Russlands digitaler Markt wächst

Russland gehört zu den weltweit sieben größten Märkten für digitale Produkte. Foto: ITAR-TASS

Russland gehört zu den weltweit sieben größten Märkten für digitale Produkte. Foto: ITAR-TASS

Der Markt für digitale Güter erreichte im Jahr 2013 in Russland ein Volumen von über 800 Millionen Euro. Russland gehört damit zu einem der größten Wachstumsmärkte in diesem Bereich. Experten bemängeln jedoch die strenge staatliche Kontrolle.

Der Markt für digitale Güter verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wachstum von 30 Prozent, erklärte Sergej Plugotarenko, der Vorsitzende der Russischen Assoziation für elektronische Kommunikation (RAEK), auf der Konferenz „Digital Retail". Das Marktvolumen für E-Books, Filme oder Spiele belief sich im Jahr 2013 auf etwa 826 Millionen Euro.

Eine Studie der RAEK zeigt, dass der russische Markt in einigen Segmenten bereits gesättigt ist, zum Beispiel bei digitalen Spielen. Der Verkauf von E-Books hingegen stieg im Jahr 2013 um 100 Prozent. Der Verkauf von Musik im Internet wächst ebenfalls zügig. Dieser Trend hängt

Marktumfang

 

Spiele: 700 Millionen Euro

Musik: 39 Millionen Euro

E-Books: 22 Millionen Euro

Video: 67 Millionen Euro

Videowerbung: 57 Millionen Euro

aus Sicht der Experten zum Beispiel mit der Einführung von App-Stores zusammen.

Unter den technologischen Trends des Marktes für digitale Güter nannte Sergej Plugotarenko die zunehmende Nutzung multimedialer Möglichkeiten von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets, die Verbreitung von Social Media und schnellere Internetverbindungen. Diese Faktoren machen digitalen Content leichter zugänglich und für die Nutzer attraktiver.

Für Laurent Le Moal, Vizepräsident von PayPal Europe, zählen digitale Güter zu den dynamischsten Segmenten des E-Commerce. „Nehmen wir ‚Whatsapp' – diese App zeigt das ganze Potenzial digitaler Güter, sowohl deren potenzielle Ertragsfähigkeit als auch ihr zügiges Wachstum", erklärt er. Le Moal verweist auf die guten Erfolgsaussichten, die insbesondere auch kleine Firmen in diesem Markt hätten: „Digitale Güter sind eine globale Branche. Auch relativ kleine Unternehmen wie die finnische Computerspiele-Firma Rovio, der russische Entwickler Zeptolab oder das belarussische Wargaming.net haben mit den von ihnen entwickelten Spielen weltweit Erfolg."

 

Strenge Urheberrechtsgesetze

In der RAEK-Studie wird festgestellt, dass im Unterschied zu anderen Ländern der Staat in Russland Internetaktivitäten sehr stark kontrolliert, wie beispielsweise das im vergangenen Jahr verabschiedete strenge Anti-Piraterie-Gesetz belegt. Bei Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen können die Copyright-Inhaber gleich vor Gericht gehen, um entsprechende Inhalte oder ganze Webseiten sperren zu lassen.

Unter der immer stärker werdenden Kontrolle aber leiden häufig auch „unschuldige" Internetunternehmen und Nutzer. „Die Situation in den USA und in Europa zeigt eindeutig, dass die Entwicklung des Marktes für digitale Güter regulierender Maßnahmen bedarf. Eine Schlüsselbedeutung jedoch haben die Zugänglichkeit legaler Inhalte und die Verbreitung von

Datenträgern, auf die man sie herunterladen kann", meint Michael O'Grady, Analyst bei Forrester Research.

Der Generaldirektor des Onlineshops „Wikimart" Maxim Faldin glaubt, dass der Weg bis dahin noch lang sein wird: „Wir sprechen nicht über eine Perspektive von ein bis zwei Jahren, sondern von fünf bis sieben Jahren", so die Prognose des Experten.

Nach Wirtschaftsstatistiken aus dem Jahr 2013 zählt Russland zu den sieben Ländern mit dem größten Markt für digitale Güter. Nach einem Bericht der Marktforschungsagenturen IHS und App betrug das Volumen der sieben größten Märkte für digitale Güter etwa 41 Milliarden Euro. Zu den „Top 7" gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan, Südkorea und Russland. Obwohl der Markt für digitale Güter in Russland bislang am wenigsten entwickelt ist, habe er beträchtliche Potenziale, bemerkten die Analytiker.

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