South Stream: Gazprom gewinnt Österreich als Partner

Für Gazprom ist "South Stream" wichtig, da es den Export von russischem Gas nach Europa ohne Transit durch die Ukraine ermöglicht. Foto: Reuters

Für Gazprom ist "South Stream" wichtig, da es den Export von russischem Gas nach Europa ohne Transit durch die Ukraine ermöglicht. Foto: Reuters

Nicht nur der russische Präsident Wladimir Putin war in Wien zu Besuch. Auch Gazprom-Chef Alexej Miller kam und unterzeichnete ein Abkommen mit dem österreichischen Energieversorger OMV. Ergebnis: Die Gaspipeline „South Stream“ wird nun auch durch die Alpenrepublik führen.

Der Vorsitzende der Leitung von Gazprom, Alexej Miller, sowie Gerhard Roiss, der Generaldirektor des Konzerns OMV, unterzeichneten ein Abkommen über die Gründung der South Stream Austria GmbH.

 

Ein wichtiges Projekt für Gazprom

Das Unternehmen wird Betreibergesellschaft für den österreichischen Teil der South-Stream-Pipeline, die von der Grenze zwischen Österreich und Ungarn bis nach Baumgarten in Niederösterreich verlaufen soll. Die jährliche Kapazität soll 30 bis 32 Milliarden Kubikmeter Gas betragen. Die Gesamtkosten für den Bau des Abschnitts werden auf etwa 200 Millionen Euro geschätzt, die Vertragspartner investieren zu gleichen Teilen in das Projekt. „Ähnliche gemeinsame Unternehmen mit nationalen Gas- und Erdölgesellschaften wurden bereits in anderen Ländern gegründet, über deren Gebiet voraussichtlich der Onshore-Teil der Pipeline verlegt werden wird. Dazu gehören Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Serbien, Kroatien und Slowenien“, erklärte der Leiter der Analyseabteilung von Investcafé Grigorij Birg.

Die Pipeline „South Stream“ soll bereits Ende 2015 in Betrieb genommen werden, ihre volle Leistung von bis zu 63 Milliarden Kubikmetern Gas pro

Jahr soll bis 2018 erreicht werden. Die Erdgasleitung führt über den Grund des Schwarzen Meeres nach Bulgarien und weiter durch Serbien, Ungarn und Slowenien in den Nordosten Italiens. Das Gesamtvolumen des Projekts wird auf 16 Milliarden Euro geschätzt. Davon entfallen zehn Milliarden auf den Unterwasser-Abschnitt, an dem Gazprom 50 Prozent und das italienische Unternehmen Eni 20 Prozent halten. Jeweils 15 Prozent gehören der deutschen Wintershall Holding und der französischen EDF.

Für Gazprom ist das Projekt wichtig, da es den Export von russischem Gas nach Europa ohne Transit durch die Ukraine ermöglicht. Russland und die Ukraine streiten seit Längerem über Gaslieferungen. Der ukrainische Energiekonzern Naftogaz bezahlt bereits seit Anfang des Jahres 2014 keine Rechnungen Gazproms mehr.

 

Politischer Druck und Rechtsfragen behindern das Projekt

Die Unterstützung durch europäische Partner ist nicht selbstverständlich. Die USA und die Europäische Union üben politischen Druck auf die am Bau beteiligten Länder aus. In Bulgarien und Serbien liegen die Bauarbeiten daher zurzeit auf Eis. Gerhard Roiss sagte, dass diese Taktik falsch sei. Das South-Stream-Projekt dürfe nicht behindert werden, sondern müsse im Gegenteil vorangetrieben werden. 

Zuvor hatten Vertreter der Europäischen Kommission erklärt, dass die South-Stream-Pipeline dem Dritten Energiepaket der EU widerspreche. Das Energiepaket schreibt die Trennung von Erzeuger und Netzbetreiber vor. „Ein Konzern kann nicht gleichzeitig Lieferant für europäische Länder und Eigentümer der für die Lieferung genutzten Pipelines sein“, erläutert Grigorij Birg. Das bedeutet, dass Gazprom anderen Gaslieferanten die Nutzung seiner Pipeline ermöglichen muss, wenn es die Anforderungen des Dritten Energiepakets erfüllen will. Vor Kurzem musste der Konzern aus diesem Grund bereits seine Anteile an Lietuvos Dujos und Amber Grid, die für die Lieferung und Verteilung von Erdgas auf dem Litauischen Binnenmarkt zuständig sind, verkaufen. 

Klicken Sie hier, um die Grafik näher anzusehen.

Michail Kortschemkin, Generaldirektor der East European Gas Analysis, sieht trotz der österreichischen Unterstützung weiterhin Probleme für die Realisierung von South Stream. „Das Projekt muss in Übereinstimmung mit den Gesetzen der EU durchgeführt werden. Dass Österreich sich nun auf die Seite von Gazprom stellt, ändert daran nichts“, sagte der Experte gegenüber RBTH. Gegen die EU-Bestimmungen klagt Russland derzeit bei der WTO. Laut Kortschemkin ist es aber durchaus auch im Interesse des neuen Partners, die Pipeline für Gas aus anderen Ländern zu öffnen, zum Beispiel für Aserbaidschan. Konkurrenz zwischen den Lieferanten sei immer im Interesse des Käufers.

Der Experte sieht das Abkommen zwischen den russischen und österreichischen Partnern eher als ein politisches Statement. „Österreich zeigt damit, dass South Stream wichtig für Europa ist.“ Die Gaslieferungen

könnten mit South Stream diversifiziert werden, da man nicht nur von einem einzigen Transitland abhängig sei, findet Dimitrij Baranow, Experte der Finanzgesellschaft Finam Management. Auch die Versorgungssicherheit erhöhe sich dadurch. Russland als verlässlichen Gaslieferanten zu behalten, sei wichtig für Europa, da sich die globale politische und wirtschaftliche Lage jederzeit ändern könne, meint Baranow.

Ein alternativer Gaslieferant für Europa könnten auch die USA werden, darauf wies Putin in Wien sogar selbst hin. Die USA sind durch den Abbau von Schiefergas zum größten Gasproduzenten der Welt aufgestiegen. Der US-Präsident Barack Obama erklärte, dass amerikanische Konzerne bereit seien, Europa mit Gas zu versorgen. Gazprom kann allerdings wegen des kürzeren Transportweges deutlich günstigere Preise anbieten.

 

Wird die EU das Projekt "South Stream" letztendlich einstellen? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland