Neustart: Aeroflot plant wieder Billigfluglinie

Die neue Aeroflot-Tochtergesellschaft wird den Flugbetrieb schon am 27. Oktober aufnehmen. Die Flotte soll aus vier Flugzeugen bestehen, darunter zwei Boeing 737-7800 aus dem Bestand von Dobrolet. Foto: PhotoXPress

Die neue Aeroflot-Tochtergesellschaft wird den Flugbetrieb schon am 27. Oktober aufnehmen. Die Flotte soll aus vier Flugzeugen bestehen, darunter zwei Boeing 737-7800 aus dem Bestand von Dobrolet. Foto: PhotoXPress

Aeroflot plant eine neue Billigfluglinie, nachdem vor wenigen Wochen infolge der Sanktionen das Aus für die Aeroflot-Tochter Dobrolet kam. Vielleicht ist der vierte Versuch, einen Low-Cost-Carrier am russischen Markt zu etablieren, erfolgreich. Die Nachfrage ist da.

Wenige Wochen nach dem Aus für Dobrolet will die staatliche russische Fluggesellschaft Aeroflot im Herbst eine neue Billigfluglinie an der Start schicken. Das hat nach Berichten der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass Aeroflot-Generaldirektor Witalij Saweljew auf einer Pressekonferenz am vergangenen Montag in Moskau angekündigt.

Dobrolet war im Juli auf die Sanktionsliste der EU geraten, weil das Unternehmen ausschließlich Flüge auf die Halbinsel Krim im Angebot hatte.

Daraufhin habe das irische Unternehmen SMBC Aviation Capital die Verlängerung des Leasingvertrages für zwei  Flugzeuge verweigert und das deutsche Unternehmen Lufthansa Technik die Wartungsverträge gekündigt, berichtete die Zeitung „Kommersant“.

Die neue Aeroflot-Tochtergesellschaft werde den Flugbetrieb schon am 27. Oktober aufnehmen, kündigte Saweljew an. Die Flotte soll aus vier Flugzeugen bestehen, darunter zwei Boeing 737-7800 aus dem Bestand von Dobrolet. Zwei weitere vergleichbare Flugzeuge sollen bis zum Jahresende dazukommen. Saweljew glaubt an den Erfolg. Die Erfahrung mit Dobrolet habe bereits in den ersten beiden Monaten gezeigt, dass dieses Geschäftsfeld Rentabilität verspreche, so Saweljew.

 

Vorbild Germanwings

Es wäre der vierte Versuch, einen Low-Cost-Carrier am russischen Markt zu etablieren. Vor Dobrolet scheiterten 2011 bereits die Fluggesellschaften Sky Express und Avianova. Das habe jedoch rein wirtschaftliche Gründe gehabt, erklärt Dmitrij Baranow von Finam Management. Dobrolet hätte wegen der Politik aufgeben müssen. Baranow ist überzeugt, dass das weltweit erfolgreiche Modell der Billig-Airlines auch in Russland funktionieren werde.

Routen:

 

Der neue Billigflieger von Aeroflot soll nach Angaben von Witalij Saweljew von Moskau aus wahrscheinlich folgende Flugrouten bedienen: Samara (1 050 Kilometer südöstlich von Moskau), Wolgograd (970 Kilometer östlich), Sotschi (1 600 Kilometer östlich) und Tjumen (2 100 Kilometer nordöstlich).

Ilja Balakirew, Chef-Analyst bei der Investmentgesellschaft UFS, glaubt ebenfalls, dass eine russische Billigfluglinie Perspektiven habe. Eine Nachfrage gebe es bei den Inlandsflügen in verschiedene russische Städte, sagt er und fügt hinzu: „Dobrolet hat den Fehler gemacht, ausschließlich Flüge zur Krim anzubieten.“ Zudem sei der Anteil für Treibstoff und Flughafengebühren am Ticketpreis zu hoch gewesen, ohne Aussicht, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern würde.

Große Gewinne sind so nicht zu erzielen, vor allem vor dem Hintergrund, dass Aeroflot bereits 15,2 Millionen Euro in Dobrolet investiert hatte. Das Gesamtinvestitionsvolumen sollte bei etwa 76 Millionen Euro liegen. Die russische Wirtschaftszeitung „RBK-daily“ berichtete daher im Juli unter Berufung auf eine Mitteilung von Aeroflot an Investoren, dass für Dobrolet im operativen Geschäft bis zum Jahresende ein Verlust von etwa 1,4 Milliarden Rubel (etwa  29 Millionen Euro) erwartet werde.

Dennoch werde das Aeroflot nicht davon abhalten, alles zu tun, um eine eigene Billigfluglinie am Markt zu etablieren, ist Balakirew überzeugt. Aeroflot wäre damit in bester Gesellschaft internationaler Fluggesellschaften. Die deutsche Lufthansa zum Beispiel hat mit der Tochter Germanwings einen sehr erfolgreichen Low-Cost-Carrier am Start, der auch Moskau-Vnukovo und Sankt Petersburg anfliegt. In umgekehrter Richtung landen die Germanwings-Flieger an wichtigen deutschen Flughäfen, jedoch nicht an den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München. Ab Winter 2015 sollen auch Interkontinentalflüge angeboten werden.

 

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