ePacket: Russische Post und Ebay starten Qualitätsoffensive

Russische Post und Ebay starten gemeinsames Projekt. Foto: Reuters

Russische Post und Ebay starten gemeinsames Projekt. Foto: Reuters

Die russische Post und das Internet-Auktionshaus Ebay haben das gemeinsame Projekt ePacket gestartet. Damit sollen Lieferzeiten verkürzt und die Paketzustellung zuverlässiger werden. Der Internethandel und ganz besonders Ebay Russland werden davon profitieren, sagen Experten.

Die russische Post, Potschta Rossiji, und das Internet-Auktionshaus Ebay starteten am 23. Juli das gemeinsame Projekt ePacket. Das Projekt ist auf die Verkürzung von Lieferfristen von Waren ausgerichtet, die über Ebay aus dem Ausland nach Russland bestellt werden. Den Anfang machen Waren aus China, bei denen die durchschnittliche Lieferzeit von 30 auf neun Tage reduziert werden soll, erklärt Potschta Rossiji gegenüber RBTH. Später soll ePacket auch für Warenlieferungen aus anderen Ländern genutzt werden können. Zudem kann Ebay ab sofort auch innerhalb Russlands für Bestellungen genutzt werden. Ebay und Potschta Rossiji führen ihre Daten und Informationssysteme zusammen, um die Zuverlässigkeit bei der Zustellung und der Sendungsverfolgung zu verbessern. Die Investitionskosten seien gering, heißt es bei Potschta Rossiji.

Mit der Einführung von ePacket reagieren die beiden Unternehmen auf Bedenken von Ebay-Händlern, die Warenlieferungen nach Russland in der Vergangenheit ausgeschlossen hatten. Grund dafür waren mehrere Betrugsfälle – Besteller hatten gegenüber den Verkäufern behauptet, die Ware nicht erhalten zu haben und eine Rücküberweisung ihres Kaufpreises

gefordert. Da es bei Potschta Rossiji keine zuverlässige Sendungsverfolgung gab, konnte der Verkäufer diese Behauptungen praktisch nicht widerlegen. „Diese Logistikprobleme setzten dem Markt zu", erklärt Timur Nigmatullin, Analyst von Investcafé.

In letzter Zeit war die Potschta Rossiji heftiger Kritik ausgesetzt. Im November 2013 erklärte der russische Premierminister Dmitrij Medwedjew, dass das Unternehmen sich in einer schwierigen Lage befinde. „Die Leute warten auf ihre Pakete, Briefe und Sendungen mehrere Monate lang. Oft landet die Post einfach auf der Müllhalde", monierte Medwedjew. Nur ein Viertel der Russen nehme die Dienste des Unternehmens überhaupt noch in Anspruch, der Rest vermeide das, führte Medwedew weiter aus.

Das soll sich wieder ändern. Dmitrij Straschnow, Generaldirektor der Potschta Rossiji, sagte: „Unsere vorrangige Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die angegeben Lieferfristen von Postsendungen eingehalten und die Waren zugestellt werden. Dann wird das Vertrauen in die russische Post als zuverlässigen Partner zurückkehren."

Potschta Rossiji bleibt das einzige Unternehmen in Russland, das universelle Postdienstleistungen zu staatlich regulierten Tarifen anbietet. Das Filialnetz umfasst insgesamt 42 000 Postämter, in einigen Regionen hat Potschta Rossiji ein Monopol. Nach Angaben des Unternehmens nutzen täglich über 2,5 Millionen Menschen seine Dienstleistungen.

 

Der Internetversandhandel boomt

Noch im Finanzbericht für das zweite Quartal 2014 warnte Ebay vor möglichen Risiken für Investoren infolge der Ereignisse in der Ukraine. Die Analysten befürchteten Probleme in der Zusammenarbeit mit den russischen Behörden als Reaktion auf Sanktionen gegen Russland durch die USA. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet.

Nach Angaben von Ebay werden in Russland pro Tag etwa 90 000 Bestellungen vorgenommen. Die Verkäufer sitzen überwiegend in China, den USA, Deutschland und Großbritannien, berichtet die russische Agentur RBC. Laut Potschta Rossiji kommen von 28 Millionen ausländischen Warensendungen 60 Prozent aus China. Im Laufe des Jahres könnte die Zahl der Warenlieferungen aus China auf bis zu 70 Millionen steigen. Diese Zahl könnte sich nach Schätzungen von Experten jährlich noch verdoppeln. Der Entschluss des russischen Finanzministeriums vom 24. Juli, die Höchstgrenze für eine zollfreie Einfuhr von im Internet bestellten Waren von 1 000 Euro beizubehalten, begünstigt diese Entwicklung. Zuvor

wurde eine Beschränkung auf 150 Euro diskutiert. Wasili Ucharskij, Analyst für Makroökonomie bei UFS IC, hält das für einen Schritt in die richtige Richtung. Beschränkungen beim Internethandel könnten seiner Meinung nach Onlinehandelsgiganten wie Amazon oder Ebay von Russland abschrecken. Das würde große Verluste nach sich ziehen, glaubt Ucharskij.

Anna Mischutina, Analystin der Investmentgesellschaft Finam, erwartet ebenfalls, dass nun viel mehr Russen über Ebay einkaufen werden und der Umsatz des grenzüberschreitenden Handels insgesamt steigen wird. Dmitrij Bedenkow, Leiter der analytischen Abteilung der Investmentgesellschaft Russ-Invest, stimmt ihr zu: „Der heimische Internethandel stellt jedes Jahr neue Rekorde auf", sagt er. Ein großer Teil der Lieferungen komme dabei aus China. „Die neuen, verkürzten Lieferfristen werden den Warenverkehr und damit den Umsatz zwischen Russland und China weiter steigern", ist er überzeugt.