Russland subventioniert Krim-Tourismus

Die russische Regierung will mehr Touristen auf die Halbinsel Krim locken. Foto: ITAR-TASS

Die russische Regierung will mehr Touristen auf die Halbinsel Krim locken. Foto: ITAR-TASS

Die Krim war in den letzten Jahren vor allem ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus der Ukraine, mit deren Kommen man in diesem Jahr allerdings nicht rechnet. Nun sollen vor allem Russen für einen Urlaub auf der Halbinsel begeistert werden.

Die Krim war bereits zu Zeiten der Sowjetunion ein sehr beliebtestes Urlaubsziel. Die Halbinsel war bekannt für ihre zahlreichen Sanatorien und Erholungsheime. Die Krim galt als „gesamtrussische Heilstätte". Ende der 1980er-Jahre besuchten jährlich bis zu acht Millionen Urlaubsgäste die Halbinsel. Und auch heute ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Region. Noch 2010 kamen jährlich etwa sechs Millionen Touristen. Die größte Gruppe waren dabei mit 60 Prozent die Bürger der Ukraine.

 

Reisen auf Staatskosten

Nach der Angliederung der Krim an Russland wird der größte Teil dieser Touristen wohl nicht mehr auf die Halbinsel kommen. Die russische Regierung versucht deshalb die Russen für eine Reise auf die Krim zu begeistern. Bisher ist der Anteil russischer Touristen eher gering. Im Jahr 2012 machten sie 21 Prozent der Besucher aus. Von den 5,7 Millionen Touristen, die ein Jahr später auf die Krim kamen, waren 25 Prozent Russen.

Das Tourismusministerium rechnet für die Zukunft mit bis zu acht Millionen russischen Touristen im Jahr und setzt dabei auf die Mithilfe von mehr als

zehn russischen Großunternehmen. Vor allem die großen Erdgas- und Erdölkonzerne, wie zum Beispiel Rosneft, Transneft, Rusgidro, Gazprom und die Tochterunternehmen von Rosatom, haben sich bereit erklärt, ihre Mitarbeiter auf eigene Kosten zur Erholung auf die Krim zu schicken. So bot zum Beispiel Rosneft seinen Mitarbeitern vergünstigte Pauschalreisen zu Urlaubsorten auf der Krim an. Und auch Gazprom beabsichtigt, die Krim als Urlaubsziel auszubauen.

Anna Minina, Generaldirektorin des Reiseveranstalters Otpusk 2.0 hat keine Sorgen, dass die Hotels auf der Krim in diesem Jahr leer stehen werden. „Auf die Krim werden in diesem Jahr vor allem Schüler, Rentner und andere ermäßigungsberechtigte Bürger, die einen Anspruch auf eine staatlich finanzierte Reise haben, fahren. Diese Gruppen sichern die Nachfrage und die Auslastung der Hotels, wenn auch nicht zu 100 Prozent", erklärt Minina. Die Fluggesellschaft Donavia, ein Tochterunternehmen der Aeroflot, hat bereits drei Wochen nach Eröffnung der neuen Flugroute aus dem im Südrussland gelegenen Rostow am Don nach Simferopol, dem bedeutendsten Flughafen auf der Krim, eine hundertprozentige Auslastung seiner Maschinen verkündet. Innerhalb eines Monats brachte Donavia rund 5 000 Passagiere auf die Krim. Seit dem 18. April fliegt auch das tschetschenische Luftfahrtunternehmen Grosnyj Avia Simferopol an. Deren Maschinen sind zurzeit allerdings nur zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet.

 

Schwierige Anreise

Das größte Problem für die Entwicklung der Krim ist gegenwärtig der Boykott der Halbinsel durch die Ukraine und den Westen. Der Großteil der russischen Touristen kam bisher mit dem Zug auf die Krim. Die Zugstrecke führt durch ukrainisches Territorium. Bis Mitte Mai gab es allerdings noch keinen Fahrplan für die laufende Saison. Die Anreise mit dem Flugzeug wird durch die ukrainischen Behörden erschwert. Die Entwicklung des

Flughafens Simferopol wird unter anderem mithilfe der ICAO, der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation, blockiert. Die ICAO hatte zuvor bereits den europäischen Airlines empfohlen, Flüge durch den Luftraum der Halbinsel zu vermeiden. Daraufhin wurden alle Flüge nach Simferopol von europäischen Flughäfen, darunter auch aus Wien und Riga, eingestellt.

Zudem droht Simferopol der Ausschluss aus dem ICAO- und IATA-Register. Dazu reicht es aus, dem größten Flughafen der Krim den internationalen Code zu entziehen. So wurde seinerzeit bereits mit dem Flughafen in Suchumi in Abchasien und dem Ercan Airport im Norden Zyperns verfahren. Die Europäische Union hat außerdem das erst im Jahre 2012 gestartete Programm „Diversifizierung und Unterstützung des Tourismus auf der Krim", für das knapp fünf Millionen Euro bereitgestellt worden waren, auf Eis gelegt.

Die russischen Behörden haben bereits mehrere Lösungsvorschläge für das Problem vorgelegt. Um den Ausfall der Zugverbindung zu kompensieren, wurde als erste Maßnahme der Flugticketpreis herabgesetzt. Dies wurde durch Subventionen ermöglicht. Die russischen Behörden hatten mit diese Maßnahme bereits einmal gute Erfahrungen gemacht. Nach dem gleichen Schema wurden früher die Flüge in die europäische Enklave Kaliningrad und in den Fernen Osten subventioniert.

„Vor dem Hintergrund der Probleme mit dem Eisenbahn-Transitverkehr durch die Ukraine auf die Krim erscheinen die von den russischen Behörden ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Halbinsel für Touristen durchaus effektiv", erklärt Vadim Wedjornikow,

stellvertretender Direktor der Abteilung Analyse und Risikomanagement von UFS IC. Seinen Angaben zufolge sind die Tickets für die Route Moskau – Simferopol mit einem Preis von 7 500 Rubel (umgerechnet etwa 150 Euro) für Hin- und Rückflug für den größten Teil der russischen Mittelschicht durchaus erschwinglich geworden.

Nicht nur der günstige Preis könnte zukünftig russische Touristen für einen Urlaub auf der Krim begeistern. Durch den Medienrummel gilt ein Urlaub auf der Krim in dieser Saison als sehr angesagt und patriotisch. „Daher haben viele Reisebüros die Halbinsel in ihre Liste der vorrangigen Reiseziele aufgenommen", sagt Anna Minina. Das Business-Journal Kommersant Djengi führte im April eine Umfrage hinsichtlich der Bereitschaft der Russen durch, auf die Krim zu reisen. Nur ungefähr 8,5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie schon einmal dort waren, aber nicht noch einmal dorthin fahren würden. 44,6 Prozent erklärten, dass sie noch nie auf der Krim waren, aber nun beabsichtigen, dorthin zu fahren.

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