Sanktionen: Rosneft beantragt Staatshilfen

Westliche Banken verweigern Rosneft aufgrund der Sanktionen Kredite. Foto: Reuters

Westliche Banken verweigern Rosneft aufgrund der Sanktionen Kredite. Foto: Reuters

Rosneft braucht Geld. Russlands größter staatlicher Ölkonzern hat Staatshilfen in Höhe von mehr als 30 Milliarden Euro beantragt, um Schulden begleichen zu können. Die internationalen Finanzmärkte verweigern dem Unternehmen Kredite wegen der US-Sanktionen.

Der russische Ölmulti Rosneft gerät unter Druck und hat den russischen Staat um Finanzhilfen gebeten, um Schulden begleichen zu können. Aus Angst vor Sanktionen, verweigern internationale Banken Kredite zur Finanzierung von Geschäften von und mit Rosneft, berichtet „The Financial Times" unter Berufung auf einen Bericht des Forschungsunternehmens JBC Energy. Die Agentur „Argus Media" berichtete, dass deshalb unter anderem ein japanisches Unternehmen die Beteiligung an einer Ausschreibung für Rohstofflieferungen von Rosneft zurückgezogen habe. Zudem ist es für Rosneft schwierig geworden, Kapital auf den internationalen Finanzmärkten zu bekommen, seit das Unternehmen auf der Sanktionsliste steht.

Zu den Banken, die keine Finanzhilfen für Rosneft-Geschäfte mehr gewähren, gehören neben Credit Agricole und Sumitomo Banking sowie Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ auch die französischen Bank BNP Paribas und die britische HSBC, wie die russische Wirtschaftszeitung „RBC-Daily" berichtet. Das US-Finanzministerium untersagte amerikanischen Firmen, Banken und Bürgern bereits am 19. Juli, Anleihen von Rosneft zu erwerben oder dem Unternehmen Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen zu gewähren. Dies betrifft auch die Wertpapierkredite.

 

Die Finanzsanktionen greifen

„Das sind die Folgen der Sanktionen", sagt Ilja Balakirew, führender Analytiker bei UFS IC. „Viele europäische und amerikanische Banken halten sich zurück oder weigern sich, Kredite für Geschäfte mit Rosneft zu gewähren, obwohl die Sanktionen die Kreditvergabe nicht betreffen", so Balakirew.

Balakirew glaubt, dass die Banken kein Risiko eingehen wollen. Die Branche stehe noch unter dem Eindruck der Rekordstrafe gegen die BNP Paribas. 6,7 Milliarden Euro muss die französische Bank an US-Behörden zahlen. Von 2004 bis 2012 tätigte die Bank Transaktionen mit Personen und Unternehmen, die auf der US-Sanktionsliste standen, im Sudan, Iran und auf Kuba. Im Rahmen der Einigung mit der US-Justizbehörde stimmte die Bank zudem zu, dreizehn hochkarätige Manager zu entlassen, darunter den stellvertretenden Generaldirektor Georges Chodron de Courcel. Außerdem verpflichtete die US-Regierung BNP Paribas Dollartransfers zu begrenzen.

Die Japaner werden ihr Öl wohl nun zu einem höheren Preis bei arabischen Anbietern kaufen, erklärt Balakirew. Nach der Studie von JBC Energy wird Japan auf die Ölsorte Murban aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgreifen müssen.

 

Teure Hilfe

Die Gesamtverschuldung von Rosneft beträgt 45,6 Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Verschuldung geht auf die Übernahme des Ölkonzerns „TNK-BP" im Jahre 2013 zurück, die 40,3 Milliarden Euro kostete. Dieses Geschäft wurde mit einem Kredit eines internationalen Bankenpools in

Höhe von 31,1 Milliarden Euro finanziert, von denen der Großteil in diesem und im kommenden Jahr zurückgezahlt werden muss. Wegen der US-Sanktionen kann das Unternehmen nun hierfür bei amerikanischen und auch europäischen Banken kein Geld mehr leihen.

Vor diesem Hintergrund hat Rosneft-Konzernchef Igor Setschin die Regierung nach Angaben der Wirtschaftszeitung „Wedomosti" unter Berufung auf Regierungsquellen um finanzielle Unterstützung gebeten. Nach Angaben der Zeitung schlägt der Konzern fünf Optionen vor. Der Ankauf von Rosneft-Anleihen im Wert von 31,1 Milliarden Euro durch den Fonds für nationalen Wohlstand wäre die teuerste Variante. Zum Vergleich: Die gleiche Summe plant die russische Regierung bis 2020 in die Förderung der landesweiten Landwirtschaft zu investieren.

Der Fond für nationalen Wohlstand wurde 2004 als Stabilisierungsfonds gegründet und 2008 in einen Reservefonds und den Fonds für nationalen Wohlstand aufgespalten. Die Fonds werden aus zusätzlichen Einnahmen

aus dem Erdölexport nach einem komplizierten Schema gespeist. Die Mittel, die in die Fonds fließen, sind an das BIP und den Ölpreis gebunden. Anfang August 2014 beliefen sich die kumulierten Mittel des Fonds für nationalen Wohlstand auf 64,2 Milliarden Euro.

Ilja Balakirew sieht die Zukunftsaussichten für Rosneft dennoch insgesamt positiv: „Es gibt noch Länder, die die Sanktionen nicht unterstützen und weiter mit Russland zusammenarbeiten", sagt er. Bereits bestehende Kooperationen würden fortgesetzt, wie das Beispiel Exxon Mobil zeige. Rosneft und der US-amerikanische Mineralölkonzern haben erst im August die Erdölplattform West Alpha auf dem arktischen Schelf im Karasee in Betrieb genommen.

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