Sotschi schreibt schwarze Zahlen

Die Olympiade in Sotschi war die bislang teuerste, aber auch lukrativste. Foto: ITAR-TASS

Die Olympiade in Sotschi war die bislang teuerste, aber auch lukrativste. Foto: ITAR-TASS

Die Olympiade in Sotschi war die teuerste aller Zeiten. Aber sie war offenbar auch die lukrativste – für die Veranstalter und Partner. Allein die Sponsorengelder haben über 940 Millionen Euro eingebracht, doppelt so viel wie bei den Spielen in Vancouver.

Die Olympiade in Sotschi ist zur kostspieligsten Veranstaltung in der Geschichte internationaler Wettkämpfe geworden. Nach offiziellen Angaben des russischen Ministeriums für regionale Entwicklung wurde für die Vorbereitung auf die Winterspiele 1,5 Billionen Rubel (etwa 30 Milliarden Euro) anstatt der ursprünglich veranschlagten 314 Milliarden Rubel (6,4 Milliarden Euro) ausgegeben. Allerdings ist in diesem Betrag nicht nur der Bau von Sportstätten und deren Infrastruktur, sondern auch die Umsetzung des Entwicklungsprogramms für Sotschi als Gebirgskurort inbegriffen.

Unter anderem wurden im Rahmen dieses Programms die Verkehrsinfrastruktur und ingenieurtechnische Anlagen, eine neue Eisenbahnstrecke und ein Flughafen gebaut. In der Endabrechnung hat Russland damit sogar China übertroffen, das für die Sommerolympiade 2008 in Peking etwa 29 Milliarden Euro ausgegeben hat. Ähnlich wie in Sotschi war dort der beachtliche Investitionsaufwand mit einem großangelegten Entwicklungsprojekt für Peking verbunden. Das chinesische Programm umfasste insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation in der Stadt und die Modernisierung des gesamten städtischen Verkehrssystems. Zur Olympiade in Peking wurden für die U-Bahn 100 Kilometer Gleise und fast 60 neue Stationen gebaut.

In Sotschi wurden laut Angaben von Dmitrij Kosak, Vize-Ministerpräsident der Regierung der Russischen Föderation, für die Infrastruktur der Sportanlagen lediglich 214 Milliarden Rubel (etwa 4,3 Milliarden Euro) ausgegeben. Davon seien 100 Milliarden Rubel (etwa zwei Milliarden Euro) aus dem Staatshaushalt finanziert worden, den Rest hätten private Investoren beigetragen. Sergej Chestanow, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Alor, ist der Meinung, dass die Aufwendungen für die Vorbereitung von Olympischen Spielen stets auf ein und demselben Niveau liegen. „Der allgemeine Investitionsaufwand hängt wiederum davon ab, in welchem Umfang Bauarbeiten an der gesamten Infrastruktur erforderlich sind", führt der Experte weiter aus.

Die Infrastruktur der Region Krasnodar, zu der Sotschi gehört, habe grundlegend ausgebaut werden müssen, erklärt Chestanow. Unter anderem hätte das Straßennetz modernisiert und ein neues Kraftwerk errichtet werden müssen. Im Endeffekt seien von den 424 Objekten, die zur

Olympiade gebaut worden sind, lediglich 13 Objekte für Sportveranstaltungen bestimmt gewesen. Der Rest habe in den Bereich Infrastruktur beziehungsweise Hotellerie gehört, wofür auch die meisten Gelder aus dem Gesamtbudget ausgegeben worden seien – insgesamt etwa 26 Milliarden Euro. Allerdings, so Chestanow, sei es kaum möglich, genau zu beurteilen, was die Olympiade konkret gekostet hat. Gerade deshalb sei der gesamte Investitionsaufwand zuvor mit 23 Milliarden und 26 Milliarden Euro angesetzt worden. „Das Ausmaß der Aufwendungen sollte nicht an die große Glocke gehängt werden, deshalb wurden ein Teil davon aus dem Staatshaushalt und ein anderer Teil aus dem Etat der Region Krasnodar bezahlt. Dadurch ist die Finanzierung der Olympiade schwer nachvollziehbar", meint der Experte.

 

Rekord-Gewinn für die Veranstalter

Die Olympiade in Russland hat nicht nur mit ihren Veranstaltungskosten, sondern auch in Sachen Gewinn einen neuen Rekord aufgestellt. Das Sochi 2014 Olympic Organizing Committee (SOOC), dessen Budget 1,4 Milliarden Euro betrug, verdiente an der Olympiade 101 Millionen Euro. Wie RBTH aus dem Organisationskomitee erfuhr, ist dies das operative

Ergebnis. Zuvor hatte Vize-Ministerpräsident Dmitrij Kosak von 800 Millionen Rubel (etwa 22 Millionen Euro) gesprochen – seiner Ansicht nach haben die Erträge der Olympiade die Ausgaben um diesen Betrag überboten. Allerdings erklärt Ilja Dshus, Pressesprecher des Vize-Ministerpräsidenten, dass dies nur eine technische Kennzahl sei. „Die Differenz ist dadurch entstanden, dass ein Teil der Fördergelder des Organisationskomitees zurückgezahlt worden ist", präzisiert er. Wie dem auch sei, der Gesamtertrag des SOOC 2014 dürfte im Hinblick auf den Marketingerfolg der Winterspiele Russland auf Rang eins verhelfen. Die Veranstalter der Olympiade in Russland rechnen damit, dass ihnen allein die Sponsoren, einschließlich nationale Partner, etwa 950 Millionen Euro einbringen werden. Das ist fast doppelt so viel wie bei den Olympischen Spielen in Vancouver – dort waren es nach Schätzungen der Universität Ottawa 550 Millionen Euro.

Die Partner der Olympiade haben bereits die ersten Zahlen ausgewertet. So ist der Absatz in der Getränkesparte von Coca-Cola in Russland im ersten Quartal 2014 stark gestiegen. „Die Wachstumsraten in Russland haben wir der Handelsmarke Coca-Cola zu verdanken, deren Absatz im ersten Quartal dieses Jahres um neun Prozent gestiegen ist", heißt es im Geschäftsbericht. Die Kooperation zwischen den Inhabern dieser Handelsmarke und den Veranstaltern von Olympischen Spielen begann 1928. Außerdem hat das Unternehmen seinen Einstieg in der Sowjetunion der Olympiade 1980 in Moskau zu verdanken.

Das größte russische Kreditinstitut Sberbank, das als nationaler Partner der Winterspiele in Sotschi agierte, gab Visakarten und Münzen mit Olympiamotiven heraus. „Die Olympiapartnerschaft hat sich eindeutig auf

unseren Geschäftserfolg ausgewirkt", sagte man bei der Sberbank gegenüber RBTH, obwohl keine konkreten Zahlen zur Sprache kamen. Auch ein anderer russischer Partner, das Mobilfunkunternehmen Megafon, ist der Auffassung, dass es durch die Unterstützung der Olympiade seine Handelsmarke aufwerten konnte. „Aus den Erfahrungen von früheren Olympischen Spielen ist bekannt, dass sich die Effizienz von deren Finanzierung erst in sechs bis zehn Monaten bemerkbar macht", sagt Olesja Jarjomenko, PR-Managerin von Megafon. In der Zwischenzeit will der Betreiber ausrechnen, wieviel Neukunden er dank der Olympiawerbung akquiriert hat.

Experten betonen, dass man den Gewinn einer Olympiade auf unterschiedliche Weise bewerten kann. Chestanow ist überzeugt: „Wenn man vom Haushaltssaldo aus der Sicht der Gesamtinvestitionen in die Infrastruktur der Region Krasnodar ausgeht, so kann von einem Gewinn keine Rede sein. Wenn man aber lediglich die Aufwendungen für die Sportveranstaltung berücksichtigt, erscheinen die russischen Wirtschaftsergebnisse plausibel."

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