Öl-Weltkongress: Ist Fracking Russlands Rettung?

Die Fracking-Technik könnte neue Rohstoffquellen in Sibirien erschließen. Foto: ITAR-TASS

Die Fracking-Technik könnte neue Rohstoffquellen in Sibirien erschließen. Foto: ITAR-TASS

In Moskau geht am Donnerstag der 22. World Petroleum Congress zu Ende. Die Ergebnisse des Branchentreffens sind alarmierend: Die weltweiten Vorräte an Öl und Gas werden in etwa 50 Jahren erschöpft sein. Mit Fracking jedoch könnten Russlands große Schiefergas- und -öl-Lagerstätten erschlossen werden.

Öl bleibt der wichtigste Roh- und Treibstoff der Welt, doch bereits seit 14 Jahren sinkt sein Anteil an den gesamten Energievorkommen. Im vergangenen Jahr lag er bereits bei weniger als 33 Prozent. Die weltweiten Vorkommen des „Schwarzen Goldes" reichen nach den Berechnungen von Branchenanalysten noch für etwa 53 Jahre, die Erdgasvorräte noch für etwa 55 Jahre, wenn die heutigen Fördermengen beibehalten werden.

Im vergangenen Jahr entfielen 12,9 Prozent des gesamten auf der Welt geförderten Erdöls auf Russland. Damit liegt Russland um nur 0,2 Prozent an zweiter Stelle hinter Spitzenreiter Saudi-Arabien. In Russland liegen jedoch nur noch 5,5 Prozent der nachgewiesenen erschließungsfähigen weltweiten Erdöllagerstätten.

Hauptabnehmer für russisches Erdöl und Gas ist Europa. Doch auf dem europäischen Markt sinkt der Verbrauch an Erdöl und Erdölprodukten, während in China und anderen asiatischen Ländern sowie in den Pazifikstaaten der Bedarf wächst. Daher wird sich Russland mit seinem Ölabsatz künftig stärker in Richtung Osten orientieren. Im Jahr 2035 sollen

knapp ein Viertel des russischen Öls und der Ölprodukte nach Fernost geliefert werden. Zurzeit sind es zwölf Prozent.

Russland wird daher weiter verstärkt in die Erschließung von Lagerstätten und den Bau von Pipelines in Ostsibirien investieren. Nach Schätzungen des Vize-Premierministers Arkadij Dworkowitsch sind in den nächsten 20 Jahren Investitionen im Wert von etwa 55 Milliarden Euro geplant.

Die Erdölkonzerne stehen nun außerdem vor der Herausforderung, neue Technologien zu entwickeln, die die Effizienz des Abbaus erhöhen und somit auch den Abbau aus schwer zugänglichen Lagerstätten wirtschaftlich machen. Die russische Regierung diskutiert zurzeit die Eckpunkte einer neuen Steuergesetzgebung für die Ölkonzerne.

 

Eine „Schiefer-Revolution" auch für Russland?

Als Alternative könnte das aus Schiefer gewonnenes Erdöl und Gas ins Spiel kommen. Vorreiter auf diesem Gebiet waren die USA. Dort wird seit einigen Jahren das sogenannte Fracking praktiziert. Fracking ermöglicht es, Gas- und Ölvorkommen zu fördern, die in Gesteinsschichten gebunden sind. Seit dieser sogenannten „Schiefer-Revolution" sind die USA ein ernstzunehmender Konkurrent beim Rennen um den Platz als größter Erdölproduzent der Welt. Saudi-Arabien und Venezuela bekamen die neue Unabhängigkeit der Amerikaner bereits zu spüren und mussten neue Absatzmärkte erschließen. Fündig wurden auch sie ebenfalls in Asien.

Laut Robert Dudley, Direktor des britischen Ölkonzerns BP, ist Russland neben Algerien, China und Argentinien einer von vier Staaten, die gute Möglichkeiten haben, Lagerstätten von Schiefer-Kohlenwasserstoffen abzubauen.

Auch die US Energy Information Administration hatte bisher stets erklärt, dass die russischen Vorkommen an „Schieferöl" die amerikanischen überstiegen. Allerdings glauben die Vertreter der internationalen Energieagentur nicht mehr daran, dass sich dieser Fracking-Boom

wiederholen werde und Erdöl aus Schiefer in der nächsten Zeit den Markt ernsthaft beeinflussen könne.

Aus dem Bericht von BP geht hervor, dass in Südamerika bis 2035 bis zu 700 000 Barrel Schiefer-Erdöl pro Tag gewonnen werden könnten. In Russland könnten es sogar bis zu 800 000 Barrel in 24 Stunden sein. Das größte russische Vorkommen an Schieferöl befindet sich in der Baschenowskaja Swita, einem Bergmassiv im Norden Sibiriens. Experten von The Economist Intelligence Unit gehen davon aus, dass dort bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag gefördert werden.

Der World Petroleum Congress ist das größte Ereignis für die Gas- und Ölbranche, es gibt sowohl in Größe als auch Qualität nichts Vergleichbares. Der erste Kongress fand 1933 in London statt. Moskau war zuletzt 1971 Gastgeber des Kongresses.

Dieses Jahr kamen hochkarätige Vertreter dieser Branche nicht nur aus Arabien, China, Indien und Afrika, sondern auch die Vorsitzenden der multinationalen Konzerne mit Hauptniederlassungen in Westeuropa und den USA.  Die kanadische Provinz Alberta und die dort ansässigen Unternehmen haben ihre Teilnahme abgesagt.

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