Menschliche Maschinen: Moskau lädt zur Roboter-Schau

Am 15. Mai wurde im Moskauer Designzentrum und Ausstellungskomplex ArtPlay die Ausstellung „Ball der Roboter“ offiziell eröffnet. Noch bis zum 15. Juni sind hier die berühmtesten Roboter der Welt in Aktion zu sehen. So manche Maschine erscheint dabei fast menschlich.

Foto: Wladimir Stacheew/RBTH

In der populärwissenschaftlichen Ausstellung werden etwa fünfzig Roboter verschiedenster Bauart vorgestellt. Auf der Ausstellung gibt es zudem eine in Zusammenarbeit mit Microsoft Xbox gestaltete Kommunikations- und Spielzone. Auch erwartet die Besucher ein Café, in dem sie von Robotern bedient werden. Wer will, kann auf dem Markt seinen eigenen kleinen Roboter kaufen.

 

Sänger, Maler und Poeten

Ziel der Ausstellung ist es, „die neusten Errungenschaften auf dem Gebiet der Robotertechnik aus der Sichtweise der Kunst darzustellen", sagt Igor Nikitin, Hauptveranstalter des „Balls der Roboter". Bei der Vorbereitung der Veranstaltung arbeiteten laut Nikitin Experten aus den verschiedensten Fachrichtungen zusammen. „Um einen tollen Roboter zu konstruieren, bedarf es sowohl herausragender Programmierer und Ingenieure, als auch sehr guter Designer und Maler. Wir wollen in dieser Ausstellung zeigen, wie viele verschiede Roboterarten durch interdisziplinäre Zusammenarbeit geschaffen werden können", erklärt Nikitin.

Während der Ausstellung ist unter anderem der britische Roboter Robothespian zu bewundern, der mit zwei Exemplaren vertreten ist. Dieser Roboter kann zwar nicht laufen, verbeugt sich dafür aber sehr ausdrucksstark und verfügt über eine beeindruckende Gestik. Diese kommt zum Einsatz, wenn Robothespian Gedichte vorträgt oder populäre Lieder singt. Außerdem kann er verschiedene Gefühle, wie zum Beispiel Angst, darstellen. Gesteuert wird Robothespian mithilfe eines Touchscreens.

Beim Besuch der Ausstellung sollte man ein Konzert der Roboter-Rockgruppe Compressorhead nicht entgehen lassen. Die Band hat vier Mitglieder: einen vierarmigen Schlagzeuger und dessen winzigen Helfer, der auf dem Rücken spielt, einen Gitarristen mit 78 Fingern und einen Bassisten, der sich auf Raupenketten fortbewegt. Sie führen diverse Hardrock-Kompositionen auf, unter anderem von Led Zeppelin, Black Sabbath, AC/DC und Motorhead. Die Vorführung ist mitreißend, auch wenn es ein Stückweit rührend ist, wenn die Roboter ihre unterproportional kleinen Köpfe zum Takt bewegen.

 

Die Seele der Maschine

Der Franzose Patrick Tresset kam zusammen mit dem zeichnenden Roboter Paul nach Moskau. „Ich war ungefähr 15 Jahre lang Maler. Dann aber war meine Begeisterung verflogen und ich begann, Maschinen zu konstruieren. Ich versuchte zu verstehen, wie der Mensch die Realität in einer Zeichnung abbildet", erzählt Patrick. Sein Roboter malt auf der Ausstellung Porträts der Besucher.

Natürlich gibt es auf der Ausstellung außer den kreativen Roboter-Künstlern auch Roboter im traditionelleren Sinne des Wortes. Baxter zum Beispiel kommt aus den Vereinigten Staaten. Er ist mit industriellen Sensoren ausgestattet und lässt sich sehr leicht bestimmte Bewegungen beibringen. Dazu reicht es aus, seine „Hände" in die gewünschte Richtung zu versetzen. Die Maschine merkt sich diese Aktion. Ein weiteres Ausstellungsstück ist der sprechende Puschkin-Kopf, der von dem russischen Unternehmen Neurobotics eigens für Schulen und

Krankenhäuser entwickelt wurde. Der Kopf kann sowohl Lehrer, als auch einfacher Gesprächspartner sein. Zudem ist ihm das Selbstbewusstsein eines Poeten eigen: „Ich bin ein Genie der reinen Schönheit", verkündete der Roboter-Kopf beim näheren Kennenlernen.

Ein weiteres Ausstellungsstück ist der Roboter Titan. Dieser Roboter vereinigt in sich einen Tänzer, einen Komiker, einen Kavalier und sogar einen Babysitter. Titan kann sich bereits gemeinsamer Auftritte mit Stars wie Rihanna, Will Smith und Jackie Chan rühmen. Nun will er auch die Herzen der Moskauer erobern.

 

Die Zukunft der Industrieroboter

„Die Roboter, die Sie heute sehen, ähneln dem „Model T" von Ford. Wir beobachten gerade einmal die erste Entwicklungsetappe dieser Technologie", erklärt der leitende Angestellter eines Unternehmens, das Roboter konstruiert. „Henry Ford hat im ersten Jahr gerade einmal 239 Exemplare seines weltberühmten Automobils gefertigt. In den folgenden 19 Jahren waren es dann 15 Millionen." Auch den Robotern sagt er einen großen Erfolg voraus: „Die Nachfrage nach Robotersystemen wächst ungewöhnlich schnell".

Laut den Organisatoren erlebt der Industrieroboterbau gegenwärtig ein explosionsartiges Wachstum. Die Herstellungskosten sind stark gesunken.

Gleichzeitig hat sich die technologische Basis, die die Möglichkeiten zur Programmierung multifunktionaler Roboter für die verschiedensten Anwendungsbereiche bietet, massiv verbessert. Es existieren heutzutage Mikrocontroller und Prozessoren, die über eine immens große Rechenleistung verfügen. Dadurch können die Roboter immer komplexere Handlungen ausführen. Die Nachfrage auf dem Markt ist daher deutlich gestiegen. Die Service-Roboter werden in drei verschiedene Typen unterteilt: Lehr-, Unterhaltungs- und funktionale Roboter.

Wladimir Konischew, Geschäftsführer der Firma Neurobotics ist sich sicher: „Viele Analysten in Russland und im Westen sind der Meinung, dass die Dienstleistungs-Roboter-Industrie in den kommenden sieben bis zehn Jahren zu den drei kapitalintensivsten Industrien der Welt gehören wird." Seiner Meinung nach wird auch Russland dabei eine große Rolle spielen: „Da der Robotermarkt bisher in keinem einzigen Land der Welt sein volles Potenzial ausgeschöpft hat, hat Russland noch alle Chancen, zu den Marktführern aufzusteigen – das Land verfügt über alle materiellen und intellektuellen Ressourcen".

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