Rosneft: Milliarden auf der hohen Kante

Die Regierung wird Haushaltsmittel in der neuen Situation wesentlich strenger und vorsichtiger verteilen. Rosneft ist zweifellos dazu in der Lage, die Schulden auch ohne staatliche Unterstützung zu begleichen", meinen Experten. Foto: Reuters

Die Regierung wird Haushaltsmittel in der neuen Situation wesentlich strenger und vorsichtiger verteilen. Rosneft ist zweifellos dazu in der Lage, die Schulden auch ohne staatliche Unterstützung zu begleichen", meinen Experten. Foto: Reuters

Die Bilanzen von Russlands größtem Ölproduzent Rosneft legen Finanzreserven von mehr als 15 Milliarden Euro offen. Fällige Kredite wird das Unternehmen daher wohl aus eigener Tasche begleichen müssen. Staatliche Unterstützung ist angesichts der vollen Kassen unwahrscheinlich.

Die russische Wirtschaftszeitung „RBK-Daily“ berichtet, dass der russische Ölproduzent Rosneft Mitte 2014 über Rücklagen in Höhe von 15 Milliarden Euro verfügt. Nach Auskunft der Zeitung hält Rosneft über die Hälfte des Geldes als Einlagezertifikate. Zudem investiert das Unternehmen in Aktien, Staatsobligationen und Unternehmensanleihen. Die Finanzlage des Unternehmens lässt vermuten, dass mit einer staatlichen Hilfe für die Begleichung fälliger Kredite nicht zu rechnen ist.

Angesichts der von der Europäischen Union und den USA verhängten Sanktionen hatte Rosneft die russische Regierung um eine Finanzspritze in Höhe von 31,2 Milliarden Euro aus Mitteln des Nationalen Wohlfahrtsfonds,

einer aus Erdöleinnahmen gebildeten staatlichen Reserve, gebeten. Rosneft bekommt von europäischen und amerikanischen Banken nur noch Kredite mit einer Laufzeit von maximal 90 Tagen. „Ich sehe gegenwärtig keine Notwendigkeit für staatliche Finanzhilfen“, sagt Pawel Simonenko, GUS-Verkaufsleiter der Dukascopy Bank SA. Sollte die Regierung einer finanziellen Unterstützung überhaupt zustimmen, dann sicher nicht in dem gewünschten Umfang. „Rosneft ist zweifellos dazu in der Lage, die Schulden auch ohne staatliche Unterstützung zu begleichen“, sagt auch Ilja Balakirew, Chef-Analyst der UFS Investmentcompany.

 

Rosneft will Zinsbelastung gering halten

Gegenwärtig ist Rosneft der weltweit größte staatliche Ölkonzern und zugleich einer der größten Darlehensnehmer. Laut der Unternehmensbilanz betrug seine Gesamtverschuldung Ende 2014 etwa 45,4 Milliarden Euro. Den größten Teil dieser Summe bildet ein Konsortialkredit, der dem Unternehmen durch westliche Banken eingeräumt wurde. Die nächsten eineinhalb Jahre werden für Rosneft deshalb kritisch. Bis zum Jahresende muss das Unternehmen seinen Gläubigern etwa 9,4 Milliarden Euro zurückzahlen, 2015 steht die Tilgung weiterer Kredite in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro bevor. Im ersten Halbjahr 2014 zahlte das Unternehmen an russische und ausländische Gläubiger etwa 7,3 Milliarden Euro. „Rosneft geht es hauptsächlich um die Zinsbelastung, die bislang sehr gering ist, mit der Refinanzierung der Schulden jedoch unweigerlich steigen wird“, sagt Ilja Balakirew.

Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen insgesamt 542 Milliarden Euro für die Zahlung von Darlehenszinsen ausgegeben. Angesichts der Sanktionen, die dem Unternehmen praktisch den Zugang zu den westlichen Kapitalmärkten versperren, sucht Rosneft nun nach alternativen

Finanzierungsmöglichkeiten. Der Nationale Wohlfahrtsfonds dürfte zu den lukrativsten Quellen zählen, erklärt Ilja Balakirew. Es bestünden jedoch gegenwärtig begründete Zweifel daran, dass Rosneft auf diese Mittel zurückgreifen kann, so der Experte weiter. Pawel Simonenko pflichtet ihm bei: „Die Regierung wird Haushaltsmittel in der neuen Situation wesentlich strenger und vorsichtiger verteilen, auch die Mittel aus öffentlichen und nicht öffentlichen staatlichen Fonds. Die Wirtschaft wächst schließlich langsamer, und die Haushaltseinnahmen sind rückläufig.“

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