Lebensmitel-Embargo: Preise vorerst stabil

Gewohnte Auslagen in Geschäften gehören bald der Vergangenheit an. Foto: Getty Images/Fotobank

Gewohnte Auslagen in Geschäften gehören bald der Vergangenheit an. Foto: Getty Images/Fotobank

Wenige Wochen nach dem Einfuhrstopp für Lebensmittel aus den USA und Europa merken russische Verbraucher kaum Auswirkungen. Lediglich entlegene Regionen müssen leiden.

Russlands Lebensmittelembargo lässt die Verbraucherpreise nur geringfügig steigen – ausgenommen einige Waren, die auf der Sanktionsliste stehen.

Offiziell sind seit Anfang August dieses Jahres die Lebensmittelpreise in Russland um durchschnittlich 0,1 % gestiegen. Damit haben sich die Befürchtungen einer drastischen Teuerung nicht bestätigt. Am 7. August hatte Russland Beschränkungen für den Import von Nahrungsmitteln aus jenen Ländern eingeführt, die im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise Russland zuvor mit Sanktionen belegthatten. Seitdem sind unter anderem die Preise für Hähnchen um 0,9 % und für Schweinefleisch um 0,5 % gestiegen. Obst und Gemüse sind dagegen inzwischen um 2,9 % teurer geworden, für Kartoffeln muss der Verbraucher gar 8,3 % und für Tomaten 6,3 % mehr ausgeben.

„In einigen Marktsegmenten hat sich das Lebensmittelembargo offensichtlich sehr deutlich ausgewirkt und zu einer lokalen Warenknappheit und dadurch zu entsprechenden Preissteigerungen geführt", erklärt Ilja Balakirjew, Chefanalyst der Investmentfirma UFS. So betrage zwar der Anteil der Hähnchen aus einheimischer Produktion etwa 90 %, weshalb es in den meisten Regionen keine Auswirkungen auf die Preise gegeben habe. Im Fernen Osten oder Hohen Norden jedoch, wo es keine eigene Hühnerfleischproduktion gibt, werde der Markt von amerikanischen Tiefkühl-Hähnchen dominiert, bemerkt der Experte. „In diesen Regionen sind die Hähnchen-Preise um 30 bis 60 % gestiegen", so Balakirjew.


Eine Frage der Zukunft

Die Gesellschaftskammer, ein 2005 geschaffenes Organ zur Einflussnahme der Bürger Russlands auf zu fassende politische Beschlüsse, hat eine Hotline zur Überwachung der Preisentwicklung eingerichtet. Die Anrufer berichten beispielsweise, dass in St. Petersburg der Preis für Hähnchenfilet um 60 % und für Äpfel um fast 100 % gestiegen sei.

Kaum negative Auswirkungen auf die Preise in Russland wird der Importstopp für Güter haben, die überwiegend im Inland hergestellt und aus alternativen Lieferländern bezogen beziehungsweise durch eine höhere heimische Produktion ersetzt werden können, glaubt Maxim Kljagin, Analyst bei Finam Management.

„Selbst bei Eintreten des pessimistischsten Szenarios wird der durch das

Embargo bedingte Inflationsanstieg nur circa ein bis eineinhalb Prozent betragen", glaubt der Experte. In Russland liegt dabei der Anteil der Lebensmittel an den Ausgaben der Verbraucher bei ungefähr 37 %. Deshalb wirkt sich eine Veränderung der Nahrungsmittelpreise sehr deutlich auf die Inflationsrate aus. „Ein zusätzlicher Anstieg der Inflationsrate um ein bis anderthalb Prozentpunkte bedeutet, dass im ungünstigsten Falle das Preisniveau insgesamt nicht wie prognostiziert um 6,5 bis 7 %, sondern um 8 bis 8,5 % ansteigen wird", erläutert Kljagin. (Das Wirtschaftsministerium hatte seine Inflationsprognose für 2015 Ende August um 1,5 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent nach oben korrigiert.) Auf das Jahr gerechnet könnte der Anstieg also ziemlich spürbar ausfallen.

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