Rheinmetall modernisiert Russlands Armee-Ausbildung

Der deutsche Konzern Rheinmetall wirkt am Bau eines hochmodernen Ausbildungszentrums für die russische Armee mit. Foto: ITAR-TASS

Der deutsche Konzern Rheinmetall wirkt am Bau eines hochmodernen Ausbildungszentrums für die russische Armee mit. Foto: ITAR-TASS

Im Gebiet Nischni Nowgorod wird unter Beteiligung des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall ein mit modernster Technik ausgestattetes Ausbildungszentrum der russischen Armee entstehen. Bis zu 30 000 Soldaten sollen hier zukünftig pro Jahr ausgebildet werden.

Bei Mulino im Gebiet Nischni Nowgorod soll auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern ein hochmodernes Ausbildungszentrum für die russische Armee entstehen. Bis zu 30 000 Soldaten sollen hier zukünftig pro Jahr an vollständig computerisierten Trainingsanlagen, auf virtuellen Gefechtsplätzen und an Laser-Schießsimulatoren ausgebildet werden.

 

Drei Monate virtuelle Ausbildung

Wehrpflichtige und Berufssoldaten kommen in der Regel ohne militärische Ausbildung oder nur mit rudimentären Kenntnissen zur Armee. Im neuen, modernen Ausbildungszentrum werden die neuen Rekruten zu hochqualifizierten Soldaten. Früher durchliefen sie diese Schulungsphase in jeder Truppengattung gesondert. Nach der Zusammenführung der Heeres-, Luftwaffen-, Marine- und Landungstruppen innerhalb von Militärbezirken soll nun die Ausbildung vereinheitlicht werden. In Mulino kann zukünftig eine ganze Brigade, bis zu 6 500 Personen, in 70 Militärberufen gleichzeitig geschult werden, vom einfachen Soldaten bis zum Kommandeur. Das Schulungsprogramm ist auf eine Dauer von drei Monaten ausgelegt.

Der erste russische Vizeminister für Verteidigung, General der Armee Arkadi Bachin, erklärt den Ablauf der Ausbildung: „Ein planmäßiges professionelles Bataillon wird einem verstärkten Übungsbataillon aus der motorisierten Schützenbrigade oder Panzerbrigade gegenüberstehen. Dabei wird durch Lasertechnik Beschuss aus allen Waffengattungen imitiert – von der Handwaffe bis zur Panzerwaffe, aus einer Entfernung, die den realen taktisch-technischen Merkmalen entspricht." Spezielle Sensoren an der Ausrüstung der Soldaten und an den militärischen Geräten registrieren das Auftreffen der Laserstrahlen, die Treffer durch eine Waffe simulieren.

Die Aktionen jedes einzelnen Soldaten werden im Computer gespeichert und anschließend genau analysiert, sodass die Soldaten und Kommandeure aus Fehlern lernen und beim nächsten Mal effektiver handeln können. Aber auch eine erfolgreiche Militärstrategie kann mit der Computeranalyse nachvollzogen werden. Das alles funktioniert ohne reale Schüsse, Artillerieangriffe, Luftangriffe und echte Verluste.

Am Ende der dreimonatigen Ausbildung, wenn alle Soldaten und Offiziere einer Brigade an den Computern und Trainingsanlagen geschult wurden, müssen sie in echten taktischen Übungen mit Gefechtsschießen eine Abschussprüfung ablegen.

 

Deutsche Technik, russische Methodik

Das geplante neue Ausbildungszentrum in Mulino wurde unter Beteiligung des deutschen Konzerns Rheinmetall entwickelt, der einen vergleichbaren

Komplex der Bundeswehr im süddeutschen Altenmarkt gebaut hat. Das russische Zentrum soll aber keine Kopie des deutschen werden: Der deutsche Partner liefert nur die Kommunikationsinfrastruktur, die Anlagen für die Analyse der Übungskämpfe und die Lasersysteme für die Simulation der Kampfhandlungen. Rheinmetall leistete auch Unterstützung bei der Planung und technischen Ausstattung des militärischen Übungsgeländes. Die Schulungsmethoden und die Software für die Computeranlagen und Simulatoren aber wurden von russischen Experten entwickelt.

Baubeginn für das neue Schulungszentrum in Mulino soll am 1. September sein, erklärt Generaloberst Anatoli Sidirow, Truppenkommandeur des Westlichen Militärbezirks. Bis 2016 sollen weitere Schulungszentren dieser Art auf dem Übungsgelände Zugol bei Tschita in der Region Transbaikalien und auf dem Schießplatz Aschuluk im Gebiet Astrachan entstehen.

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