Ausländische Piloten heben in Russland ab

Russische Fluggesellschaften stellen 200 Piloten aus dem Ausland ein. Foto: Alexander Krjaschew/RIA Novosti

Russische Fluggesellschaften stellen 200 Piloten aus dem Ausland ein. Foto: Alexander Krjaschew/RIA Novosti

Die russische Zivilluftfahrt ist auf Wachstumskurs. Daher haben russische Fluggesellschaften nun 200 ausländische Flugkapitäne eingestellt, vor allem aus Westeuropa. So soll einem Pilotenmangel vorgebeugt und gleichzeitig die Kosten für die Ausbildung gesenkt werden.

Wie die russische Luftfahrtbehörde Rosaviacia bekannt gab, haben russische Fluggesellschaften 200 ausländische Flugkapitäne eingestellt. In einer Pressemitteilung erklärte Rosaviacia, dass die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot die meisten Piloten eingestellt habe, insgesamt 80. Weitere 67 Piloten seien bei der zweitgrößten russischen Fluggesellschaft Transaero untergekommen, 14 bei Utair aus Sibirien. Je sieben Piloten wurden von den Charterflugspezialisten KogalymAvia und Vim-Avia eingestellt. Die Piloten kämen überwiegend aus Westeuropa, berichtete die russische Wirtschaftszeitung „Vedomosti". Aeroflot habe vor allem Piloten aus Deutschland eingestellt.

„Etwa drei Jahre lang haben Vertreter der russischen Luftfahrtbranche daran gearbeitet, ausländische Piloten beschäftigen zu können", sagt Anna Milostnowa, Analystin bei UFS IC. Dazu musste eigens das Gesetz geändert werden. Bis zum Jahr 2013 war es nicht möglich, Ausländer als Piloten auf russischen Flugzeugen einzusetzen. Aufgrund des großen Wachstums der

russischen Luftfahrtbranche von 15 bis 20 Prozent pro Jahr und drohendem Pilotenmangel erteilte Rosaviacia im Frühjahr dieses Jahres die Genehmigung, für einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich bis zu 200 ausländische Piloten einzustellen. Ursprünglich war geplant gewesen, die Einstellung von 1 100 bis 1 500 ausländischen Piloten pro Jahr zu genehmigen.

Die Fluggesellschaften mussten ihren Bedarf an ausländischem Personal bei Rosaviacia anmelden. Wie viele Piloten letztlich zugeteilt wurden, berechnete sich auf der Grundlage des Flugvolumens der einzelnen Gesellschaften im Jahr 2013. Die Föderale Migrationsbehörde muss nun die Arbeitsgenehmigungen für die ausländischen Piloten erteilen, danach können die Arbeitsverträge abgeschlossen werden. Weitere Piloten können erst im nächsten Jahr wieder eingestellt werden.

 

Attraktive Arbeitsbedingungen

Grund für die Anwerbung ausländischer Piloten ist vor allem der Mangel an Piloten mit einer größeren Anzahl an Flugstunden. Piloten als solche gebe es in Russland genug, allerdings könnten sie mangels Erfahrung nicht als Flugkapitäne eingesetzt werden, erklärt Anna Milostnowa. „Die russischen Fluggesellschaften waren nicht bereit, Mittel für die Qualifizierung von einfachen Piloten bereitzustellen", sagt die Expertin.

Die Arbeitsbedingungen der ausländischen Piloten schätzt Dmitri Baranow, führender Analyst bei Finam Management, als gut ein. Den Piloten seien möglicherweise sogar höhere Gehälter als in Europa angeboten worden und

attraktive Sozialleistungen. „Vielleicht gibt es auch ein Bonussystem", fügt Baranow hinzu. Anna Milostnowa ergänzt, dass Untersuchungen zufolge die Pilotengehälter, die von den größten russischen Fluggesellschaften gezahlt werden, nicht hinter denen zurückstünden, die die europäischen Fluggesellschaften ihren Piloten zahlten. „Die russischen Fluggesellschaften haben verstanden, dass sie den Piloten aus Europa attraktive Arbeitsbedingungen bieten müssen", sagt Milostnowa. In Europa seien Piloten verfügbar, da der dortige Markt nur um etwa fünf Prozent pro Jahr wachse. „Piloten aus Europa anzuwerben, ist für die russischen Fluggesellschaften zweifellos positiv. Und abgesehen von der Aufstockung des Personals wird durch die ausländische Konkurrenz mehr Wettbewerb angeregt", glaubt Anna Milostnowa.

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