Putin plant Las Vegas auf der Krim

Seit dem 1. Juli 2009 ist das Glücksspiel in Russland außerhalb der bisher vier eigens dafür zur Verfügung gestellten Zonen verboten. Foto: ITAR-TASS

Seit dem 1. Juli 2009 ist das Glücksspiel in Russland außerhalb der bisher vier eigens dafür zur Verfügung gestellten Zonen verboten. Foto: ITAR-TASS

Der russische Präsident will auf der russischen Halbinsel Krim eine Glücksspielzone eröffnen. Russland hofft auf ausländische Investoren für das Milliardenprojekt. Die Kasinos und Hotels sollen Touristen aus aller Welt anziehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in der Staatsduma einen Gesetzentwurf zur Einrichtung einer Glücksspielzone auf der Halbinsel Krim vorgelegt. Die ersten Kasinos sollen demnach schon Ende 2016 eröffnen. Der Gesetzesentwurf findet große Zustimmung im Parlament. Der erste Stellvertreter der Staatsduma-Kommission für Wirtschaftspolitik, Michail Jemeljanow, nannte Putins Vorschlag „eine sehr weise Entscheidung". „Gerade auf der Krim könnte eine solche Zone Gewinn erwirtschaften", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur „RIA Novosti".

 

Konkurrenz für Las Vegas und Monte Carlo

In Russland ist man vom Erfolg einer Glücksspielstadt überzeugt und hofft, dass die Krim zukünftig in einer Reihe mit den bekannten Spielerparadiesen Monte Carlo, Las Vegas oder Macao stehen wird. Mehr als 10 000 neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Die Investitionskosten werden auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt. Aus Haushaltsmitteln der Krim sollen lediglich notwendige Infrastrukturmaßnahmen finanziert werden. Die russische Regierung hofft, für den Bau von Hotels und Kasinos ausländische Investoren zu gewinnen.

Den genauen Standort der Glücksspielzone wird die Regierung der Krim noch festlegen. Rustam Temirgalijew, erster stellvertretender Vorsitzender

des Ministerrats der Autonomen Republik, sieht gute Chancen für den relativ gut entwickelten und bei den Touristen beliebten Süden der Krim. Die Glücksspielstadt könnte dort auf einem etwa 100 Hektar großen Areal direkt am Schwarzen Meer gebaut werden. Zurzeit befinden sich auf diesem Gelände noch drei Sanatorien, die aber lediglich zwei Monate im Jahr genutzt werden.

Ein alternativer Standort wäre der vor allem bei Jugendlichen beliebte Erholungsort Gursuf, der nur wenige Kilometer von der Fernverkehrsstraße entfernt liegt, die Aluschta mit Jalta verbindet. Nach dem russischen ‚Gesetz über Glücksspielzonen' dürfen Glücksspielstätten jedoch nicht innerhalb von Stadtgrenzen betrieben werden. Ein weiterer Vorschlag kommt von Igor Rudenskij, Vorsitzender der Staatsduma-Kommission für Wirtschaftspolitik, der Simferopol als Standort in Betracht zieht. Die Stadt liegt nicht weit weg vom Flughafen der Halbinsel. Nach dem gleichen Prinzip entstand in Armenien die Glücksspielzone „Zvartnots" in der Nähe des größten Flughafens des Landes.

 

Krim wäre die fünfte Glücksspielzone in Russland

In jedem Fall muss der neue Standort als Glücksspielzone ausgewiesen werden, denn seit dem 1. Juli 2009 ist das Glücksspiel in Russland außerhalb der bisher vier eigens dafür zur Verfügung gestellten Zonen verboten. Bisher gibt es offizielle Glücksspielzonen nur in den Regionen Krasnodar, Primorje, Kaliningrad und Altai. Erfolgreich ist nur Krasnodar,

und auch nur dort konnten bisher Investoren gewonnen werden. Die anderen Glücksspielzonen wurden bisher noch nicht einmal offiziell eröffnet. Nach Ansicht von Jewgenij Skomorowskij, geschäftsführender Direktor von SIP Realty, könnte ein Grund dafür sein, dass diese Regionen alle recht weit weg von einem Flughafen und zentral gelegenen Infrastrukturprojekten des Landes gelegen sind. Die Krim aber unterscheide sich als aufstrebendes Urlaubsgebiet wesentlich von den anderen Glücksspielstätten.

Auch Sotschi, Austragungsort der Olympischen Spiele 2014, war als Standort für ein neues Glücksspielzentrum im Gespräch. German Gref, Direktor der größten russischen Bank, der Sberbank, hatte dies nach dem Ende der Spiele in einem Interview mit dem Fernsehsender „Rossija" vorgeschlagen. Der Banker rechnete wohl damit, auf diese Weise die Rückflussdauer der Investitionen für die speziell für die Olympischen Spiele errichteten Hotels zu verkürzen. Bei der Regierung der Russischen Föderation fand seine Idee allerdings keine Unterstützung. Prominente Zustimmung erhielt Gref jedoch von Alexander Schochin, dem Vorsitzenden des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbands, der größten Vereinigung von Wirtschaftslobbyisten, und ehemaligen Vize-Ministerpräsidenten Russlands.

 

Große Chance für den Tourismus auf der Krim

Die Errichtung legaler Glücksspielzentren kann auch auf der Krim einen großen Beitrag zur Entwicklung der Tourismuswirtschaft leisten. Weltweit

gibt es Beispiele dafür, sei es Monte Carlo, das Glücksspiel-Eldorado Las Vegas in den USA, das aus dem Wüstenboden gestampft wurde, oder auch die deutschen Thermalbäder, denen häufig ein Kasino angeschlossen ist.

Die russische Regierung will die Erfahrungen der Vereinigten Staaten beim Bau von Kasinos in Sonderzonen weitab größerer Infrastrukturobjekte nutzen. Aber auch gar nicht so weit weg gibt es ein erfolgreiches Vorbild: In Batumi in Georgien wurde auf Initiative des ehemaligen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwilis ein Kasino gebaut. Die in dessen Nähe gebauten Hotels erwiesen sich als Magnet für Touristen auch aus den benachbarten Republiken.

 

Nach Materialen von Gazeta.ru und RBC Daily.

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