Moskauer Gorki-Park. Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Immer mehr russische Start-up-Unternehmen versuchen, am Trend zu einem gesunden Lebensstil Geld zu verdienen. RBTH hat untersucht, ob mit diesem Geschäft tatsächlich Gewinne zu erwirtschaften sind.

Zumba, der Fitnesstanz

Alina Antipowa und ihre Freundin Anora Muborakowa, die den Fitnesstanz Zumba machen, haben das Projekt „ArtKom" gestartet. „Zumba ist unser ganzes Leben. Es ist alles dabei: ganzheitliche Übungen, Kardiotraining und dazu noch Tanz. Ich liebe es, zu tanzen. Anora ist eine wunderbare Trainerin", sagt Alina. Die jungen Damen bieten vier Trainingseinheiten pro Woche in verschiedenen Hallen in Moskau an. Im Sommer führten sie ihre Trainingsstunden in der ganzen Stadt kostenlos unter freiem Himmel durch. Darüber hinaus beteiligten sie sich an Wohltätigkeitsveranstaltungen.

„Das ist eine Art Investition in die Zukunft. Viele, die unsere offenen Trainingseinheiten in den Parks besucht haben, kommen dann auch zu den kostenpflichtigen Stunden." Als ein Projekt von wenigen dieser Art in Moskau versuchen Alina und Anora gerade ältere Menschen für ihre Trainingseinheiten zu gewinnen. „Großmütter und Großväter sind überhaupt wunderbare Schüler!" Der langfristige Plan der jungen Damen ist der Aufbau einer eigenen Schule für kreative Betätigungen, in der man drei beliebten Hobbys nachgehen kann: Zumba, Englisch lernen und Handarbeit.

 

Yoga im Park

In Moskau und in ganz Russland haben die Stadtparks in den letzten fünf bis sieben Jahren einen zweiten Frühling erlebt. Es wurde Geld in die Begrünung, in Brunnen sowie die Instandhaltung der Plätze für Freizeit und Erholung investiert. In den 1990er-Jahren musste man nachts in den Parks noch Angst haben, Verrückten zu begegnen oder riskierte es, bis auf die nackte Haut ausgeraubt zu werden. Heute sind die Parks, ganz im Gegenteil dazu, der beste Ort, um Freizeit mit der Familie zu verbringen. Sport an der frischen Luft hat auch den Hata-Yoga-Lehrer Rauf Asadow dazu inspiriert, ein eigenes Geschäftsprojekt ins Leben zu rufen. Seine Gruppe „Organic People" startete 2013 damit, Yoga-Trainingseinheiten in den Moskauer Stadtparks anzubieten. „Das kommerzielle Element besteht ausschließlich in einer symbolischen Summe, die am Ende jeder Trainingseinheit in einer Spendenbox gesammelt wird. Doch um dieses in erster Linie soziale Projekt weiter auszubauen, benötigen wir Drittmittel", so Rauf.

Zu Beginn gab es für die „Organic People" keine Probleme. Rauf gelang es, die Stadtparkverwaltung für seine Ideen zu begeistern und seinen Enthusiasmus auf sie zu übertragen, sodass er ohne Schwierigkeiten Yogastunden auf den Plätzen der Stadt abhalten konnte. Probleme traten auf, als 2014 die Parkverwaltung des Moskauer Stadtparks wechselte.

Es kam ein neuer Chef, der andere Projekte bevorzugte. „Mit dem alten Team habe ich auf Vertrauensbasis, ohne Vertrag und kostenlos zusammengearbeitet. Ich habe dann versucht, nur einen Teil der Parks für die Yogastunden zurückzubekommen, doch niemand wollte Zugeständnisse machen", erzählt Rauf frustriert. So seien die Idee des Projekts und beinahe das Projekt selbst verloren gegangen. Doch er habe nicht aufgegeben und begonnen, mit anderen Moskauer Parkverwaltungen und Parkverwaltungen in anderen Regionen und Gebieten zusammenzuarbeiten. „Ich weiß nicht, was daraus wird. Aber die Leute machen weiter in den Parks Yoga, es ist gesund", gibt sich Rauf optimistisch.

 

Yoga in der Halle

Ein weiterer Anbieter von Yoga in Moskau ist das Unternehmen Federazija Yogi, das die Arbeit 2003 aufgenommen hat. Heutzutage ist Federazija Yogi eine Kette von Hallen mit einer eigenen Trainerschule. „Die Eröffnung von Yogaschulen kann man kaum als Geschäft bezeichnen, es ist eher ein

Hobby, das nur wenig Geld, dafür aber viel Arbeit bringt. Man muss Yoga vor allem sehr lieben, um in dieses Geschäft einzusteigen", meint Sergei Litau, Präsident von Federazija Yogi.

In Russland ist Yoga saisonabhängig. Im Sommer, in den langen Neujahrsferien und den Ferien im Mai sind die Trainingsstunden schlechter besucht. Federazija Yogi nimmt aktiv an Projekten unter freiem Himmel teil. „Wir haben als eine der ersten Yogaschulen in Moskau sogenannte Yoga-Sphären eingeführt", erklärt Sergei Luntau. „Doch das war sehr unrentabel und finanzielle Unterstützung bekommen wir für solche Projekte nicht."

 

Extremsport

Die Entwicklung der Extremsportarten basiert meist auf Privatinitiativen. Anastasia Podschibjakina, Marketing-Managerin der britischen Marke GlideSoul, organisiert in Russland Wettkämpfe im Wakeboarding und Wakesurfing. Die junge Dame war dabei, als diese in Russland damals noch unbekannten Extremsportarten begannen, beliebt zu werden.

Davor arbeitete sie für eine russische Kette von Sportgeschäften. 2010 fingen sie und ihre Geschäftspartner an, das Wakeboarding in Russland bekannt zu machen. Als erste in Russland führten sie professionelle Figuren ein und bauten einen Wakepark in Storgino – einem Gebiet im Nordwesten Moskaus. „Zuerst haben die Leute zugeschaut, dann gab es einen echten Wakeboarding-Boom. Ich war selbst auch mit Begeisterung dabei, es hat sehr viel Spaß gemacht. Früher waren die Wakeboarding-Veranstaltungen eher geschlossen, aber jetzt, mit dem Aufkommen der Cable-Wakeboards ist es zu einem echten Massensport geworden", berichtet Anastasia begeistert.

 

Kitesurfen

Eine andere Disziplin, die in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, ist das Kitesurfen. Ilja Ljubimow gibt zu, dass er bereits seit seiner Kindheit davon geträumt hat, dem Winter entkommen zu können. 1998 fuhr er nach

Ägypten und ließ sich an einer deutschen Surfschule zum Lehrer ausbilden. Fünf Jahre später war er bereit, seine eigene Kitesurfing-Schule auf der Krim zu eröffnen.

Zuerst kamen die „Kite-Safaris" auf, bei denen sich Sportler und Liebhaber trafen, eine Jacht mieteten und auf der Suche nach Wind und schönen Plätzen in See stechen. Ilja griff diese Idee gemeinsam mit seinem Team auf und begann, Reisen für Kitesurfer nach Ägypten anzubieten. Dort gibt es Idealbedingungen für Anfänger. Man kann den Sport dort innerhalb von nur einer Woche erlernen.

Der Kundenstamm wuchs schnell. Regelmäßige Einkünfte sind der Lohn. Viele Kunden kommen mehrmals im Jahr zu Ilja. „Nicht alle Schulen zeichnen sich durch einen guten Service aus", meint Ilja. „Wir haben aber schon ungefähr 100 neue Kites", ergänzt er. In der Regel erhält er jetzt die Ausrüstung für die nächste Saison zum Testen, bevor sie in die Geschäfte kommt.

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