Aeroflot-Tochter: Neuer Billigflieger bleibt namenlos

Aeroflot glaubt auch ohne Markennamen an den Erfolg des neuen Lowcosters. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Aeroflot glaubt auch ohne Markennamen an den Erfolg des neuen Lowcosters. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Der neue Billigflieger von Aeroflot geht namenlos an den Start. Die russische Fluggesellschaft verzichtet auf die Etablierung einer neuen Marke, solange gegen Dobrolet Sanktionen bestehen. Experten sehen darin keinen Nachteil – auf dem Billigflug-Markt sei nicht der Name, sondern allein der Preis entscheidend.

Die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot wird ihren neuen Billigflieger namenlos belassen. Bei Aeroflot verwies man darauf, dass es mit Dobrolet bereits eine etablierte Marke von Wert gebe, daher werde kein neuer Name gesucht, berichtete die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti". Nach dem Aus für das Tochterunternehmen Dobrolet Anfang August infolge der Sanktionen hatte Aeroflot beschlossen, eine neue Fluglinie im Billigflugsegment zu etablieren. Diese soll nun schlicht „Bjudschetnyj perewoschtschik" (zu Deutsch - Billigflieger) genannt werden. Die Eintragung erfolgte bereits im September. Generaldirektor der neuen 100-prozentigen Aeroflot-Tochter wurde Andrej Kalmykow, der ehemalige Generaldirektor von Dobrolet.

 

Ersatz für Dobrolet

Dobrolet war auf die Sanktionsliste der Europäischen Union geraten, weil es ausschließlich Flüge zur Halbinsel Krim angeboten hatte. Solange Dobrolet auf der EU-Sanktionsliste steht, ist eine Zusammenarbeit mit europäischen Partnern wie zum Beispiel Lufthansa Technik, das Wartungsverträge mit Dobrolet hat, ausgeschlossen. Aus diesem Grund konnte der neue Billigflieger den alten Namen nicht übernehmen. Zuerst sollte also ein neuer

Markenname her, doch der Aeroflot-Vorstand hat nun anders entschieden: Solange Dobrolet sanktioniert werde, bleibe der neue Low-Cost-Carrier namenlos. Praktisch ist das möglich, der Name muss nicht zwingend am Flugzeug angebracht sein. Bei Aeroflot denkt man darüber nach, allenfalls den Schriftzug „Bjudschetnyj perewoschtschik" in kleinen Buchstaben auf dem Flugzeug anzubringen.

Experten halten einen Markennamen ebenfalls für verzichtbar. Der Erfolg des neuen russischen Billigfliegers werde nicht vom Markennamen abhängen, ist Alexander Eremenko, Generaldirektor von Brand Lab, überzeugt: „Für die Ticket-Vermarktung eines Lowcosters ist ein Markenname unwichtig. Hier zählt vor allem der Preis." Es sei für Lowcoster auf dem russischen Markt nicht wichtig, ein Image aufzubauen, da es ohnehin keine Mitbewerber gebe, erklärt Eremenko. „Vor der Krise von 2008 gab es mit Avianova und Sky Express zwei Billigflieger, die aber keine Konkurrenten waren, weil sie unterschiedliche Flugrouten bedienten", erklärt ein weiterer Experte. Beide Fluggesellschaften mussten aus wirtschaftlichen Gründen später aufgeben. Alexander Eremenko hält es für vorstellbar, dass der neue Billigflieger später unter dem Markennamen Dobrolet starten wird.

 

Entscheidend ist der Ticketpreis, nicht der Name

Auch Irina Selenkowa, Expertin für Marketing und PR bei FinExpertiza, sieht im fehlenden Markennamen kein Erfolgshemmnis. Die neue Billigfluglinie profitiere vom Bekanntheitsgrad und der hohen Reputation der Muttergesellschaft Aeroflot, glaubt sie. „Jeder Fluggast wird mit dem Lowcoster die Qualität von Aeroflot, die der Markenname der Muttergesellschaft verspricht, verbinden", meint die Expertin. Zudem sieht sie ebenfalls keine Konkurrenz in Russland, daher könne auf einen eingängigen Markennamen verzichtet werden. Die Verbindung zu Aeroflot sei ein überzeugendes und ausreichendes Argument für die Kundschaft, so Selenkowa.

„Aeroflot geht davon aus, dass die Sanktionen gegen Dobrolet nur vorübergehend sind", erklärt Timur Nigmatullin, Analyst bei Investcafé. Wohl aus diesem Grund läuft der neue Lowcoster lediglich auf Sparflamme: Der Billigflieger startet mit nur vier Flugzeugen vom Typ Boeing 737-800, die von Aeroflot geleast werden, eigene Flugzeuge sollen nicht angeschafft werden. Darüber hinaus verzichtet Aeroflot auf Werbemaßnahmen. „Bjudschetnyj perewoschtschik" hat bereits einen Antrag auf Betriebsgenehmigung bei der russischen Luftfahrtbehörde Rosaviacia gestellt, anschließend kann der Billigflieger mit dem Ticketverkauf beginnen. Dabei sei es für die Kunden nur

vorteilhaft, dass das Unternehmen ohne Werbung auskommen will, bemerkt Nigmatullin: Die Ausgaben für Werbung fielen weg und die Ticketpreise könnten entsprechend niedriger kalkuliert werden, erklärt er. Das sei ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für die neue Billigfluggesellschaft.

Auch bei Aeroflot ist man überzeugt, dass „Bjudschetnyj perewoschtschik" ohne Markenname und Werbung ein Erfolg wird. Langfristig plant die Muttergesellschaft, auch ausländische Destinationen wie Spanien oder Israel ins Programm vom Lowcoster aufzunehmen, jedoch nicht, solange die Sanktionen bestehen. Ob und wann Sanktionen gegen Russland zurückgefahren oder aufgehoben werden, wird wohl erst beim nächsten Gipfeltreffen der Europäischen Union am 23. und 24. Oktober in Brüssel diskutiert werden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf diplomatische Quellen aus Osteuropa. Das hänge von der Entwicklung in der Ukraine ab, so die Quelle.

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