Sotschi-Investitionsforum: Autonomer Kreis der Chanten und Mansen hofft auf Unterstützung Chinas

Die Besonderheiten der europäischen Gesetzgebung machen Sanktionen der Europäischen Union gegenüber der russischen Erdölbranche flexibler. Das will die französische Total ausnutzen. Darüber, welche Alternativen der Autonome Kreis noch hat, und auch, in welchen hochtechnologischen Bereichen man auf asiatische Investoren hofft, sprach die Gouverneurin des Autonomen Kreises der Chanten und Mansen Natalja Komarowa mit RBTH.

Bild: Natalja Michajlenko

In der Energiebranche wird es in den nächsten zwei Jahren keine Probleme geben. In den vergangenen ein, zwei Jahren ist zwischen unseren Erdölunternehmen und ihren ausländischen Partnern eine ganze Reihe hochtechnologischer Allianzen und gemeinsamer Projekte hervorgegangen. Rosneft kooperiert mit ExxonMobil, Lukoil mit Total, Gazpromneft mit Shell und so weiter.

Die Gouverneurin des Autonomen Kreises

der Chanten und Mansen Natalja Komarowa.

Foto: RBTH

Die Verträge zur Erdöl- und Erdgasförderung wurden für 2014 abgeschlossen und die Sanktionen des Westens erstrecken sich nicht auf die bestehenden Abkommen. Aber wir sollten bedenken, dass Sanktionen auf einen langfristigen Effekt ausgelegt sind, in erster Linie betrifft das unsere zukünftigen Projekte zur Gewinnung schwer zugänglicher Erdölreserven. Hier sollte man allerdings auf die Feinheiten achten: In den USA beispielsweise gilt alles genau so, wie es geschrieben steht. In Europa hingegen ist der Mechanismus flexibler – dort können Entscheidungen über Sanktionen auf lokaler Ebene gefällt werden. In diesem Fall muss das jeweilige Unternehmen beweisen, dass es keinen Anlass für eine Sanktionierung gibt und dass man Sanktionen aus einem bestimmten Grund nicht anwenden sollte.

Die größte französische Öl- und Gasgesellschaft Total hat bereits Lizenzen für die Nutzung mehrerer Gebiete in unserem Kreis erhalten, wo es auch schwer zugängliche Ressourcen gibt. Die Franzosen wollen dabei ein Joint Venture mit Lukoil gründen. Momentan versuchen sie, ihre Regierung zu überzeugen, dass die Auferlegung von Sanktionen gegen das Projekt der eigenen nationalen Öl- und Gasgesellschaft widersinnig ist.

 

Baldiger Importersatz für Energiewirtschaft ist denkbar

Unsere Energiewirtschaft hängt zweifellos von westlichen Geräteherstellern ab, aber bei den meisten Geräten ist ein Importersatz innerhalb von einigen Jahren denkbar. Mit diesem Thema befasste sich bei uns am 10. September ein Föderalrat. Wir haben beschlossen, auf unserem Gebiet Versuchsgelände zur Erprobung russischer Technologien zur Förderung schwer zugänglicher Reserven zu errichten, und auch, ein umfassendes föderales Dokument zur Einbindung solcher Ressourcen in die industrielle Erschließung vorzubereiten. Dieses Konzept baut auf den Prinzipien der technologischen Unabhängigkeit auf sowie auf der Förderung heimischer Hersteller und Erdölserviceunternehmen.

Außerdem können unsere chinesischen Partner westliche Technologien für den Erdölservice ersetzen. Dazu verfügen diese über Möglichkeiten im Bereich der Sondierung und Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen, der Verarbeitung von Erdölprodukten und in der Herstellung sowie im Absatz

petrochemischer Produkte. Entsprechende Verhandlungen hatte unsere Industrie- und Handelskammer bereits geführt, sie will diese nun weiter intensivieren.

In unserem Interessensbereich liegen darüber hinaus Usbekistan, Japan, Indien, Südkorea und Vietnam. In Korea interessieren uns Technologien zur Verarbeitung wild wachsender Beeren, sie können Extrakte für medizinische Zwecke aus solchen herstellen.

Grundsätzlich sind unsere Beziehungen mit ausländischen Investoren, ebenso wie mit allen anderen auch, von Stabilität geprägt. Das Ergebnis der ersten sieben Monate von 2014 zeigt einen leichten Anstieg der Investitionen am Grundkapital um 0,3 Prozent. Dabei schlug das letzte Jahr hinsichtlich der Investitionen Rekorde, diese hatten ein Gesamtvolumen von 14,5 Milliarden Euro. Davon machten ausländische Investitionen 1,37 Milliarden Euro aus.

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