Russland errichtet gigantische Ölplattform

Im Rahmen von Sachalin-1 wurden bislang insgesamt 64 Millionen Tonnen Öl gewonnen, das Fördervolumen nimmt jedoch kontinuierlich ab. Foto: Rosneft.ru

Im Rahmen von Sachalin-1 wurden bislang insgesamt 64 Millionen Tonnen Öl gewonnen, das Fördervolumen nimmt jedoch kontinuierlich ab. Foto: Rosneft.ru

In Russlands Fernem Osten wurde am 27. Juni 2014 im Rahmen des Projektes Sachalin-1 die größte Ölplattform des Landes in Betrieb genommen. Die Aktionäre des Projekts sind vier Großkonzerne aus Amerika, Japan, Indien und Russland.

Die Ölplattform Berkut in der Lagerstätte von Arkutun-Dagi ist 105 Meter lang, 60 Meter breit und von ihrem Fundament aus gerechnet 144 Meter hoch. Das entspricht laut einer Pressemeldung des russischen Ölförderers Rosneft, der einer der Aktionäre des Projekts ist, der Höhe eines 50-geschossigen Hauses.

Bei der Herstellung, Lieferung und Montage der Plattform seien einige Weltrekorde der Erdölbranche erzielt worden, heißt es in der Meldung weiter. Ihr Gewicht samt Fundament liegt bei über 200 000 Tonnen. Sie ist weltweit die größte Anlage ihrer Art. In absehbarer Zeit werden auf der Berkut Brandschutzsysteme funktionsfähig sein, der in das Projekt integrierte Wohnkomplex ist dann ebenfalls bezugsfertig. Die Bohrungen selbst sollen im Herbst 2014 beginnen, sobald die erforderlichen Testläufe abgeschlossen sind. Die Erschließung dieser Lagerstätte wird die jährliche Fördermenge des Projektes Sachalin-1 um bis zu 4,5 Millionen Tonnen Öl steigern.

„Die Eröffnung von Berkut ist ein bedeutendes Ereignis, sie ist die größte Ölplattform Russlands und eine der technologisch anspruchsvollsten

Bohrinseln der Welt. Die Bohranlage ist, was ihre Kapazitäten betrifft, weltweit ohne Vergleich“, sagt Wassili Ucharski, Analyst beim Investmentunternehmen UFS. Das Projekt sehe einen ganzjährigen Betrieb unter strengen subarktischen Bedingungen vor, so Ucharski. Auf Berkut wird erstmals ein Erschütterungsschutz installiert, der Erdbeben der Stärke neun auf der Richterskala standhält und einen uneingeschränkten Betrieb der Anlage auch unter solchen extremen Bedingungen ermöglicht. Die Plattform ist außerdem für niedrige Temperaturen bis minus 40 Grad ausgelegt. Ihr können weder Tsunamis von über 18 Meter Wellenhöhe noch zwei Meter dickes Eis etwas anhaben.

Die Bohrplattform wurde von Präsident Wladimir Putin eingeweiht. Bereits zuvor hatte er die  erste russische Bohrinsel im arktischen Schelf, das Projekt Priraslomnaja des russischen Erdgasgiganten Gazprom, zur Chefsache erklärt.

Die Bohrinsel Berkut ist das zweite russische Großprojekt im Schelf. „Dank solcher Projekte wie Berkut können wir reiche, aber schwer zugängliche Vorkommen erschließen, neue Produktionsstätten gründen, Arbeitsplätze schaffen und die sozial-ökonomische Entwicklung der für unser Land so wichtigen Region des Fernen Ostens insgesamt stärken“, sagte der russische Präsident in seiner Videoansprache.

 

Ein wichtiges Projekt

Die Inbetriebnahme der Bohrinsel sei ein deutlicher Beweis, dass Russland seine Präsenz auf dem Schelf ausweite, sagte Dmitri Baranow, Experte der Verwaltungsgesellschaft Finam Management. „Der Bau und der Betrieb der Plattform wird der sozial-ökonomischen Entwicklung des Fernen Ostens wichtige Impulse geben, insbesondere der gesamten an das Projekt angegliederten Infrastruktur“, ergänzte der Experte. Sachalin-1 ist das erste groß angelegte Schelfprojekt, das in Russland im Rahmen einer Vereinbarung über die Aufteilung des Fördervolumens realisiert wird.

Daher konnten einige namhafte internationale Konzerne für eine Beteiligung gewonnen werden. So verfügen der amerikanische Mineralölkonzern ExxonMobil und das japanische Konsortium SODECO über jeweils 30 Prozent der Aktien, während der russische Erdgas- und Ölkonzern Rosneft und das indische Mineralölunternehmen ONGC je 20 Prozent Anteile halten.

Im Rahmen von Sachalin-1 wurden bislang insgesamt 64 Millionen Tonnen Öl gewonnen, das Fördervolumen nimmt jedoch kontinuierlich ab. Allein im Jahr 2014 könnte es im Vorjahresvergleich um sechs Prozent auf 6,6 Millionen Tonnen sinken. Die Erschließung der Lagerstätte von Arkutun-Dagi wird dieser Entwicklung entgegenwirken. Prognosen von Rosneft zufolge wird die im Rahmen des Projekts Sachalin-1 erzielte Fördermenge bis 2018 die Marke von zehn Millionen Tonnen Öl im Jahr überschreiten. 

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