Ё-Mobil: Hybridauto „made in Russia“ ausgebremst

Das lang erwartete Ё-Mobil-Projekt wurde an den russischen Staat verkauft. Foto: Alexej Filippow/RIA Novosti

Das lang erwartete Ё-Mobil-Projekt wurde an den russischen Staat verkauft. Foto: Alexej Filippow/RIA Novosti

Seit 2010 wartet der russische Markt auf das Hybridauto Ё-Mobil. Doch explodierende Entwicklungskosten, ein schwächelnder Rubel und eine sinkende Nachfrage führten zum Verkauf des Projekts „Ё-Mobil“ an den Staat – für nur einen Euro.

Das Hybridauto Ё-Mobil, das im Jahr 2010 mit großem Getöse angekündigt worden war und bis zuletzt zahlreiche Vorbestellungen erhalten hatte, wird eingestellt. Der russische Milliardär und Eigentümer Michail Prochorow hat das Millionenprojekt an den Staat für einen symbolischen Preis von einem Euro verkauft.

 

Der Prozess kam nicht in Gang

Michail Prochorow hatte das Projekt zur Entwicklung eines preiswerten Autos mit Hybridtechnologie „Made in Russia" im Dezember 2010 vorgestellt. Damals wurden drei Prototypen der geplanten Modelle vorgeführt: ein Minivan, ein Kleintransporter und ein Coupé. Der Produktionsbeginn war für Mai 2012 geplant. Dazu gründeten Prochorows

Investmentfonds Onexim und der LKW-Hersteller Yarovit Motors die Gesellschaft „Ё-Auto". Onexim hielt zunächst 51 Prozent der Gesellschaft, dann stockte die Gruppe ihren Anteil auf 85 Prozent auf. Für die Entwicklung stand ein Budget von 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Ё-Mobil wurde als ökologisch sauberer, innovativer und günstiger Hybridwagen angekündigt. Er sollte mit Benzin oder Gas, unterstützt von einem Elektromotor, laufen. Der Verkaufspreis des Ё-Mobils sollte bei nur 10 000 Euro liegen. Geplant war die Produktion von etwa 20 000 Autos pro Jahr. Das Projekt stieß auf großes Interesse, in kurzer Zeit gingen bereits 215 000 Vorbestellungen ein. Doch der Start der Serienproduktion wurde zuletzt immer weiter nach hinten verschoben.

Zur Erweiterung des Produktionsgeländes bei Sankt Petersburg unterzeichnete „Ё-Auto" ein Abkommen mit der Stadt Sankt Petersburg über den Bau einer Fabrik. Der Baubeginn wurde jedoch mehrmals verschoben. Schließlich erklärte im Februar dieses Jahres der Leiter des Baupolitik-Ausschusses der Stadt Maxim Mejskin, das Projekt sei auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun kündigte Onexim an, das Gelände verkaufen zu wollen. Die Technologie für das Ё-Mobil wurde bereits für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro an das staatliche Automobilforschungsinstitut NAMI übertragen.

 

Kostenexplosion führte zum Verkauf

Gegenüber der russischen Tageszeitung „Kommersant" erklärte Walerij Senko, der Investitionsdirektor von Onexim, die Entscheidung, das Projekt aufzugeben: „Der Automobilmarkt in der Russischen Föderation schwächelt und die wirtschaftliche Gesamtsituation hat sich wesentlich verändert. Die Schwächung des Rubels hat die Produktionskosten drastisch erhöht." Obwohl die Technologie für das Ё-Mobil in Russland entwickelt wurde, hätten die meisten Komponenten aus dem Ausland importiert werden müssen. „Die Parameter des Projekts haben sich verändert, die Entwicklungskosten stiegen auf bis zu 450 Millionen Euro", führte Senko weiter aus. Das Projekt wurde unrentabel. Senko erzählt, dass es Anfragen von ausländischen Firmen zum Verkauf der Technologien gegeben habe, aber es sei „eine prinzipielle Entscheidung" gewesen, die Technologie in Russland zu belassen.

Nach Insider-Informationen von „Kommersant" sei die Übergabe der Technologien an den Staat „die wirkungsvollste und am ehesten

annehmbare Variante" gewesen. Im Verlauf des Projekts seien „viele unvorhergesehene Fehler" aufgetreten. Der Preis für das „Ё-Mobil" drohte, auf bis zu 22 000 Euro anzusteigen. Das geplante Konzept eines „erschwinglichen Autos aus einheimischer Produktion" sei damit gescheitert. „Schließlich wurde die Entscheidung gefällt, den Bau weiterer Produktionslinien einzufrieren und komplett aus dem Projekt auszusteigen", sagte einer der Gesprächspartner von „Kommersant".

In dieser Situation das technische Know-how an das NAMI zu übergeben, sei ein logischer Schritt gewesen. NAMI hatte bereits ein technisches Gutachten zur Serienproduktion des Ё-Mobils erstellt. Sollte das Projekt Ё-Mobil vom NAMI fortgeführt werden, könnte auf die bestehende Infrastruktur des Sankt Petersburger Montagekomplexes zurückgegriffen werden.

 

Projekte von Michail Prochorow

 

LED-Lampen: Im Dezember 2008 startete die Onexim-Gruppe zusammen mit dem staatlichen Unternehmen Rosnano ein neues Projekt zur Herstellung von LED-Lampen in Russland nach einer eigenen Technologie. Im Rahmen des Projekts erwarb Onexim die Firma Optogan, der diese Technologie gehörte. Im Jahr 2012 schrieb das Unternehmen rote Zahlen.

Media: Im April 2008 errichteten Michail Prochorow und Wladimir Jakowlew die Mediengruppe „Schiwi!" („Lebe!"). Mehrere Projekte waren geplant, unter anderem eine Zeitung und eine Zeitschrift mit einer Webseite, die Organisation von Veranstaltungen, ein Club, ein Fernsehsender sowie Projekte für Kinder. Im Oktober 2008 erschien die Zeitschrift „Snob", danach startete ein Multimediaprojekt (Fernsehsender und Website) zu dem Schwerpunkt „gesunde Lebensweise". Ab Februar 2009 erschien die Wochenzeitung „F5. Internet als Lebensstil". Anfang Februar wurde der Konzern restrukturiert und die Mediengruppe „Schiwi!" aufgelöst. Übrig blieben die Zeitschrift „Snob" und der Fernsehsender „Schiwi!"

Sport: Im September 2009 stellte der russische Milliardär eine Anfrage an die „National Baseball Association" über den Kauf des Clubs „New Jersey Nets". Der Kauf wurde im Mai 2010 besiegelt. Der Verkaufswert lag bei 200 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 145 Millionen Euro). Im Sommer 2012 zog die Mannschaft nach Brooklyn und nannte sich ab sofort „Brooklyn Nets". In der NBA-Saison 2014 steht der Club auf Platz zwei der US-Ostküstenteams.

 

Nach Materialen von Kommersant und RIA Novosti.

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