Aeroflot schreibt rote Zahlen

Aeroflot hat die schlechteste Halbjahresbilanz seit zehn Jahren verkündet. Foto: ITAR-TASS

Aeroflot hat die schlechteste Halbjahresbilanz seit zehn Jahren verkündet. Foto: ITAR-TASS

Aeroflot musste zum ersten Mal seit zehn Jahren eine negative Bilanz verkünden. Das Aus für den Billigflieger Dobrolet sowie hohe Sach- und Personalkosten ließen die staatliche russische Fluggesellschaft ins Trudeln geraten. Bis zum Jahresende könnte Aeroflot aber wieder auf Erfolgskurs fliegen.

Die russische Fluggesellschaft Aeroflot schreibt erstmals seit 2004 wieder Verluste. Bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz meldete die Airline einen Verlust von 1,9 Milliarden Rubel (39, 4 Millionen Euro). Halbjährliche Bilanzen erstellt Aeroflot erst seit 2009, bisher standen darin nur schwarze Zahlen. Im ersten Halbjahr 2013 zum Beispiel konnte Aeroflot noch einen Reingewinn von 45 Millionen Rubel (931 000 Euro) verzeichnen. Hauptgrund für das negative Ergebnis sei die nur langsam wachsende russische Wirtschaft und hohe Kosten, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

 

Hohe Einnahmen, noch höhere Ausgaben

Die Einnahmen von Aeroflot seien zwar um 9,4 Prozent auf 140,3 Milliarden Rubel (2,91 Milliarden Euro) gestiegen. Ursache des Wachstums sei ein höheres Passagieraufkommen und das Verhältnis der Dynamik des Rubelkurses gegenüber anderen Währungen. Gestiegen seien allerdings auch die laufenden Kosten, und zwar um 15 Prozent auf 141,7 Milliarden Rubel (2,93 Milliarden Euro). Darüber hinaus musste man bei Aeroflot aufgrund des Konflikts mit der Ukraine zahlreiche Destinationen aus dem Flugplan nehmen. „Auf die Entwicklung der Einnahmen hat sich auch die Verringerung der Flughäufigkeit nach Kiew und Odessa sowie die Tatsache, dass Flüge nach Donezk und Charkow gestrichen werden mussten, ausgewirkt", erklärte Aeroflot. Zudem sei auch der Rückgang an internationalen Flügen nach Simferopol, von wo aus Aeroflot Inlandsflüge getätigt hat, ein Faktor gewesen, der sich negativ auf die Einnahmen ausgewirkt hätte.

„Die Ausgaben der Fluggesellschaft sind zu stark angestiegen, zum Teil aufgrund der hohen Kerosinpreise und der aktiven Expansionspolitik des Unternehmen, die teilweise auch das Erschließen von Marktnischen umfasste", erklärte Ilja Balakirew, Chefanalyst bei UFS IC. Den schwächelnden Rubel macht er zusätzlich verantwortlich. Wie er weiter ausführte, tauchen in der Aeroflot-Bilanz zudem einmalige Abschreibungen in großem Umfang sowie hohe Verbindlichkeiten auf. „Es ist offensichtlich, dass dies mit der derzeitigen Situation in der Ukraine zusammenhängt", so Balakirew. Aeroflot müsse bereits verkaufte Flugtickets ihres Low-Cost-Carriers Dobrolet zurückerstatten. Auch das hätte zu Verlusten geführt. Dobrolet musste den Flugbetrieb einstellen, weil die Fluggesellschaft auf die

Sanktionsliste der EU gesetzt wurde und in der Folge europäische Unternehmen Leasing- und Wartungsverträge gekündigt hatten.

Die Kosten für Treibstoff stiegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 um 8,9 Prozent. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zahl an Flügen zugenommen habe, mehr Flugzeuge eingesetzt worden seien und neue Flugrouten erschlossen wurden, sagt Aeroflot. Die Personalkosten seien um 13,8 Prozent gestiegen. Kosten für die Ausbildung und Zertifizierung von Piloten seien um ganze 45,9 Prozent gestiegen. Im Zuge der Gründung von Dobrolet hatte Aeroflot zusätzliche Piloten eingestellt und ausgebildet. Die könnten womöglich bereits ab Ende Oktober wieder zum Einsatz kommen, denn Aeroflot plant eine neue Billigfluglinie.

 

Die Konkurrenz ist stark

Von einer generellen Krise am russischen Flugmarkt kann keine Rede sein. Aeroflots größter Konkurrent Transaero hat im ersten Halbjahr 2014 Rekordeinnahmen verbucht. Der Reingewinn stieg um 61 Prozent auf insgesamt 750 Millionen Rubel (15,52 Millionen Euro) erklärte Transaero. Transaero begründet die enorme Steigerung mit „der konsequenten Konzentration auf rentablere Flugrouten, dem Gewinnzuwachs aus dem Gütertransport, der Realisierung eines Kosteneinsparungsprogramms und der Reduzierung von Vertriebs- und Verwaltungskosten".

Aeroflot könnte bald eine Finanzspritze durch zusätzliche Aktienemissionen erhalten. Eine entsprechende Anordnung vom 1. September 2014 wurde bereits vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterschrieben. Der Anteil des Staates soll 50 Prozent nicht unterschreiten und zudem noch eine stimmberechtigende Aktie enthalten. Aktuell hält der russische Staat 60

Prozent der Aktien. Im zweiten und dritten Quartal 2014 sollen bis zu zehn Prozent der Aeroflot-Aktien verkauft werden. Die russische Regierung schätzt den Wert von acht bis neun Prozent der Aeroflot-Aktien auf etwa 152 bis 228 Millionen Euro.

Zum Jahresende erwarten Marktbeobachter dann auch wieder schwarze Zahlen bei Aeroflot. Die umsatzstärksten Monate Juli bis September und Dezember, in denen das Passagieraufkommen traditionell am stärksten sei, würden erst in der Bilanz des zweiten Halbjahres berücksichtigt. Dmitrij Baranow, Finanzexperte bei Finam Management, glaubt, dass Aeroflot dann gute Chancen hätte, auch im Jahr 2014 einen Gewinn zu erzielen.

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