Russlands Bonität sinkt

Moody’s zeichnet negative Aussichten für Russlands Wirtschaft. Foto: Reuters

Moody’s zeichnet negative Aussichten für Russlands Wirtschaft. Foto: Reuters

Die Ratingagentur Moody’s hat Russland auf die Stufe „Baa2“ herabgestuft und das könnte nicht das Ende sein, denn die Aussichten für die russische Wirtschaft werden weiterhin als negativ eingestuft. Von einer Zahlungsunfähigkeit sei Russland dennoch weit entfernt, erklären russische Analysten und Politiker.

Die US-amerikanische Ratingagentur Moody's hat Russlands Bonitätsnote von „Baa1" auf „Baa2" gesenkt. Auch die weiteren Aussichten seien mittelfristig eher negativ, erklärten die Analysten der Ratingagentur, mit einer erneuten Abstufung müsse daher gerechnet werden. Russlands Kreditwürdigkeit liegt damit nur noch knapp über dem sogenannten „Ramschniveau", ab dem Investitionen als spekulativ gelten.

Moody's führt als Grund für die Herabstufung die Auswirkungen von Sanktionen gegen Russland auf die russische Wirtschaft und die andauernde Krise in der Ukraine an. Kira Juchtenko, Analystin bei der Brokerfirma FBS, bestätigt diese Einschätzung. „Die russische Wirtschaft ist langfristigen Risiken ausgesetzt, deren Folgen gegenwärtig nicht absehbar sind", erklärt sie.

Das russische BIP ist dem Bericht der Ratingagentur zufolge bislang zwar stabil gewesen, doch bis zum Jahresende erwartet Moody's einen massiven Rückgang, der voraussichtlich bis Mitte 2015 anhalten wird. Negativ auf die Kreditwürdigkeit Russlands wirkt sich laut Moody's auch der Rückgang der Währungsreserven aufgrund von Kapitalflucht aus. Problematisch sei zudem der nur noch eingeschränkte Zugang russischer Unternehmen und Banken zum internationalen Kreditmarkt. In den ersten neun Monaten diesen Jahres lag der Kapitalabfluss bei etwa 67 Milliarden Euro. Die gestiegene Währungsnachfrage führte dazu, dass die internationalen Währungsreserven abgenommen haben und zwar seit Ende des vergangenen Jahres um etwa 44 Milliarden Euro auf 358 Milliarden Euro.

Im Wirtschaftsministerium hält man das nicht für problematisch. Wirtschaftsminister Alexej Uljukaew erklärte, die Auslandsverschuldung Russlands liege aktuell bei weniger als drei Prozent des russischen BIP, die gesamte Staatsverschuldung betrage elf Prozent. Das sei eine der niedrigsten Verschuldungsraten weltweit. „Wir könnten unsere Schulden binnen eines Jahres begleichen", versicherte Uljukaew.

 

Erschwerter Zugang zum internationalen Kreditmarkt

Auch bei Moody's erkennt man an, dass Russland nach wie vor über beträchtliche Währungsreserven verfügt. Allerdings, so Moody's, seien diese seit Jahresbeginn um elf Prozent zurückgegangen. Bedenklich sei zudem, dass der private Sektor nicht ausreichend liquide sei, so die Einschätzung der Ratingagentur. Nach Angaben der russischen Zentralbank müssen die russischen Unternehmen und Banken bis Ende 2015 Verbindlichkeiten in Höhe von 106 Milliarden Euro begleichen. Ulyukaew hält ein Refinanzierungsvolumen bei Unternehmenskrediten in Höhe von etwa 70 Milliarden Euro für realistisch. Der Zugang zu ausländischen Krediten ist

jedoch aufgrund der gegen Russland bestehenden Sanktionen sehr eingeschränkt. Neben dem Kapitalabfluss und den niedrigen Rohölpreisen stelle dieser Faktor aufgrund des schwächelnden Rubel die größte Bedrohung für die internationalen Reserven der Russischen Föderation dar.

Die Herabstufung habe Konsequenzen für russische Unternehmen, deren Kapitaldecke dünner wird, sagt Kira Juchtenko. Unter anderem würden Börsengänge erschwert. Als dramatisch stuft sie die Lage jedoch nicht ein. Alexej Wyalkin, Direktor des Departements für Investitionsunterstützung und Innovation bei der russischen Industrie- und Handelskammer, sieht keine Auswirkungen auf russische und ausländische Hersteller auf russischem Territorium.

Andere Experten weisen darauf hin, dass Russland im vergangenen Jahr ohnehin deutlich an Attraktivität für Investoren verloren habe. Die Herabstufung stelle nun lediglich fest, was ohnehin schon bekannt gewesen sei. Wichtiger für die russische Wirtschaft sei nun, wie sich die Situation in der Ukraine und am Rohölmarkt entwickeln werde, glauben sie.

Anna Kokorewa, Analystin bei Alpari, vermutet, dass die Ratingagenturen S&P und Fitch nun nachziehen und Russland bei der Einschätzung der Kreditwürdigkeit ebenfalls herabstufen werden. Dennoch hält sie die Einschätzung von Moody's für überzogen: „Ungeachtet der komplizierten wirtschaftlichen Lage ist Russland ein zahlungsfähiger Staat und sehr weit entfernt von einem Staatsbankrott", hält sie fest.

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