Moskau – ein bedeutendes Finanzzentrum der Zukunft?

Foto: ITAR-TASS

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Auch wenn man sich noch nicht mit New York oder London messen möchte, so hat doch die russische Regierung das Ziel, Moskau zu einer führenden Finanzmetropole auszubauen.

Auf der Immobilienmesse Expo Real, die vom 6. bis 8. Oktober in München stattfand, waren am Montag deutsche und russische Experten zu einem Rundtischgespräch über die Wechselbeziehungen zwischen den Finanzmarktaktivitäten in Moskau und der Stadtentwicklung, einschließlich der Entwicklung des lokalen Immobilienmarktes, eingeladen. Die Experten diskutierten, ob und wie Moskau sich zu einem Finanzzentrum weiterentwickeln kann.

Der Minister der Stadt Moskau und Leiter des Departments für außenwirtschaftliche Beziehungen, Sergey Cheremin, analysierte in seinem einleitenden Vortrag das wirtschaftliche Potenzial der Stadt sowie Trends der Stadtentwicklung. Schon jetzt erwirtschaftet Moskau ein Bruttosozialprodukt von 330 Milliarden US-Dollar (etwa 260 Milliarden Euro). Laut Cheremin investiere Moskau jährlich sechs Milliarden Euro in die Entwicklung der Infrastruktur, wobei diese Ausgaben in den nächsten Jahren weiter steigen sollen. Allein im Verkehrsbereich seien 240 Kilometer neue Eisenbahnstrecken, 80 Kilometer neue Straßen und 300 Kilometer Radwege geplant.

Die Zahl der ankommenden Passagiere auf den Moskauer Flughäfen steigt jährlich und lag 2013 bereits bei 71 Millionen. Damit sind für die Besucher der russischen Hauptstadt die bisher bestehenden Hotels nicht mehr ausreichend, sodass im Zeitraum von 2012 bis 2016 der Bau von 154 neuen Hotels geplant ist.

All diese Investitionen sind für Cheremin notwendige Voraussetzungen, um Moskau als Finanzstandort attraktiv zu machen. Zudem mache „die Erweiterung der Stadtfläche Moskaus um mehr als das Zweifache im Jahr 2012 die geplanten Investitionen noch dringlicher“. Zu den genannten Maßnahmen kommt das Großprojekt „Moscow City“ hinzu, bei dem in den vergangenen Jahren Büroraum neu geschaffen wurde, der zur Weiterentwicklung als Finanzzentrum dringend benötigt wird.

 

Großes Potenzial, große Herausforderungen

Konstantin Timofejew, Vorsitzender des Moskauer Ausschusses für die Umsetzung von Investitionsprojekten im Baubereich, betonte die zunehmende Bedeutung von Private-Partnership-Projekten bei der Entwicklung der Infrastruktur. Als besonders wichtiges Projekt der Stadtentwicklung Moskaus nannte er die Weiterentwicklung der Investment-Projekte entlang des Flusses Moskwa. Die zukünftige Gestaltung des Flussufers orientiere sich an den Beispielen verschiedener europäischer Städte und möchte „das Ufer der Moskwa von einer reinen Verkehrsachse zu einem Erholungsraum für die Bewohner der Stadt entwickeln“.

Thomas Beyerle, Head of Research bei der Catella Property Group, unterstrich, dass „Moskau in verschiedenen Punkten die internationalen Standards einer Finanzmetropole erfülle“. Allerdings gebe es auch einige

Schwachpunkte, an deren Überwindung in den kommenden Jahren gearbeitet werden müsse. „Der Büroflächenmarkt in Moskau ist definitiv nicht ausreichend“, betont Beyerle. Sogar Frankfurt mit seinen nur 700 000 Einwohnern verfüge über mehr Büroflächen als Moskau. Auch in anderen Bereichen hat Moskau laut Beyerle noch aufzuholen, „insbesondere im Bildungsbereich, der Infrastruktur und der Attraktivität der Stadt für ausländische Fachkräfte“.

Manuel Schupp, geschäftsführender Gesellschafter von Wilford Schupp Architects, betonte, dass eine weitere Verbesserung der Lebensqualität in Moskau notwendig sei, um die Stadt zu einer konkurrenzfähigen Finanzmetropole zu machen. Nur so wäre Moskau für Fachleute aus aller Welt interessant. Das Angebot an internationalen Schulen und Universitäten müsse ebenso wie das Einkaufsangebot verbessert werden. Schupp sieht allerdings auch Fortschritte, vor allem in der Stadtplanung. Als größtes Problem Moskaus bewertet der Architekt die Staus und den damit

verbundenen erheblichen Zeitaufwand für den täglichen Weg zur Arbeit.

Letztendlich waren sich die Teilnehmer der Diskussion auf dem Moskauer Stand weitgehend einig, dass die Stadt über ein großes Potenzial verfügt, aber noch vor erheblichen Aufgaben steht, um als Finanzzentrum international konkurrenzfähig zu sein. Die Moskauer Regierung hat in den letzten Jahren große Anstrengungen in der Stadtentwicklung unternommen, die in der westlichen Öffentlichkeit aber bisher kaum gewürdigt werden. Hier ist das Moskauer Stadtmarketing weiter stark gefordert. So bemerkte Beyerle nicht ganz zu Unrecht, dass man im Westen Moskau immer nur mit dem Kreml und anderen historischen Bauten assoziiere, aber nie mit den hochmodernen Bürotürmen der „Moscow City“.

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