Edward Snowden: Marktkraft eines Namens

Der Name Edward Snowden hat sich als verkaufsfördernd erwiesen. Foto: Reuters

Der Name Edward Snowden hat sich als verkaufsfördernd erwiesen. Foto: Reuters

Edward Snowden hat seit seinem Asyl in Russland Kultstatus erlangt. Sein Image muss nun für vielerlei Produkte herhalten, auch ein Kinofilm bedient sich seines Namens – aber für einen guten Zweck.

Vor weniger als einem Jahr noch war der Name Edward Snowden vollkommen unbekannt. Heute wächst die Zahl der Bücher und Filme, mit denen man die Story des NSA-Informanten Edward Snowden zu Geld machen will, in schwindelerregendem Tempo.

Snowdens Ruhm, ein wichtiger Erfolgsfaktor dieser Produkte, steigerte sich insbesondere, als er in Russland eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erhielt. Nach Veröffentlichung der Dokumente, die Snowden den Medien übergeben hatte, annullierten US-Behörden seinen Reisepass. Die russische Regierung gewährte ihm daraufhin ein temporäres Asyl. Obwohl seine Enthüllungen von weltweiter Bedeutung sind, ist Snowdens Geschichte vor allem auch eine russische. Produkte und Projekte zur Vermarktung von Snowdens Image ließen daher auch in Russland nicht lange auf sich warten.

 

Magie eines Namens

Das Buch „Was Snowden verschwieg" von

Alexej Tschelnokow. Foto: Pressebild

Kurioserweise ist der Name Snowden vor allem bei den Produkten verkaufsfördernd, die in keinerlei Beziehung zu ihm oder seiner Geschichte stehen. Das im Moskauer Eksmoverlag erschienene Sachbuch von Alexej Tschelnokow beispielsweise trägt den Titel „O Tschjom Ne Rasskasal Snowden" („Was Snowden verschwieg"). Entgegen der Erwartung, die der Titel und das Porträt von Snowden auf dem Cover wecken, hat es überhaupt nichts mit dem ehemaligen Vertragsarbeiter der CIA zu tun. Seine Person wird lediglich als Aufhänger genutzt: „Was Snowden öffentlich gemacht hat, ist nur die Spitze eines Eisbergs illegaler Aktivitäten des amerikanischen Geheimdienstes", heißt es in dem Klappentext des Herausgebers. „Was hat Snowden verschwiegen über die ‚schmutzige Wäsche' von Geheimdiensten, die heute die Kontrolle über Politik und Wirtschaft nicht nur in Russland übernehmen?"

Snowden-Souvenirs gibt es auch in Russland zu kaufen, die Nachfrage ist allerdings begrenzt. Der Onlinehändler Momo Shirts bietet für rund 22 Euro T-Shirts mit einem aufgedrucktem Porträt von Snowden an, das dem bekannten, in rot und blau gehaltenen Barack-Obama-Poster nachempfunden ist und den Schriftzug „molodets" („toller Kerl") trägt. Ein Sprecher von Momo Shirts machte in einem Gespräch mit Russland HEUTE keine Angaben zu den Verkaufszahlen einzelner Ausführungen der T-Shirts. Darüber hinaus könnte er nichts darüber sagen, wie die Idee, ein T-Shirt mit einem Snowdenporträt zu bedrucken, entstanden war. Wahrscheinlich sei sie von einem der Partner oder Designer des Geschäfts gekommen.

Ein Snowden-T-Shirt. Foto: Pressebild

Das Unternehmen Vispo führt einen Kaffeebecher mit Schwarz-Weiß-Porträt von Snowden in seinem Katalog. Die für 4,20 Euro erhältlichen Becher scheinen jedoch kein Kassenschlager zu sein. Alexander, ein Mitarbeiter von Vispo, erinnert sich, dass vor etwas mehr als einem halben Jahr, als Snowden täglich für Schlagzeilen sorgte, ein Kunde eine individuell gestaltete Tasse bestellte. Das Unternehmen wertete das als Vorboten eines neuen Trends und nahm Snowden-Tassen in sein Sortiment auf. „Wir haben allerdings nicht mehr als zehn oder 15 Tassen in diesen Monaten verkauft", berichtet Alexander.

 

Snowden als Filmstar

Einen Monat später debütierte Edward Snowden in der bekannten US-Zeichentrickserie „South Park", wenn auch in Form einer Parodie. Die Figur namens Eric Cartman spielte offensichtlich auf Snowden an. Die entsprechende Episode „Let Go, Let Gov" verschaffte der Serie Einschaltquoten in Rekordhöhe.

Im September nächsten Jahres wird mit „Classified: The Edward Snowden Story" außerdem ein dramatischer, den Stoff des ehemaligen NSA-Vertragsarbeiters aufgreifender Thriller in die Kinos kommen. Der kanadische Filmstab, darunter der Schauspieler Kevin Zegers in der Rolle des Edward Snowden, entschied sich, den Independentfilm über Crowdfunding zu finanzieren.

„Mittels Crowdfunding möchten wir uns dem Einfluss eines Filmstudios

entziehen", erklärte der Produzent Travis Doering gegenüber Russland HEUTE. „Studios wollen Geld verdienen, das gehört zum Filmgeschäft. Und wie jedes Geschäft lassen sie sich oft von eigenen Interessen leiten. 83 Prozent unseres geplanten Budgets haben wir bereits zusammen."

Offensichtlich verfolgen die Filmemacher keine finanziellen Ziele mit ihrem Projekt: Der Film soll kostenlos zum Download freigegeben werden. „Wir wollen das Publikum über die Gefahren der massenhaften Überwachung aufklären, nichts anderes möchten wir mit dem Film erreichen", sagte Doering. „Nicht jeder liest Zeitung, aber einen Unterhaltungsfilm schauen sich sehr viele an. Wenn wir den Film kostenlos freigeben, erhöhen wir seine Verbreitung auf der ganzen Welt."