Fußball-WM 2018: Werbung für Bier erlaubt

Die russische Staatsduma hat das Gesetz zum Verbot von Bierwerbung gekippt. Foto: PhotoXPress

Die russische Staatsduma hat das Gesetz zum Verbot von Bierwerbung gekippt. Foto: PhotoXPress

Das seit 2004 in Russland geltende Verbot für Bierwerbung wurde aufgehoben. Als Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft 2018 will Russland keine Sponsoren abschrecken. Gerade im Fußball sind internationale Brauereien wichtige Geldgeber.

Das russische Parlament hat das bisher geltende Gesetz zum Verbot von Werbung für Bier während öffentlicher Sportveranstaltungen aufgehoben. Im Fernsehen und in Printmedien ist Bierwerbung nun wieder erlaubt, in Printmedien allerdings nicht auf der ersten und der letzten Seite. Im Fernsehen darf nur während der Übertragung von Sportereignissen geworben werden. Auch in Sportstätten ist Werbung für den Gerstensaft wieder zugelassen. Nur zehn Tage brauchten die Abgeordneten, um sich darauf zu einigen, eine Rekordzeit.

Die Entscheidung des Parlaments sei vor dem Hintergrund der Fußballweltmeisterschaft 2018 zu sehen, für die Russland Gastgeber sein wird, glauben Experten. „Internationale Bierkonzerne gehören zu den wichtigsten Sponsoren der WM 2018", weiß Maxim Kljagin, Analyst der

Vermögensverwaltungsgesellschaft Finam Management. „Die Werbeeinnahmen werden gebraucht, um die Rentabilität dieses Großprojekts zu steigern und die Rückflüsse aus den Investitionen zu erhöhen", erklärt er. In Zeiten der Wirtschaftskrise und angesichts des derzeitigen Haushaltsdefizites könne Russland auf zusätzliche Finanzierungsquellen einfach nicht verzichten, stellt Kljagin fest.

Russlands Bierbrauer sind erfreut. Maxim Lasarenko ist Vizepräsident für Marketing bei Baltika, einer der größten russischen Brauereien, die zur Carlsberg Group gehört. „Sportförderung und Sponsoring in den verschiedensten Sportarten sind für Baltika seit Jahren selbstverständlich und ein großes Anliegen des Unternehmens", sagt er. Bei der Werbung hätte man sich natürlich immer an geltende Gesetze gehalten. Das neue Gesetz findet er gut. Sponsoring müsse nicht mehr im Stillen stattfinden. Baltika wird ebenfalls Sponsor der WM 2018 sein.

 

Bier und Sport, das hat Tradition

Baltika ist nur einer von vielen Bierbrauern weltweit, die Partner des Sports sind. „Bud light", eine Marke des amerikanischen Brauereikonzerns Anheuser-Busch ist aus dem amerikanischen Basketball nicht wegzudenken, Die Boston Beer Company ist mit der Marke „Samuel Adams" offizieller Sponsor des Boston Marathons. „Heineken, eine niederländische Brauerei, sponsert seit langem den europäischen Fußballverband UEFA", weiß Alexej Koslow, Chefanalyst der UFS Investment Company, zu berichten.

In vielen Ländern der Welt ist Bier eine Art Nationalgetränk, wie in Deutschland, Tschechien oder Irland, die auf der Liste des weltweit

höchsten Bierkonsums regelmäßig die vorderen Plätze belegen. Ein Werbeverbot für Bier gebe es in diesen Ländern nicht, sagt Sergej Sujkow, Geschäftsführer der Anwaltssozietät Sujkow und Partner. In Deutschland darf Bier nicht nur uneingeschränkt beworben werden, es darf auch auf Sportveranstaltungen verkauft werden.

In Russland ist der Verkauf von Bier in Fußballstadien und auch auf allen anderen Sportveranstaltungen verboten. Diese Regelung war eine Antwort auf die schweren Ausschreitungen in Moskau nach dem Vorrunden-Aus der russischen Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea. Die Bierwerbung wurde 2004 verboten, zunächst betraf das Verbot nur Werbefilme in den Stadien und das Früh- und Abendprogramm der Fernsehsender. Ab 2005 war es dann verboten Bierwerbung mit Menschen oder Tieren zu zeigen. Im Jahr 2009 folgte das generelle Aus für Bierwerbung in Radio und Fernsehen.

Nach Berechnungen der niederländischen Brauerei Heineken werden die russischen Bierbrauer nach der Aufhebung des Werbeverbots geschätzte fünf Milliarden Rubel (umgerechnet etwa 107,6 Millionen Euro) in die

Bierwerbung im Rahmen sportlicher Veranstaltungen investieren. Schon seit Ende Juli wird für das alkoholfreie Bier von Amstel geworben. Andere Brauereien werden wohl folgen. Bedenken, dass der Alkoholkonsum dadurch steigen könne, gibt es auf Seiten der Bierbrauer keine. „Biergenuss beim Fußballschauen hat eine lange Tradition und überhaupt nichts mit Alkoholmissbrauch und seinen gesundheitsschädlichen Wirkungen zu tun", heißt es in einer Pressemitteilung von Heineken. Und auch Anwalt Sujkow glaubt: „Bierwerbung im Rahmen von Sportveranstaltungen beeinflusst die Höhe des Bierkonsums nicht".

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