Unter einem guten Stern: Mercedes in Russland

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Internationale Unternehmen wie die deutsche Daimler AG errichten mehr und mehr Produktionsstätten in der Russischen Föderation. RBTH stellt erfolgreiche Projekte vor und befragt Experten zu den Chancen und Risiken.

Der deutsche Automobilkonzern Daimler AG plant in Russland Produktionsstätten für die Marke Mercedes-Benz zu errichten. Noch muss der Vorstand des baden-württembergischen Fahrzeugproduzenten zustimmen, eine Entscheidung wird für Mitte Juli erwartet. Das meldet die russische Wirtschaftszeitung „RBK-Daily“. Als ein möglicher Standort ist die russische Hauptstadt im Gespräch. In Moskau produziert schon die Renault-Nissan Allianz.

Die Daimler AG arbeitet in Russland bereits mit dem Lastwagenhersteller KamAZ zusammen. Im Werk Nabereschnyje Tschelny in Tartastan werden LKW produziert. Die GAZ- Gruppe baut in Nischnij Nowgorod für Mercedes den Van Sprinter Classic. Nun sollen auch Stufenhecklimousinen der Oberklasse in Russland hergestellt werden.

Die Daimler AG folgt damit den Konkurrenten BMW und Audi/VW nach, die bereits seit längerem Produktionsstätten in Russland unterhalten. Das BMW-Werk „Avtotor“ befindet sich in  Kaliningrad. Audi lässt in Kaluga den Audi A 6 und den Audi A 8 zusammenbauen.

Gute Wachstumsprognosen für den russischen Markt hätten die deutschen Autobauer angezogen, erklärt Roman Grintschenko, Analytiker bei Investcafé. Die Konkurrenz durch vergleichbare heimische Marken sei gering.

Der schwankende Kurs der russischen Währung und die in Folge der Ereignisse in der Ukraine gegen Russland verhängten Sanktionen seitens

des Westens lassen die Aussichten indes weniger gut erscheinen. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, die im Auftrag des russischen Autobauers Sollers durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass eine Produktionslokalisierung in Russland bei gleichbleibender Wirtschaftslage und der Senkung von Importzöllen im Rahmen der WTO nach 2017 nicht zielführend sei.

Der Anteil der auf dem russischen Markt vertretenen ausländischen Automobile könnte, so die Experten von Roland Berger, von heute 52 Prozent auf 26 Prozent sinken. Besonders hart würde das wahrscheinlich die chinesischen Marken, Peugeot-Citroen, BMW, SsangYong und Opel treffen.

Vertreter anderer Wirtschaftszweige haben von den Plänen der Errichtung von Produktionsstätten in Russland bereits Abstand genommen. Der Spirituosenhersteller Diageo wollte Whiskey der Marke „Johnny Walker“ in Russland produzieren, machte dann aber einen Rückzieher. Dabei sieht Maxim Kljagin, Analytiker der Finam Management-Gruppe, durchaus gute Chancen gerade für einen Spirituosenhersteller: „Die Preise für Whiskey und hochwertige alkoholische Getränke steigen in Russland kontinuierlich.“  

 

Engagement muss sich rechnen

Investoren müssten genau rechnen, die Errichtung einer Produktionsstätte sollte kein Selbstzweck sein, sagt Kljagin. „Die Mehrkosten eines solchen Projekts könnten sonst zu hoch sein“, gibt der Experte zu Bedenken.

Der deutsche Pharmakonzern Merck hatte diese Bedenken nicht. Im Juli 2014 eröffnete der Konzern in Kooperation mit dem russischen Pharmagiganten Farmstandart eine neue Fabrik für das Medikament „Refib“ in Ufa. „Refib“ wird zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt. Roger Janssens, Direktor von Merck Serono Rossija i SNG erklärte gegenüber RBTH: „Russland ist eine strategisch wichtige Region für uns. Der Bau der neuen Anlage ist ein konsequenter und logischer Schritt für uns.“

Die russischen Verbraucher profitieren von den Investitionen aus Deutschland. Das Originalpräparat wird durch die Produktion im Inland günstiger. Merck denkt über eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit weiteren führenden Pharmaunternehmen nach.

Der japanische Maschinenbauer Hitachi verkaufte im Juni die ersten fünf Bagger der Reihen ZX200-5G und ZX200LC-5G, die in Russland hergestellt wurden. Die Modelle wurden den Bedürfnissen des russischen Markts angepasst. Das Werk bei Twer wurde im Dezember 2013 in Betrieb genommen. Die Investitionen beliefen sich auf  2,5 Milliarden Rubel (umgerechnet etwa 54 Millionen Euro).

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