Sputnik – Die Suchmaschine des Kremls

Bild: Konstantin Maler

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Seit Mai sendet die dritte russische Suchmaschine Sputnik die ersten Signale. Das staatliche Medium soll vor allem diejenigen für das Internet begeistern, die es bisher nur sehr eingeschränkt oder aber überhaupt noch nicht genutzt haben. Ob sie ein ernster Konkurrent für Yandex ist, wird sich zeigen.

Seit Mai gibt es in Russland eine Alternative zum führenden Internetsuchdienst Yandex. Sputnik soll dem Marktführer zukünftig Konkurrenz machen. Manche fürchten gar, es gebe Pläne, Yandex durch Sputnik zu ersetzen. Sputnik wurde von der staatlichen Telefongesellschaft Rostelekom entwickelt. Yandex hingegen ist ein privatwirtschaftliches, börsennotiertes Unternehmen, das in der Vergangenheit durchaus auf Konfrontationskurs mit der russischen Führung ging. Yandex erreicht einen Marktanteil von 60 Prozent und hätte damit durchaus das Potential, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zu viel Einflussnahme für den Kreml?

Yandex hält dagegen und argumentiert, dass man großen Wert auf eine neutrale Darstellung lege, die im Wesentlichen Fakten widerspiegele und auf Kommentare weitgehend verzichte. Auf diese Weise versuche man dem Verwurf einer medialen und politischen Beeinflussung aus dem Wege zu gehen.

Dennoch sah man auf staatlicher Seite offensichtlich Handlungsbedarf. Im Jahre 2011 betrachtete der damalige Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedjew, den Aufbau einer staatlichen Suchmaschine als eine, wenn auch „recht eingeschränkte Möglichkeit“, auf die Entwicklung des Internets Einfluss zu nehmen. Der Duma-Abgeordnete Robert Schlegel erklärte in einem Interview: „Im Kern der Sache geht es darum, keine Kontrolle von westlicher Seite über die Aktionäre zuzulassen.“ Eigentümer von Yandex sind, neben dem Gründer Arkadij Wolosch, Mitarbeiter des Unternehmens und mehrere Investmentfonds. Die staatliche russische Sberbank hält allerdings eine sogenannte „Goldene Aktie“ und kann damit verhindern, dass größere Aktienpakete, insbesondere an Aktionäre aus dem Westen, verkauft werden.  

Hauptaktionär bei Sputnik ist der russische Staat. Gegenwärtig sind die Entwickler zwar um Distanz bemüht, doch werben sie damit, dass sich Sputnik vor allem als Wegweiser im russischen Behördendschungel

versteht und einen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Bürger und Verwaltung leisten will. Zum Beispiel bei Alltagsproblemen, wie der Beantragung von Unterlagen bei den staatlichen Behörden, der Bezahlung kommunaler Dienstleistungen, der An- und Abmeldung von Fahrzeugen, der Überschreibung von Immobilien oder dem Kauf von Zug- und Flugtickets soll Sputnik gute Dienste leisten. Alexej Bassow, verantwortlich für die Entwicklung von Sputnik, sieht hier den Vorteil der Zusammenarbeit mit Rostelekom. Der größte russische Internetprovider hätte die besten Möglichkeiten, entsprechende Anwendungen zu entwickeln.

Nach Meinung Alexej Bassows wird Sputnik vor allem diejenigen für das Internet begeistern, die es bisher nur sehr eingeschränkt oder aber überhaupt noch nicht genutzt haben. Die Zielgruppe, die er dabei vor Augen hat, sind Menschen mittleren Alters mit einem geregelten Alltag und stabilen Gewohnheiten. Das sei der Großteil der Gesellschaft.

Diese Leute würden zwar auch Skype und Viber nutzen, um sich mit ihren Verwandten und Freunden auszutauschen, interessierten sich jedoch kaum für neue trendige Internettechnologien, die die Jugend anziehen, wie zum Beispiel Facebook, Instagram, Snapchat oder Twitter.

Schwer vorstellbar sei es, dass ein Hobbygärtner Bilder seiner Setzlinge über Snapchat verschicke, aber er recherchiere möglicherweise über Pflanzenzucht, nutze das Internet zur Bezahlung von Rechnungen oder der Erledigung von Formalitäten. Dieser User-Typ, der keineswegs nur aus Rentnern sondern durchaus auch aus jüngeren, aktiven Menschen bestehe,  wolle seine Zeit dank Internet schneller und effizienter nutzen. Für ihn ist das Internet keine zweite Heimat, sondern nur ein nützliches Instrument, von dem er Übersichtlichkeit erwarte und in dem er sich schnell zurecht finden wolle. Hier setzt Sputnik an.

Der User kann bei Sputnik sicher sein, stets die aktuellsten Daten geliefert zu bekommen, was insbesondere für behördliche Vorgänge oder im Geschäftsleben von Vorteil ist. Sputnik ist barrierefrei und somit auch für Menschen mit Sehbehinderung geeignet. Sputnik mag vielleicht eingeschränkte Suchfunktionen und weniger Spielereien als die Konkurrenz haben, bietet dafür aber ein hohes Maß an Sicherheit. Dabei können verschiedene Stufen eingestellt werden, allerdings ist eine ganz freie Suche nicht möglich. Das muss kein Nachteil sein. Vor dem Hintergrund des NSA-Abhörskandals hat der amerikanische Suchdienst Duckduckgo.com beispielsweise die Funktion der Suchanfragenspeicherung deaktiviert, was zunächst weniger Komfort bedeutet. Doch Duckduckgo.com hatte damit großen Erfolg und konnte dem Suchmaschinengiganten Google einige User abwerben. Auch bei Yandex heißt es „Man kann alles finden!“. Vielleicht lautet die Parole der Zukunft aber: „Man soll nicht alles finden.“

 

Jurij Sinodow ist ein russischer Journalist und Gründer der Internetseite Roem.ru, die über die Entwicklung des Internetbusiness informiert.

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