Russische Oligarchen und ihre teuren Scheidungen

Russischer Oligarch Wladimir Potanin und seine Frau Natalja haben sich nach 30 Jahren Ehe scheiden lassen. Foto: PhotoXPress

Russischer Oligarch Wladimir Potanin und seine Frau Natalja haben sich nach 30 Jahren Ehe scheiden lassen. Foto: PhotoXPress

Dreißig Jahre waren der Interros-Vorsitzende Wladimir Potanin und seine Frau Natalia verheiratet. Nach ihrer Scheidung im Februar kämpfen die beiden nun mit harten Bandagen um die Aufteilung des Milliardenvermögens.

Nach dreißig Jahren Ehe haben sich Oligarch Wladimir Potanin und seine Frau Natalja scheiden lassen. Der bekannte russische Unternehmer Wladimir Potanin, Vorsitzender der Interros-Holding, steht auf Platz sieben im Forbes-Rating der russischen Milliardäre. Sein Vermögen wird auf umgerechnet 10 Milliarden Euro geschätzt.

Am 25. Februar entschied das Amtsgericht Moskau-Presnenski offiziell über die Scheidung. Für Potanin könnte es teuer werden. Laut Urteil hat die geschiedene Ehefrau zunächst Anspruch auf Unterhalt für den minderjährigen Sohn. Nach unbestätigten Medienberichten geht es dabei um eine Summe von etwa 170 000 Euro pro Monat.  

Vielleicht kommen aber auch höhere Unterhaltsforderungen auf Potanin zu, denn Natalia Potanina möchte mehr Geld. Der Anwalt der Ex-Ehefrau, Filipp Rjabtschenko, erklärte gegenüber einem Journalisten des russischen Magazins „Profil“: „Die Höhe des Unterhalts wurde auf ein Viertel des Gehalts und anderer Einkünfte des Ehegatten festgesetzt. Nachweise über seine Gehälter und Einkünfte hat uns Herr Potanin aber bis heute nicht vorgelegt. Bislang hat er noch gar nicht gezahlt.“  

Vermögensverhältnisse Potanins bleiben unbekannt

Wladimir Potanin hat seinerseits eine Klage eingereicht, mit dem Ziel, das Eigentum zu teilen. Demnach könnte seine geschiedene Frau mit Immobilien und Geldvermögen in Höhe von etwa 50 Millionen Euro rechnen. Damit bekäme sie „praktisch sämtliche Immobilien der Familie und einen großen Teil des Geldvermögens“, sagt Marina Iwanowa, die Anwältin des Unternehmers.

Die Anwälte der Ehefrau gehen davon aus, dass das Angebot nicht so großzügig ist, wie es scheint, sondern werten die Klage eher als cleveren Schachzug Potanins, um zu verhindern, dass seine tatsächlichen Vermögensverhältnisse offen gelegt werden. „Einige Kommentare von Potanins Anwältin lassen vermuten, dass Herr Potanin von dem gewaltigen Familienvermögen nicht mehr als 0,5 Prozent seiner Frau zu überlassen gedenkt. Bis heute ist er der Aufforderung die Zusammensetzung seines Vermögens darzulegen, nicht nachgekommen. Wir werten seinen Vorschlag daher als unredlich.“, stellt Rechtsanwalt Rjabtschenko klar. 

Die Suche nach Vermögen Potanins im Ausland hat bereits begonnen. Bei Gerichten in fünf amerikanischen Bundesstaaten erlangte man eine Genehmigung, nach Vermögensgegenständen zu fahnden. Wladimir Potanin und seine Anwälte haben die mit der Vermögensfahndung zusammenhängenden Vorgänge bisher nicht kommentiert.

Der Vorsitzende der Interros Holding kündigte vor einem Jahr an, er werde sein Vermögen für wohltätige Zwecke spenden. Zuvor hatte er sich der philanthropischen Kampagne „The Giving Pledge“ angeschlossen, die von den Milliardären Bill Gates und Warren Buffett ins Leben gerufen wurde. Die Regeln dieses elitären Zirkels sehen vor, dass seine Mitglieder mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen und sich verpflichten, ihr Kapital nicht zu vererben. In einem Kommentar zu dieser Entscheidung erklärte Potanin, er spende sein Vermögen, damit seine Kinder nicht die Motivation verlören, in ihrem Leben etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Experten allerdings vermuten, dass hinter der Großzügigkeit die Absicht steckt, Gelder und Sachwerte aus Russland abzuziehen.

Nachforderungen sind jederzeit möglich

Die Scheidung von Oligarchen-Ehen ist fast immer eine Zeitbombe für den vermögenden Partner, denn nach einer gewissen Zeit kann eine der Seiten das Verfahren wieder aufnehmen lassen. Das musste der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Severstal, Alexei Mordaschow, erfahren. Mit einem geschätzten Vermögen von 9 Milliarden Euro belegt er Platz 11 des Forbes-Rankings. Mordaschow ließ sich von seiner Ehefrau Jelena 1996 scheiden. Nach einer einvernehmlichen Regelung war er verpflichtet, seinen Sohn monatlich mit 300 Euro und einem zusätzlichen Betrag von jährlich 4300 Euro zu unterstützen. Außerdem erhielt seine Ex-Gattin eine Dreizimmerwohnung in Tscherepowez und eine Einmalzahlung von 7 200 Euro. Sie verzichtete damals auf alle Rechte an dem übrigen Eigentum.

Fünf Jahre später jedoch beschloss Mordaschows frühere Frau, diese Bedingungen zu revidieren. Im Jahr 2001 zog Jelena vor das Nikulinski-Landgericht in Moskau. Sie forderte 32,5 Prozent der Aktien von Severstal, ein Viertel der monatlichen Einkünfte von Mordaschow und mehr als zehn Millionen Euro Unterhaltszahlungen für den Sohn. Zur Klagesicherung wurden damals sogar Severstal-Aktien beschlagnahmt. Im darauf folgenden Verfahren konnte Alexei Mordaschow jedoch nachweisen, dass er seine Einkünfte größtenteils erst nach der Scheidung bezogen hatte. Die Ex-Frau des Oligarchen verlor den Prozess. Das Gericht verlangte Prozesskosten in Höhe von 1,5 Prozent des Streitwertes. Jelena schuldete dem Staat somit etwa 4,26 Millionen Euro, von denen aber insgesamt nur rund 10 000 Euro eingetrieben werden konnten. Mordaschow vermutete hinter dem Vorstoß seiner Frau Intrigen von Konkurrenten.

Die Scheidung von Irina und Roman Abramowitsch verlief hingegen friedlich. Der Unternehmer, dessen Vermögen über 7 Milliarden Euro beträgt, erwies sich als äußerst großzügig. Die Scheidung von Irina, mit der der Unternehmer 16 Jahre lang verheiratet war und mit der er fünf Kinder hat, kostete ihn an die 217 Millionen Euro und die Übernahme sämtlicher Unterhaltskosten für die Kinder. Außerdem überließ er seiner Ex-Frau einen Landsitz in der südenglischen Grafschaft West-Sussex, zwei Wohnungen in London und ein Schloss in Frankreich. Das Unternehmensvermögen hingegen blieb vollständig in Abramowitschs Händen. Dafür hat seine frühere Ehefrau, wie es aussieht, keinerlei weitere Ansprüche an ihn. Solche Fälle aber sind eher die Ausnahme als die Regel.

Ungekürzte Fassung dieses Beitrags erschien zuerst bei Profile Magazin

Oligarchen als Mäzene: Die teuersten Kunstkäufe russischer Milliardäre

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