Russische Agrarbetriebe ernten Erfolge an der Börse

Die aktuellen Zuwächse an der Börse seien vor allem ein „psychologischer Effekt“ gewesen, meinen Experten. Foto: Reuters

Die aktuellen Zuwächse an der Börse seien vor allem ein „psychologischer Effekt“ gewesen, meinen Experten. Foto: Reuters

Das Importverbot lässt die Aktienkurse der russischen Agrar- und Lebensmittelunternehmen in die Höhe schießen. Nun ist der Staat gefragt: Wenn lang geplante Fördermaßnahmen endlich umgesetzt werden, könnte die Branche auch langfristig wieder ausländische Investoren anziehen.

Bereits einen Tag, nachdem die russische Regierung ein Importverbot für Agrarprodukte aus einigen westlichen Ländern angekündigt hatte, schossen die Aktienwerte russischer Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie in die Höhe. „Die Agrarholding Rasguljaj legte um 40 Prozent zu, der Getreidegigant Rusgrejn um 36 Prozent, der Erzeuger von Fischprodukten Russkoje Morje um 19 Prozent und das auf Fleischverarbeitung spezialisierte Unternehmensgruppe Tscherkisowo um 7 Prozent“, erklärt Dmitrij Bedenkow, Leiter der Analyseabteilung von IK

Russ-Invest, Die Unternehmen erhoffen sich Umsatzsteigerungen, da russische Kunden ihren Lebensmittelbedarf nun mit heimischen Produkten decken müssten. Nach Einschätzung von Pawel Simonenko, Verkaufsdirektor für die GUS-Staaten bei der Dukascopy Bank SA, wird alleine die Holding Rasguljaj ihren Umsatz im Jahre 2015 um 120 Prozent auf 60 Milliarden Rubel (etwa 1,2 Milliarden Euro) steigern. „Für strategische Investoren ist der Kauf der Aktien solcher Agrarholdings eine gute Kapitalanlage“, sagt Simonenko. Er rechnet im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahren mit einer jährlichen Rendite von bis zu 60 Prozent. 

Um die wachsende Verbrauchernachfrage zu bewältigen, plant Russlands größter Erzeuger und Importeur für Fischereiprodukte, die Gruppe Russkoje Morje, die eigene Produktion, die zum größten Teil auf Fischereibetriebe in der Oblast Murmansk konzentriert ist, zu steigern. Die Pressestelle von Russkoje Morje teilte RBTH mit, dass zusätzlich neue Lieferanten aus Asien, der Türkei und Lateinamerika gewonnen werden sollen. Zusätzlich sollen bereits bestehende Beziehungen zu chilenischen Produzenten ausgebaut werden. Der Fischproduzent GlawTorgProdukt will mehr in die Aufzucht von Stör- und Lachsfischen investieren. Bis Ende 2014 soll zudem in Wyborg, etwa 850 km von Moskau entfernt, ein neuer Fischverarbeitungsbetrieb entstehen. So kommt in Russland auch weiter Fisch auf den Tisch.

 

Branche könnte langfristig profitieren

Die aktuellen Zuwächse an der Börse seien vor allem ein „psychologischer Effekt“ gewesen, erklärte Ilja Balakirjew, Chef-Analyst von UFS IC. Für das laufende Jahr erwartet er dennoch ein insgesamt positives Ergebnis für die russische Agrar- und Lebensmittelindustrie. Ob die Branche davon auch noch im nächsten Jahr oder sogar langfristig profitieren könne, hänge davon ab, wie langfristige Sanktionen von der Gesellschaft aufgenommen würden und wie schnell neue Lieferanten gefunden werden könnten, betont Balakirjew. Die Unternehmen der Branche seien momentan noch nicht gut aufgestellt. „Ausländische Investoren werden sich daher wohl vor allem für Direktinvestitionen in die russische Landwirtschaft interessieren“, glaubt der Experte.

„Das wird allerdings nur dann eine Rolle spielen, wenn die Sanktionen von langer Dauer sein werden, denn der Landwirtschaftsbereich ist nicht sehr dynamisch“, stellt Balakirjew klar. Er warnt davor, sich zu sehr von der aktuellen Marktlage beeinflussen zu lassen. Langfristig könnten die Börsenkurse nur dann positiv beeinflusst werden, wenn die angekündigten staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft endlich umgesetzt würden. Ein Anfang ist gemacht: Am 12. August hat der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew die Regierung damit beauftragt unter den Voraussetzungen der Sanktionen neue staatliche Entwicklungsprogramme für die Agrar- und Lebensmittelindustrie auszuarbeiten. Dafür sollen höhere finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

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