Russlands Ferner Osten lockt mit neuer Sonderwirtschaftszone

"Die Sonderwirtschaftszone in Wladiwostok wird nicht die Wirtschaft der ganzen Region beeinflussen“, sagen Experten. Allenfalls ein psychologischer Effekt sei zu erwarten. Foto: RIA Novosti

"Die Sonderwirtschaftszone in Wladiwostok wird nicht die Wirtschaft der ganzen Region beeinflussen“, sagen Experten. Allenfalls ein psychologischer Effekt sei zu erwarten. Foto: RIA Novosti

In Russlands Fernem Osten wird eine Sonderwirtschaftszone entstehen. Der japanische Automobilhersteller Mazda hat bereits Interesse bekundet. Die regionale Wirtschaft könnte von Synergieeffekten profitieren. Experten sehen in der Region noch weitaus mehr Entwicklungspotenzial.

Der russische Premierminister Dmitrij Medwedew hat die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone in Wladiwostok angekündigt, berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“. Die Sonderwirtschaftszone in der über 9 000 Kilometer von Moskau entfernten Hafenstadt am Japanischen Meer sollte ursprünglich bereits im Frühjahr an den Start gehen.

Für die Unternehmen in der Sonderwirtschaftszone gelten unter anderem niedrigere Steuersätze. Jurij Trutnew, russischer Vizeministerpräsident, erklärte, dass bis zu 3 400 neue Arbeitsplätze in der Region entstehen sollen, vor allem in der Automobilindustrie. Der japanische Automobilhersteller Mazda, der zur Sumitomo-Gruppe gehört, und die russische Sollers-Gruppe planen ein Joint Venture. Von russischer Seite werden 90 Prozent der Investitionskosten getragen, aus Japan und Korea sollen jeweils fünf Prozent beigesteuert werden. Die Investitionen fließen in die Produktion von Automobilkomponenten und in die Ersatzteillogistik.

 

Positive Effekte für die regionale Wirtschaft

Timur Nigmatullin von Investcafé glaubt gerade in Zeiten einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums an positive Effekte für die Wirtschaft durch Steuersenkungen oder Zollpräferenzen. Russlands Ferner Osten werde von der Einrichtung der Sonderwirtschaftszone profitieren: „Das regionale BIP könnte steigen und die Arbeitslosenquote sinken“, sagt Nigmatullin.

Ilja Balakirew, Chefanalyst bei der Investitionsgesellschaft UFS, stimmt ihm zu: „Der Haushalt der Region und ihr Image könnten gewinnen.“ Er sieht die positiven Effekte jedoch vor allem beschränkt auf die Automobilindustrie und das Joint Venture zwischen Mazda und Soller. „Das ist insofern aber auch sinnvoll, da halblegale Importe von Gebrauchtwagen aus Japan und Korea ohnehin den größten Anteil der Kraftfahrzeuge im Fernen Osten ausmachen“, so Balakirew. Die Autofahrer in dieser Region für den Kauf bei lokalen Anbietern zu begeistern, werde daher aber auch ein hartes Stück Arbeit für die regionalen Behörden, glaubt er.

 

Das Potential wird nicht ausgeschöpft

Ilja Balakirew weist daraufhin, dass in der Region weitere Sonderwirtschaftszonen in Planung seien und ein Teil bereits bestehender Infrastrukturprojekte noch gar nicht voll genutzt werde. 

Das trifft zum Beispiel auf eine geplante Sonderwirtschaftszone auf der Russkij-Insel zu. Dort sollte einmal eine Glücksspielzone entstehen, diese Pläne wurden aufgegeben. 2012 fand dort das Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums APEC statt, später wurde die Insel Standort der Föderalen Fernost-Universität. Im Jahr 2013 gab es Pläne, den russischen Osten zum Gebiet der sogenannten voreilenden wirtschaftlichen Entwicklung zu machen. Eigens dafür wurde in Russland ein Ministerium des Fernen Ostens geschaffen. Passiert ist weiter nichts. 

Dmitrij Baranow, führender Experte bei Finam Management, warnt deshalb vor übertriebenen Erwartungen. „Diese Sonderwirtschaftszone wird nicht die Wirtschaft der ganzen Region beeinflussen“, sagt er. Allenfalls ein psychologischer Effekt sei zu erwarten. Der Ferne Osten würde so wieder verstärkte Aufmerksamkeit potenzieller Investoren auf sich ziehen können, glaubt Baranow. Zudem könnten sich auch außerhalb der Sonderwirtschaftszone in der Folge Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie ansiedeln oder Maschinenbauer, die Produktionsanlagen für die Autofabriken herstellen. So werde der Standort Ferner Osten insgesamt gestärkt.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland