Wird die russische Gaswirtschaft entmonopolisiert?

Gegenwärtig ist Gazprom Monopolist im Bereich des Gasexports über Pipelines und kontrolliert damit das Erdgastransportnetz des ganzen Landes.  Foto:  RIA-Novosti

Gegenwärtig ist Gazprom Monopolist im Bereich des Gasexports über Pipelines und kontrolliert damit das Erdgastransportnetz des ganzen Landes. Foto: RIA-Novosti

Soll Gazprom zerschlagen werden? Am 23. Januar stellte das russische Energieministerium einen vorläufigen Entwurf für seine Strategie bis zum Jahr 2035 vor, in dem diese Idee festgehalten ist. Vor- und Nachteile scheinen sich die Waage zu halten.

Wie russische Medien berichtet haben, ist wurde die inoffizielle Erörterung einer Gazprom-Aufspaltung 2013 offenbar wiederaufgenommen. Gründe dafür sind zum einen Probleme des Konzerns auf dem europäischen Markt, die aufgrund der Anforderungen des Dritten Energiepakets entstanden sind. Das Dritte Energiepaket sieht die Aufspaltung vertikal strukturierter Unternehmen in einen Förder- und einen Verteilungsbereich vor. Außerdem kritisieren die Gasproduzenten Rosneft und Novatek den Konzern für dessen undurchsichtige Preisbildung bei der Durchleitung des Brennstoffs.

Erstmals kam der Regierung der Russischen Föderation die Idee einer Zerschlagung von Gazprom Ende der 1990er-Jahre. Damals machte sich das Wirtschaftsministerium unter der Leitung German Grefs für die Aufspaltung des Unternehmens stark. Die Behörde schlug vor, das Verteilungsnetz der Kontrolle durch den Staat zu überlassen, dagegen Förderung, Verarbeitung und Verkauf des Rohstoffs an Privatunternehmen abzugeben.

Gegenwärtig ist Gazprom Monopolist im Bereich des Gasexports über Pipelines und kontrolliert damit das Erdgastransportnetz des ganzen Landes. Rosneft und Novatek, die größten Konkurrenten des Staatskonzerns, erhielten erst vor Kurzem das Recht, Flüssiggas zu exportieren.

 

Eine Aufspaltung ermöglicht mehr Transparenz

Die Idee der Zerschlagung des Gazprom-Exportmonopols und der Aufspaltung des Portfolios hat sowohl positive als auch negative Seiten. Rosneft beispielsweise wäre ein gewinnträchtiger Gasexportmarkt von Nutzen, zumal das Unternehmen in letzter Zeit seinen Einfluss gerade im Gassektor ausgebaut hat.

Rosneft plant, seinen Anteil auf dem internen Gasmarkt bis zum Jahr 2020 auf bis zu 20 Prozent zu vergrößern, indem es sein Fördervolumen auf 100 Milliarden Kubikmeter Gas steigern will. Dafür konsolidierte Rosneft die Aktien der unabhängigen Gasproduzenten Itera und Sibneftgas und beabsichtigt, die Investitionsaussichten anderer unabhängiger Gasproduzenten zu analysieren.

Wenn unabhängige russische Unternehmen einen Zugang zu den Pipelines für den Gasexport ins Ausland zur Verfügung gestellt bekämen, würde dies möglicherweise die Beanstandungen der Europäischen Kommission gegenüber Gazprom relativieren. Es sei daran erinnert, dass der EU-Kommissar für Wettbewerbsfragen im Rahmen des Kartellverfahrens gegen das russische Monopol noch bis April einen Schuldspruch fällen kann. In diesem Fall droht der Gasholding eine Strafzahlung in Höhe von elf Milliarden Euro.

Wenn man noch einen Schritt weiterginge und Gazprom privatisierte sowie mehrere kleinere Unternehmen gründete, würde dies die Transparenz bei der Preisbildung zum Teil erhöhen, was eine Tarifsenkung bei den Verbraucherpreisen zur Folge hätte, glaubt Tamara Kasjanowa, Vize-Präsidentin der Organisation Klub der Finanzdirektoren Russlands. „Die Monopolstellung des Unternehmens führt zu Verwerfungen bei der Preisbildung. Russlands Binnen-Gasmarkt bedarf eines höheren Wettbewerbs, damit die Preise das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage besser widerspiegeln und nicht etwa dem Willen einzelner Vertreter dieses Monopolisten ausgeliefert sind", erklärt sie.

 

Alles bleibt am Alten

Vorteile für Gazprom scheint es hingegen keine zu geben. Nach einer Aufspaltung müsste der Konzern unter wesentlich härteren Wettbewerbsbedingungen arbeiten. Dagegen kann die Regierung gegenwärtig dank des Gazprom-Monopols auf dem Gebiet des Gasexports und dem hochprofitablen europäischen Markt sowohl die Gaspreise in Russland auf einem recht niedrigen Niveau halten als auch Mittel zur Finanzierung langfristiger Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel Nord Stream und South Stream, zur Verfügung stellen.

Die Gegner einer Aufspaltung Gazproms gehen davon aus, dass diese der Position Russlands auf dem Weltmarkt schaden könne, da der Monopolist „das einzige Unternehmen ist, das auf dem Weltmarkt dank seiner Größe und seiner Ressourcen wettbewerbsfähig ist", wie Tamara Kasjanowa bemerkt.

Dieses Argument wäre, der Expertin zufolge, vielleicht noch bis zur Krise 2008 schlagkräftig gewesen. „Die Situation hat sich jedoch in den vergangenen fünf Jahren deutlich verändert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens fällt permanent. Aufgrund der Schiefergas-Revolution hat Gazprom inzwischen mit einem harten Wettbewerb in Europa zu kämpfen – und dies ist schließlich der Hauptmarkt des Gasgiganten", sagt Kasjanowa.

Es besteht allerdings auch das Risiko, dass anstelle Gazproms einfach ein anderer Monopolist auftaucht. „Die negative Folge einer Aufspaltung Gazproms könnte die Entstehung eines neuen Monopols oder Kartells sein, das die Preise kontrolliert. Anstatt der Verbesserung der Wettbewerbssituation und der Senkung der Preise für die Bevölkerung würde eine Aufteilung des Marktes und des Eigentums erfolgen", schließt die Kasjanowa gegenüber der Zeitung „Wsgljad" nicht aus.

In der Praxis wird die Frage der Aufspaltung Gazproms wohl nicht so bald geklärt werden. Am 5. Februar zerstreute Vize-Ministerpräsident Arkadij Dworkowitsch gegenüber Journalisten alle Spekulationen zu diesem Thema und erklärte, dass diese Frage in der Regierung gegenwärtig „nicht diskutiert" werde.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wsgljad

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