Russland und China setzen auf eigene Ratingagentur

Bei der Gründung einer eigenen Ratingagentur kooperiert Russland mit China. Foto: ITAR-TASS

Bei der Gründung einer eigenen Ratingagentur kooperiert Russland mit China. Foto: ITAR-TASS

Die US-amerikanischen Ratingagenturen beherrschen den Markt. Nun müssen sie sich auf Konkurrenz einstellen. Russland und China gründen eine eigene Ratingagentur, deren Arbeit nicht von der Politik beeinflusst werden soll.

Konkurrenz für Moody's, Fitch und Standard & Poor's: Aus der Universal Credit Rating Group, einem Gemeinschaftsunternehmen der russischen Agentur RusRating, der chinesischen Agentur Dagong und der US-amerikanischen Egan Jones Rating wird eine neue internationale Ratingagentur entstehen. Entgegen früherer Absichtserklärungen wird Russland sich nun nicht der internationalen Ratingagentur ARC Ratings anschließen. ARC Rating ist ein Zusammenschluss der nationalen Ratingagenturen Portugals, Indiens, Südafrikas, Malaysias und Brasiliens.

 

Neue Ratingagentur will unpolitisch sein

Laut der offiziellen Erklärung des russischen Finanzministers Anton Siluanows wird die Agentur die branchenüblichen Instrumente und Bewertungskriterien für die Investitionsprojekte von Ländern und Regionen nutzen.

Alexander Sajzew, Generaldirektor von RusRating, hat bereits früher in einem Interview gegenüber RBTH erklärt, dass die Gründung der eigenen nationalen Ratingagentur unabhängig von den Ereignissen in der Ukraine zu betrachten sei. Auch die geplante enge wirtschaftliche Zusammenarbeit

zwischen Russland und China sei nicht ausschlaggebend gewesen. „Diese Pläne gibt es schon seit 2008", erklärte Sajzew. Auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise mussten auch Unternehmen ihren Bankrott erklären, die von den Großen Drei aus den USA Bestnoten erhalten hätten. „Da war klar, dass die Rating-Branche einer Modernisierung bedarf", sagte Sajzew

Die neue Ratingagentur versteht sich als „Agentur außerhalb der Politik" mit objektiven Bewertungsmaßstäben. „Der Einfluss der US-amerikanischen Ratingagenturen auf die Zusammenstellung der Portfolios von Investoren ist groß. Sie haben die Möglichkeit, die öffentliche Meinung mithilfe über- oder unterbewerteter Kreditratings zu manipulieren", erklärt Anton Soroko, Analyst der Investmentgesellschaft Finam. Durch die neue Agentur würde die Objektivität der Bewertungen steigen. Wenn die Investoren zusätzlich dessen Ratings analysieren, erhalten sie einen alternativen Blick auf die Aktiva. Darüber hinaus könnte die Konsolidierung dieser Agentur mit solchen Ratinggesellschaften, die den US-amerikanischen Organisationen ähneln, den gewünschten Effekt, so der Experte, bringen: die Schaffung einer vereinten, übernationalen Gruppe, die keinem politischen Druck ausgesetzt ist.

„Berücksichtigt man die Zusammensetzung der Beteiligten, wird es der Agentur wahrscheinlich möglich sein, sich den Status einer unpolitischen Organisation zu sichern", pflichtet ihm Wadim Wedjornikow, stellvertretender Direktor der Analyse- und Risikomanagement-Abteilung von UFS IC, bei. „Für internationalen Investoren ist das sehr interessant", meint der Experte.

 

Einflussreiche Gründer

1996 stand der britische Finanzsachverständige Richard Hainsworth der russischen Vertretung von Thomson Financial BankWatch, einer der größten internationalen Ratingagenturen für den Bankensektor vor. Später wurde diese von der Agentur Fitch übernommen. 2001 gründete Hainsworth mit Unterstützung der US-amerikanischen Citibank das Ratingunternehmen Global Rating International Ltd, unter dessen Dach

noch im gleichen Jahr die Agentur RusRating ins Leben gerufen wurde. In den folgenden Jahren baute der Finanzsachverständige vergleichbare Agenturen in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken auf. Unter anderem gründete er 2006 KzRating in Kasachstan und AmRating in Armenien.

All diese Agenturen stellen nationale Ratingagenturen dar und sind Bestandteil der Gruppe GlobalRating. Nach den Angaben einer Quelle von RBTH sei Richard Hainsworth zum gegenwärtigen Zeitpunkt einer der kompetentesten Fachleute für Kreditrisiken in Russland. 2004 initiierte er die Gründung des Verbandes geprüfter Finanzanalysten in Russland (CFA Russia) und wurde zu dessen erstem Präsidenten gewählt. Ende 2013 verließ Hainsworth RusRating, als die chinesische Ratingagentur Dagong Global Credit Rating neuer Eigentümer von RusRating wurde.

Auf der Grundlage der chinesischen und der russischen Agentur, so wie der US-amerikanischen Egan Jones Rating wurde vor einem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet — die neue internationale Agentur Universal Credit Rating Group (UCRG).

Nach Ansicht der russischen Zeitung Kommersant sei der Hauptnutznießer von RusRating übrigens nicht das chinesische Unternehmen Dagong Global, sondern der russische Bau- und Finanz-Tycoon Mikail Schischchanow, ein Neffe des Besitzers des Erdölunternehmens Russneft, Michail Guzerijews, dessen Vermögen nach Angaben von Forbes etwa 2,4

Milliarden Euro umfasst. Laut Kommersant hätte die neue Ratingagentur die notwendige politische Unterstützung für ihre Gründung diesen beiden zu verdanken.

Experten vertreten die Meinung, dass der neuen internationalen Agentur ein langer und mühevoller Weg in der Arbeit mit internationalen Partnern bevorstehe. „Das Wichtigste für eine internationale Ratingagentur ist ihr Ruf, der über Jahre erarbeitet werden muss", sagt der Investcafé-Analyst Michail Kusmin. „Dagong Global und RusRating wurden erst vor relativ kurzer Zeit gegründet und es ist vollkommen logisch, dass nicht alle Investoren schon dazu bereit sind, der Bewertung dieser Agentur zu vertrauen", so Kusmin. Er glaubt allerdings auch, dass – wenn die Zusammenarbeit zwischen Russland und China ausgedehnt werde – die Ratingagentur für den Anfang auf den gemeinsamen russisch-chinesischen Projekten aufbauen könne.

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