Quartalsbericht: Verluste bei Gazprom

Die Ukraine-Krise trübt den Quartalsbericht bei Gazprom ein. Foto: Reuters

Die Ukraine-Krise trübt den Quartalsbericht bei Gazprom ein. Foto: Reuters

Zum ersten Mal seit sechs Jahren musste Gazprom im Quartalsbericht einen Reinverlust verkünden. Offene Rechnungen mit der Ukraine, aber auch eine sinkende Nachfrage und wachsende Konkurrenz auf den europäischen Gasmärkten machen dem Energieriesen zu schaffen. Der Konzern reagiert und kündigt eine flexible Preispolitik an.

Zum ersten Mal seit 2008 verzeichnete Gazprom einen Reinverlust in den Quartalergebnissen. Im zweiten Quartal 2014 betrug der Verlust 202 Millionen Euro. Damit sinkt auch der Reingewinn um 38 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Zuletzt musste Gazprom einen Verlust nach dem Börsencrash im Jahr 2008 verrechnen. Heute machen Zahlungsausfälle durch den Gasstreit mit der Ukraine dem Unternehmen zu schaffen. Das ukrainische Energieunternehmen Naftogas Ukrainy schuldet dem Konzern nach Angaben von Gazprom etwa 3,4 Milliarden Euro aus unbezahlten Rechnungen für Gaslieferungen im Zeitraum November bis Dezember 2013 und April bis Mai 2014.

Das Quartalsergebnis wird sich nach Einschätzung von Analysten auch negativ auf die Auszahlung der Dividende am Jahresende auswirken. Die Zeitung „Kommersant" verweist auf Sergej Wachramejew, Analyst bei Ankor Invest. Auf der Grundlage der Ergebnisse des ersten Geschäftshalbjahres von Gazprom geht er davon aus, dass die Dividende um zehn Prozent geringer ausfallen könnte. Im zweiten Halbjahr sei aber ein Wachstum zu erwarten. Gazprom sollte aber nicht damit rechnen, dass die Ukraine ihre Schulden bezahlen wird. Gazprom fürchtet Konkurrenz auf dem europäischen Markt und weitere Sanktionen, daher werde das Unternehmen wohl die Gaspreise für europäische Verbraucher senken.

 

Mehr Spieleraum in den Lieferverträgen

Aus dem Quartalsbericht geht hervor, dass das Unternehmen zurzeit seine Preispolitik optimiert und eine geographische Diversifizierung durchführt. Gründe dafür gibt es mehrere. Auf dem europäischen Gasmarkt wächst die Konkurrenz, die Nachfrage ist insgesamt rückläufig und immer wieder drohen neue Sanktionen gegen Russland in Folge der Ukraine-Krise.

Der Quartalsbericht offenbart ein weiteres Problem des russischen Energieriesen: Gazprom schließt in der Regel langfristige Verträge mit Preisgarantien ab. Gas wird aber auch auf den sogenannten Spotmärkten gehandelt. Hier gilt bei Vertragsabschluss der tagesaktuelle Preis. Hohe Preise in langfristigen Verträgen können einen negativen Einfluss auf die Abnahmemenge durch die Verbraucher haben, insbesondere, wenn das Angebot auf dem Gasmarkt höher ist, als die Nachfrage. Gazprom plant daher die Einführung einer Spot-Klausel in den Lieferverträgen, versucht aber grundsätzlich die Ölpreisbindung zu erhalten. Dazu senkt der Konzern noch die Marge für Take-or-Pay-Lieferungen. Take-or-Pay bedeutet, dass der Abnehmer eine Mindestmenge bezahlen muss, unabhängig davon, ob

er die Lieferung abruft oder nicht. Diese Maßnahme soll nur kurzfristig gelten.

Sergej Pigarjow, Analytiker bei Rye, Man & Gor Securities weist auf die Besonderheiten der Jahreszeit hin. Im Sommer ist mehr Gas verfügbar, daher sinken die Preise auf den Spotmärkten und in der Folge auch die Nachfrage im Rahmen langfristiger Verträge. Im Winter steigen Nachfrage und Preise wieder. Das erklärt die Schwankungen bei den Abnahmemengen von Gaslieferungen aus Russland. Der Gasverbrauch in Europa sinkt laut Pigarjow das dritte Jahr in Folge. In der Stromerzeugung sank der Gasanteil im Zeitraum 2009 bis 2013 von 22 auf 14 Prozent. Der Anteil der Kohle hingegen ist von 25 Prozent auf 26 Prozent gestiegen.

 

Preis für russisches Gas wird sinken

Wie stark der Preis für russisches Gas nun sinken wird, ist heute schwer vorherzusagen. Sergej Pigarjow glaubt, dass die Gazprom-Kunden weniger

Preissenkungen, als eine flexible Preisgestaltung anstreben. Der Preis wird sich am Spotmarkt ausrichten und entsprechend korrigiert werden. Konkurrenten wie die deutsche E.ON und die schweizerische AXPO Trading, haben das Stockholmer Schiedsgericht angerufen, um „Gazprom" zur Preisumgestaltung zu verpflichten.

Im ersten Halbjahr von 2014 hatte Gazprom laut Quartalsbericht bereits die Verträge mit einer Reihe türkischer Energiegesellschaften neu verhandelt, aber auch mit der griechischen Depa. Die neue Preisflexibilität hat erste Ergebnisse gezeigt. Im ersten Halbjahr hat Gazprom den Export nach Westeuropa um 4,3 Prozent auf 64,75 Milliarden Kubikmeter steigern können.

 

Nach Materialen von RBC Daily und Gazeta.ru

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