Im Billigflieger nach Moskau

In Moskaus Umgebung sollen in den nächsten Jahren zwei Low-Cost-Flughäfen entstehen. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

In Moskaus Umgebung sollen in den nächsten Jahren zwei Low-Cost-Flughäfen entstehen. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Zwei ehrgeizige Projekte sollen im Moskauer Umland zwei Low-Cost-Flughäfen entstehen lassen. Interesse vonseiten der Billigfluglinien besteht, nun werden Investoren gesucht.

Der Flughafen Jermolino liegt 72 Kilometer von Moskau entfernt im Verwaltungsgebiet Kaluga. Bis Ende 2012 diente er als Stützpunkt für Spezialeinheiten der internen Truppen des russischen Innenministeriums und für die russischen Luftstreitkräfte. Das Konzept zur Entwicklung der Infrastruktur steht bereits. Laut diesem werden Investitionen in Höhe von 240 Millionen Euro in das Projekt fließen. Das Militär ist bereit, 120 Millionen Euro aus dem eigenen Budget in die Wiederherstellung des Flughafens zu investieren. Davon wurden 20 Millionen Euro bereits bereitgestellt. Die Fluggesellschaft UTair plant, den Flughafen zu ihrem Hauptsitz zu machen und ihn für Linienflüge zu nutzen. Geplant ist die Stationierung von mindestens 20 bis 30 Flugzeugen der Typen Airbus-321 und Boeing-737. Bis 2017 soll das Passagieraufkommen pro Jahr bis zu 7,5 Millionen Fluggäste betragen.

Sobald das Finanzierungsmodell ausgearbeitet ist, soll im Laufe dieses Monats die Ausschreibung für ein Investorenauswahlverfahren veröffentlicht werden. Vorerst wurde entschieden, dass die Finanzierung auf der Basis einer Konzession erfolgen wird. „Der Flughafen bleibt im Besitz der Region", teilte Salawat Kutischew, Geschäftsführer des leitenden Unternehmens Internationaler Flughafen Jermolino, mit. Das Unternehmen habe bereits Verhandlungen mit einer Reihe von ausländischen Billigfluggesellschaften, darunter auch EasyJet und Ryanair, geführt. Interesse bestehe, sagte Kutischew, besonders, wenn man bedenke, dass die Flughafenentgelte in Jermolino um 25 Prozent niedriger als in den Moskauer Stadtflughäfen sein werden.

Bis spätestens 2033 soll Jermolino in der Lage sein, eigenwirtschaftlich zu arbeiten. Mehr als die Hälfte des Gewinns soll durch Gastronomie und Einzelhandel erzielt werden. „Wir werden uns bemühen, das Modell unserer europäischen Kollegen umzusetzen. Während die russischen Flughäfen nur 20 Prozent des Erlöses durch Zusatzeinnahmen aus dem sogenannten ‚Non-Aviation-Geschäft' erzielen, beträgt der Anteil am Gesamtumsatz der europäischen Flughäfen 60 Prozent", so Kutuschew.

 

Zweiter Low-Cost-Flughafen fördert den Wettbewerb

Nun beschäftigt man sich mit dem Projekt eines weiteren Low-Cost-Flughafens, der an Stelle des Militärflugplatzes Ramenskoje entstehen soll.

Der Inverstor dieses Projekts Avia Solutions Group meint, es werde keine Konkurrenzsituation zwischen den neuen Flughäfen in Ramenskoje und Jermolino entstehen: „Diese Flughäfen haben unterschiedliches Potenzial", sagte Tomas Wajschwilla, erster stellvertretender Generaldirektor für Infrastruktur von Avia Solutions. „Ramenskoje verfügt über zwei 3 000 beziehungsweise 5 400 Meter lange Start- und Landebahnen. Jermolino dagegen ist nur mit einer 3 000 Meter langen Start- und Landebahn

ausgestattet. Die Kapazität des Flughafens Ramenskoje beträgt mindestens zehn Millionen Passagiere pro Jahr, im Gegensatz zu Jermolino mit sechs Millionen Fluggästen pro Jahr." Des Weiteren werde die Fahrt zum Flughafen Jermolino auch bei der Bereitstellung einer schnellen Zuganbindung rund 1,5 Stunden dauern. Ramenskoje könne man dagegen in 40 Minuten erreichen.

Im Verkehrsministerium heißt es, dass „die Frage der Eröffnung eines vierten Flughafens eine Frage der Konkurrenz zwischen den Investoren und den Vorzügen der Fluggesellschaften" sei. Beide Projekte hängen massiv von der Erreichbarkeit mit der Bahn ab, Trassen wurden aber bisher für keinen der beiden Flughäfen gebaut.

Daher ist nicht verwunderlich, dass das Low-Cost-Projekt nicht überall Zustimmung erhält. Der unabhängige Experte Andrej Kramarenko fügt hinzu: „In Russland gibt es keine Billigfluggesellschaften, deswegen ist die Entwicklung gleich zweier Low-Cost-Flughäfen erstaunlich."

 

Nach Materialen von RBC-Daily und Kommersant. 

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